Wertheim

Fraunhofer-Institut Dr. Jörg Paczkowski referierte vor zahlreichen Zuhörern zum Thema „Eulschirbenmühle – Dichtung und Wahrheit“

Ein hochherrschaftlicher, repräsentativer Bau

Bronnbach.Der Vortrag von Dr. Jörg Paczkowski zum Thema „Eulschirbenmühle – Dichtung und Wahrheit“ lockte zahlreiche Zuhörer in den Vortragssaal des Fraunhofer-Instituts in Bronnbach. Man hörte Geschichtliches und Kulturhistorisches ebenso wie vieles über einschlägige Sagen und Märchen. Der Vortrag wurde mit reichlich Beifall bedacht.

Katrin Wittstadt begrüßte namens der Veranstalter „Internationales Zentrum für Kulturgüterschutz und Konservierungsforschung“ und „Fraunhofer-Institut für Silicatforschung“ in Verbindung mit dem historischen Verein Wertheim. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin freute sich über den sichtbaren Anklang des Themas, kümmere man sich doch auch um Erhalt von Kulturdenkmälern, diesmal ginge es um ein Juwel.

Wassermänner und Nixen

Dr. Paczkowski sagte, ihn interessiere an Sagen und Märchen jeweils auch die entsprechende Struktur und wie diese entstanden seien. Das Taubertal wimmle von Sagen, die mit Wasser zu tun hätten und in denen Wassermänner oder Nixen eine herausragende Rolle spielten. Der Referent erzählte eingehend Beispiele aus Gamburg und Bronnbach oder vom Pfaffenbrunnen in Uissigheim. Solche Sagen sprächen das Seelenleben der Personen im Tal an, oft komme das Thema der Erlösung hinzu.

Der Fachmann unterstrich, das Thema Nixen komme eigentlich aus der Antike. Volkssagen entstünden, wenn die Bevölkerung Geschichten gehört und auf den eigenen Ort bezogen weiter erzählt habe. Volkssagen stammten alle aus Urquellen aus der Hochgeschichte bis zurück zur Antike.

Wasser sei oft die große Mutter, von der das Leben stamme, Flussquellen immer Eingang ins unterirdische Reich. Auch alle Geschichten der Eulschirbenmühle, bezogen auf Melusine, hätten diesen Hintergrund. So gebe es aus 1401 ein französisches Urgedicht, 1456 verarbeitete ein Schriftsteller Märchenhaftes und Historisches.

Paczkowski bezeichnete es als Katastrophe, dass die Eulschirbenmühle so im Abseits liege. Die Müh-le selbst gebe es nachweislich seit 1245, sie habe lange an der Grenze zwischen mainzischem und Würzburger Gebiet gelegen. Die Anlage sei zwischen 1592 und 1595 fertiggestellt worden. Dr. Pazckowski ging intensiv auf bauliche Aspekte der Eulschirbenmühle ein, begleitete diese Ausführungen mit vielen vergleichenden Beispielen auch der weiteren Umgebung.

Der Referent bezeichnete die Eulschirbenmühle als einen der bedeutendsten Bauten aus der Zeit von Julius Echter, ehedem Fürstbischof von Würzburg. Die Seitenfront der Eulschirbenmühle zeige einen sehr aufwändig und vollkommen selbstständig gestalteten Giebel, was man in der Echterzeit als wichtig erachtet habe. Paczkowski nannte die Eulschirbenmühle ein Musterbeispiel ganz konsequenter Umsetzung der Gedanken von Julius Echter.

Solche Gedanken seien nur bei Profanbauten umgesetzt worden, bei Kirchen nicht. Der Vortragende betonte, die baulichen Ideen seien aus der Echter-Zeit in der Eulschirbenmühle noch vollkommen so erhalten wie ursprünglich angedacht. Diese sei „unglaublich symmetrisch“, ein hochherrschaftlicher Bau, auch der repräsentative Erker aufwändig gestaltet. Das Bauwerk habe einen Treppenturm, welcher das Gebäude gliedere und der in vielen Städten als Element des Selbstbewusstseins gegolten habe. In der Zeit um 1600 komme die ausgeprägte Architektur herrschaftlicher Wassermühlen zum Ausdruck.

Eine Ansicht von 1896 indes, so Paczkowski, zeige, dass die Mühle Anbauten bekommen habe, „ein totales Durcheinander“. Ab den 1920er Jahren habe der Mensch die Kräfte des Wassers genutzt, dieses habe dem schönen Bau zeitgenössischer Aussage nach keinen Abbruch getan. Ab 1956 sei die Eulschirbenmühle restauriert, die Anbauten abgerissen worden.

Der Referent ging näher auf die Sage um Melusine ein. Sagen bedeuteten, der Mensch beschäftige sich mit der Gegend, in der er lebe, verorte Geschichten, jene Sage der Melusine eben in die Situation der Eulschirbenmühle übersetzt. Das Thema sei auch in der Oper Undine verarbeitet.

Mädchen von großer Schönheit

Paczkowski erläuterte, es gehe um ein unbekanntes Mädchen von großer Schönheit, welches in der Mühle als Magd arbeite, jedoch von einem Geheimnis begleitet sei. Das Mädchen verschwinde jeden Donnerstag bis zum Samstag.

Ein in der Nähe wohnender Graf sei ihr gegenüber in unglaublicher Liebe entbrannt, habe das Geheimnis enträtseln wollen. Also sei er ihr nachgeschlichen, habe gesehen, wie das Mädchen am Ufer unbekleidet ins Wasser gegangen, später mit Perlenkrone auf dem Haupte wieder erschienen sei mit einem Leib mit Schuppen ab der Hüfte abwärts.

Schließlich sei die Frau zur Geliebten des Herrn geworden, dieser habe ihr an der Mühle ein Schloss gebaut. Das Geheimnis sei auf die Dauer nicht verborgen geblieben mit der Folge, dass das Wasserfräulein irgendwann verschwunden war und niemand mehr etwas von ihr gehört habe.

Paczkowski rezitierte auch aus früheren Werken über Melusine, auch in Gedichtform, gab dem Vortrag dadurch einen speziell schönen Rahmen. hpw