Wertheim

Runder Geburtstag Der frühere Ortsvorsteher und Stadtrat Gerhard Kohout wird heute 70 Jahre alt

Ein „Grünenwörter auf Lebenszeit“

Bestenheid.Seinen 65. Geburtstag vor fünf Jahren feierte Gerhard Kohout irgendwo zwischen der Walfischbucht und dem Äquator. Heute wird der langjährige Grünenwörter Ortsvorsteher und Wertheimer Stadtrat 70. Und wieder ist er, gemeinsam mit seiner Frau Ursula, unterwegs auf den Weltmeeren.

„Wahrscheinlich sind wir da gerade auf dem Weg zu den Azoren“, verriet er im Vorabgespräch mit dem ihm eigenen verschmitzten Lächeln, das so etwas wie sein Markenzeichen geworden ist. Das trägt er mit Sicherheit auch im Gesicht, wenn er zu Fuß oder auf dem Fahrrad Touristen die Schönheiten seiner Heimat zeigt.

Der Pädagoge

Am 14. April 1948 in Wertheim geboren, ging Kohout nach dem Abitur am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium erst einmal für drei Jahre zur Bundeswehr, ehe er an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg das Studium aufnahm.

Seine ersten Sporen als Lehrer verdiente sich der heutige Jubilar an der Edward-Uihlein-Schule in Wertheim. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Dertingen an der dortigen Grundschule fand er seine feste pädagogische Heimat schließlich in Bestenheid an der, damals noch, Grund- und Hauptschule.

Nahe dem Ende seiner beruflichen Laufbahn sprang Gerhard Kohout als Krankheitsvertreter an der Lindtal-Schule in Freudenberg ein und erlebte dort, wie er sich auch heute noch gerne erinnert, ein unerwartetes kleines Highlight. Dank hoch motivierter, lernwilliger Schüler war das für ihn ein schöner Abschluss.

Mit 62 Jahren ging er zunächst in die Freistellungsphase der Altersteilzeit und im Jahr darauf dann offiziell in den Ruhestand. Noch heute gilt, was er kurz nach seiner Pensionierung sagte: „Ich war sehr lange sehr gerne Lehrer.“ Doch angesichts der seitherigen Veränderungen in der Schullandschaft sei er auch „nicht unglücklich, nicht mehr dabei zu sein“.

Der Kommunalpolitiker

Sehr lange, mit Sicherheit meistens auch sehr gerne, und vor allen Dingen sehr erfolgreich war Gerhard Kohout Kommunalpolitiker. Zum ersten Mal wurde er 1980 in den Grünenwörter Ortschaftsrat gewählt, dem er bis 2009 angehörte. Seit 1984 war er Ortsvorsteher. Bei seiner Verabschiedung wurde er, obwohl nicht mehr im Dorf wohnend, von seinem Nachfolger zum „Grünenwörter auf Lebenszeit“ ernannt. Es war ein deutliches Zeichen der Anerkennung für die Verdienste, die sich der heutige Jubilar erworben hat. Nach wie vor sind im Rückblick auch für ihn die Jahre als Ortsvorsteher die schönsten in seiner kommunalpolitischen Ära gewesen.

Zwei Jahrzehnte lang gehörte Kohout, ab 1989, auch dem Wertheimer Gemeinderat an, 14 Jahre davon war er Vorsitzender der SPD-Fraktion. In den letzten fünf Jahren seines kommunalpolitischen Wirkens vertrat er die Freien Bürger Wertheim im Gremium.

Der Offizier

Noch einige Jahre nach seinem Ausscheiden aus den Ämtern wurde Gerhard Kohout, der schon zuvor vielfach ausgezeichnet worden war, mit der Stadtmedaille in Gold durch Oberbürgermeister Stefan Mikulicz und mit dem Goldenen Verdienstabzeichen des Städtetags Baden-Württemberg geehrt.

Darüber hinaus ist er Träger des Ehrenkreuzes in Gold der Bundeswehr und das zeigt, dass er dieser auch nach seiner dreijährigen Dienstzeit eng verbunden geblieben ist. Erst die gesetzliche Altersgrenze für Offiziere der Reserve beendete die militärische Laufbahn Kohouts, die ihn bis zum Oberst der Reserve und Kommandeur eines Logistikbataillons geführt hatte.

Noch heute trifft er sich regelmäßig mit den Kameraden des Sprecherkreises der Kommandeure der Reserve und der Reservistenkameradschaft Nassig hält der Offizier selbstverständlich weiterhin die Treue.

Der Vereins- und Familienmensch

Mehr als nur der Vollständigkeit wegen muss erwähnt werden, dass Gerhard Kohout auch beim SC Grünenwört tiefe Spuren hinterlassen hat, dessen Ehrenvorsitzender er ist, nachdem er acht Jahre als Vorsitzender und insgesamt 20 Jahre im Vorstand gewirkt hat.

Schon vor fünf Jahren und heute wieder „stelle ich mir die Frage, wo ich die Zeit hergenommen habe, um all das zu machen“, sagt der Vater von vier Töchtern und Opa von ebenso vielen Enkelkindern. Vielleicht gefallen ihm, nach all dem Engagement und Trubel, ja deshalb die reinen Seetage mit ihrer Ruhe bei seinen Schiffsreisen am besten. Zum heutigen Geburtstag gratulieren auch die Fränkischen Nachrichten herzlich.