Wertheim

Badische Landesbühne Kinder traten rasch mit ihren Helden in Dialog / Fantasievolles Bühnenbild

Ein Abenteuer aus der Kaffeemühle

Wertheim.Da staunten die großen und kleinen Besucher in der Aula „Alten Steige“ nicht schlecht, wer da alles aus der überdimensionierten Kaffeemühle stieg um die Zuschauer für über eine Stunde mit in die Welt von Räuber Hotzenplotz, Kasperl, Seppel und all den andere zu nehmen.

Mit einer unglaublichen Liebe zum Detail brachte die Badische Landesbühne das Kinderstück „Der Räuber Hotzenplotz“ in der Inszenierung von Katja Blaszkiewitz auf die Bühne.

Wegen der hohen Temperaturen musste die Aufführung kurzfristig in die Aula verlegt werden. Aber das tat der begeisterten Stimmung keinen Abbruch. Die Kinder erkannten ihre Helden schnell wieder, als sich die Schauspieler auf der Bühne verwandelten und in ihre Rollen schlüpften. Und die anwesenden Erwachsenen erinnerten sich an die Tage, als sie sich neugierig und gespannt mit Kasperl (Julia Kemp) und Seppel (Tim Tegtmeier) auf die Suche nach der vom Räuber gestohlenen Kaffeemühle der Großmutter (Norhild Reinicke) machten. Dabei kam allerdings auch bei den Jüngsten keine Angst auf. Zu knuddelig war der von Frederik Kienle dargestellte Räber Hotzenplotz mit langem Hut und Vollbart, wenn er sehnsuchtsvoll die gestohlene Kaffeemühle dreht, um die Melodie zu hören, oder mit der Gummiente im Wasser plantscht. Blöd nur, dass der dabei vom gefährlichen Zauberer Petrosilius Zwackelzahn (herrlich überdreht gespielt von Markus Wilharm) in sein Schloss gezaubert wird.

Figuren werden lebendig

Dabei war alles noch so friedlich und fröhlich, als die beiden Jungen ihrer Großmutter eine musizierende Kaffeemühle als Geburtstagsgeschenk überreichten und dabei zum Lied „Wie schön, dass du geboren bist“ eine der zahlreichen Musik- und Tanzeinlagen brachten. Die Kaffeemühle orientierte sich mit ihrem Sound an der Pockabilly-Ära. Dazu passte das Petticoatkostüm der Großmutter.

Überhaupt ließen die Kostüme die Figuren lebendig werden, auch wenn es nur kleine Accessoires, wie die Kasperlmütze, der Seppelhut oder die Sonnenbrillen der Wachen im zaubererschloss waren. Dies faszinierte die Kinder, die rasch in einen Dialog mit ihren Helden auf der Bühne traten und zum Beispiel Kasperl immer wieder lautstark informierten, dass es im Schloss, in dem er gefangen gehalten wurde, keinen Pflaumenkuchen gibt.

Alle Schauspieler spielten mit großem Engagement. Auch die kurzfristig als Wachtmeister Dimpfelmoser eingesprungene Franziska Plüschke, die ab der nächsten Spielzeit zum Ensemble des Kinder- und Jugendtheaters gehören wird, hauchte dem tollpatschigen und überforderten Wachtmeister geschickt Leben ein. Da war es nur recht und billig, dass sie am Schluss in ihrer zweiten Rolle, der zur Unke verwandelten Fee Amaryllis, von Kasperl gerettet wurde.

Das fantasievolle, sich immer wieder wandelnde Bühnenbild, das auf Basis der aufgebauten Riesenkaffeemühle immer wieder verändert wurde, tat sein Übriges, um die Nachwuchs-Theaterbesucher zu begeistern und ihnen hoffentlich ein Erlebnis zu vermitteln, das sie irgendwann auch als Erwachsene immer wieder ins Theater führt.