Wertheim

Projekttage Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums besuchten Johann-Kern-Sternwarte

Ein Blick zur Venus und in ferne Galaxien

Archivartikel

Wertheim/reicholzheim.Im Rahmen der Projekttage am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Wertheim besuchte der Kurs „Astronomie“ der Jahrgangsstufe 1 die Johann-Kern-Sternwarte Wertheim. Begleitet von ihrem Physik-Lehrer Wolfgang Boos und Kollegen brachten Dr. Rolf Weidelt und Dr. Jürgen Dirscherl vom Verein der Sternwarte den interessierten Jugendlichen die praktischen Seiten der Astronomie nahe.

Der laue Sommerabend bot einen wolkenlosen Himmel und damit ideale Bedingungen, beim Blick durch die Teleskope der Sternwarte Mond, Planeten, Sternhaufen und Gasnebel mit eigenen Augen zu erleben.

Dr. Rolf Weidelt erzählte einleitend die Geschichte der Sternwarte, angefangen von der Leidenschaft des „Bauernastronoms“ Johann Kern für die Astronomie, die zum Bau eines der damals größten Teleskope in Privathand führte. Nach seinem Tod wurde das Instrument Anfang der 80er Jahre von dem neu gegründeten Verein übernommen und in einen Kuppelbau oberhalb von Wertheim installiert.

Die schiere Größe des Teleskops, mit einem Spiegeldurchmesser von 61 Zentimetern und einer Brennweite von drei Metern, führte bei den Besuchern zu großem Erstaunen.

Aktuell sind am Nachthimmel gleich mehrere Planeten zu bewundern. In der Dämmerung neigte sich die Venus bereits dem Horizont zu. Dementsprechend war die Sichelform der Venus nur noch ansatzweise zu erkennen. Ein weiteres prächtiges Objekt ist zur Zeit der Gasplanet Jupiter, der größte Planet in unserem Sonnensystem. Außer den Wolkenbändern waren drei der zahlreichen Jupitermonde sichtbar. Der Planet Saturn mit seinem Ringsystem führte bei den Jugendlichen ebenfalls zu Bewunderung. Sicher ist dieser Planet eines der schönsten Objekte am Himmel.

Danach richtete Dr. Jürgen Dirscherl das Teleskop auf den weit entfernten Kugelsternhaufen M13 (siehe Abbildung) im Sternbild Herkules und gab einige Erläuterungen zum Objekt.

Nächstes Ziel war der sogenannte Ringnebel im Sternbild Leier. Obwohl dieser Gasnebel – die abgestoßene Hülle eines sterbenden Sterns– recht klein ist, bietet er im großen Teleskop der Sternwarte ein eindrucksvolles Bild. Ein mit dem gleichen Teleskop gewonnenes Astrofoto dieses Nebels zeigte den Jugendlichen deutlich, wie viel mehr moderne Kameratechnik „sieht“ als das Auge, ohne dass dies den Reiz des direkten Beobachtens schmälert. Letztes „Deep-Sky-Objekt“ war der Doppelstern Albireo mit seinem deutlichen Farbkontrast der beiden sich umkreisenden Sterne.

Abschließend wurde noch ein Blick auf den Planet Mars geworfen, der aber trotz seiner aktuellen Nähe zur Erde nur wenige Oberflächendetails bot, wahrscheinlich weil dort gerade ein planetenweiter Staubsturm wütet.

Als dann schließlich noch die Raumstation ISS (mit Alexander Gerst an Bord) als heller Punkt über den Himmel zog, war das nächtliche Erlebnis perfekt.