Wertheim

Geburtstag Isolde Broedermann feiert heute ihr 75. Wiegenfest / Künstlerin lebte einige Zeit in Kanada / Als Lehrerin an den Gymnasien in Lauda und Wertheim unterrichtet

Ein Leben in Zufriedenheit

Wertheim.Der Blick zurück ist ihre Sache nicht wirklich. „Die Vergangenheit verliert sich im Grau“, sagt sie. „Vieles vergisst man einfach, es ist nicht mehr wichtig.“ Und doch möchte sie nichts von der Zeit missen, die sie erlebt hat, auch nichts von dem, was scheinbar nicht funktioniert hat. Heute feiert die Malerin Isolde Broedermann ihren 75. Geburtstag.

Geboren am 17. April 1943 in Pabianiza nahe Lodz haben das Ende des Zweiten Weltkriegs, die Flucht und ihre Folgen die frühen Jahre der Künstlerin bestimmt. Mit dem letzten Treck sei man aus Polen herausgekommen, zunächst in Landsberg am Lech und schließlich in Lauda gelandet, wo der Vater eine Stelle als Oberingenieur angenommen hatte. Dort sei ihr bewusst geworden, dass sie „das blöde Flüchtlingskind“ sei. Ihre Position habe sie sich „erarbeitet“, wenn es sein musste, „auch mit den Fäusten“.

Dem Besuch der Handelsschule folgte die Werkkunstschule in Würzburg und schließlich das Studium an der Kunstakademie in Stuttgart. Dann das Abenteuer Kanada. Mit damals zwei Mark in der Tasche ging es über den großen Teich, erst als Au-Pair, dann als freischaffende Künstlerin. Mit ersten Ausstellungen machte sie sich einen Namen und war doch ziemlich abgebrannt als sie, nach sechs Jahren, schließlich die Sehnsucht nach dem Taubertal packte und sie nach Hause zurückehren wollte.

Flüchtiges Glück

Isolde Broedermann – in Kanada war aus dem „ö“ in ihren Nachnamen ein „oe“ geworden – fand sich eine Woche zu früh und mit leerem Geldbeutel am Flughafen ein. Der kurzfristige Kredit einer Zufallsbekanntschaft half ihr die Tage zu überbrücken. „Wieder in Deutschland habe ich das Geld natürlich zurückbezahlt.“ Szenen wie diese zählen für die Jubilarin zu dem, was sie Glück nennt. „Glück“, sagt sie, „das sind oft nur Momente, ist Zufall“. Wichtiger für sie ist Zufriedenheit. Und davon gibt es, ihren Aussagen zufolge, sehr viel in ihrem Leben.

Wieder in Lauda unterrichtete sie am dortigen Gymnasium, saß für eineinhalb Wahlperioden im Gemeinderat, zog mit der damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Brigitte Adler über die Dörfer, um Wahlkampf zu machen. Später wechselte sie beruflich ans Wertheimer Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und verlegte auch ihren Lebensmittelpunkt in die Stadt an Main und Tauber.

Nach einer gescheiterten Ehe, aus der der 1978 geborene Sohn Falko stammt, lernte sie bei einer Veranstaltung in Würzburg Werner Thomann kennen, seinerzeit Vorstandsvorsitzender der Volksbank Wertheim. Seit gut 30 Jahren gehen die beiden, die nicht nur die Liebe zur Kunst verbindet, nun gemeinsam durchs Leben, seit 25 Jahren als Ehepaar.

Auch wenn sie als Lehrerin inzwischen im Ruhestand ist, arbeitet sie noch immer mit Kindern und zwar im Förder- und im Waldkindergarten in Waldenhausen. Da ist sie die Hexe „Farbula Pinsinelli“ und es macht ihr riesige Freude, den Mädchen und Jungen zum Beispiel einfache Pinselübungen beizubringen, die sie sich bei einem Aufenthalt in China abgeschaut hat.

Ihr Wissen und ihre Erfahrungen gibt sie auch beim Kunstprojekt im Frauenverein weiter – und das auch an interessierte Männer. Derzeit arbeitet man gemeinsam am Thema „Vernetzung“. Ansonsten reist die seit heute 75-Jährige gern, bevorzugt mit ihrer Freundin Astrid Ritter, mit der sie auch häufig gemeinsame Ausstellungen gestaltet.

Und sie freut sich darauf, dass sie in Kürze zum ersten Mal Oma wird. Wenn sie einen Wunsch hat, dann den, dass die Verbindung zwischen dem Hofgarten und der Burg irgendwann einmal in „Wolfram-von-Eschenbach-Weg“ benannt wird, zur Erinnerung an den „Parzival“-Dichter und seinen, wahrscheinlichen, Aufenthalt hier.

Ihren Geburtstag feiert die Künstlerin heute im Kreis der Familie und dann noch einmal gemeinsam, nur mit Frauen. Denn „die waren und sind es, die mir im Grunde genommen immer zur Seite standen und mich auch so nett in Wertheim aufgenommen haben“.