Wertheim

Aula Alte Steige „Quadro Nuevo“ nehmen mit auf eine musikalische Reise für Menschen mit Sehnsucht auf ein Vagabundenleben

Ein Lied nebenan liegt Italien

Wertheim.Das Weltmusik-Ensemble „Quadro Nuevo“ gastierte mit seinem neuen Programm „Flying Carpet“ in Wertheim. Ursprünglich war die Veranstaltung auf der Burg unter freiem Himmel angesetzt. Es war eine gute Entscheidung, die am frühen Nachmittag getroffen wurde, vor dem später einsetzenden Gewitterregen in die Aula Alte Steige umzuziehen. „Quadro Nuevo“ gastierte bereits vor zwei Jahren in der Stadt und markierte damals den Auftakt zum Musiksommer auf der Burg.

„Der Teppich hebt ab“, rund 250 Musikfreunde waren mit dem mehrfach Echo-gekrönten Ensemble auf der Wolke. Mit orientalischen Klängen als Einstieg nahmen die fünf Musiker ihr Publikum mit auf eine bemerkenswerte Reise rund um den Globus. Mit Charme erfolgte die Moderation des Frontmannes Mulo Francel stets als eine Punktlandung. Unterhaltsam, witzig, mal mit atemberaubender Wortfülle und dann wieder eher spärlich.

Ein Hauch von Frankreich

Karl May hätte sicher seine Freude daran gehabt, „Durchs wilde Kurdistan“ wurde von „Quadro Nuevo“ vertont und erhielt im „orientalischen Teil“ des Konzerts einen Ehrenplatz. Die Musiker machten Station im „Cafe Kairo“, zauberten dabei einen Hauch von Klängen Frankreichs hinzu, und ein wenig Wiener Schmäh war auch zu spüren.

Ein ganz besonderes Lied war einem Mann gewidmet, der gar nicht weit weg von Wertheim entfernt gewirkt hat. Giovanni Battista Tiepolo, sein Hauptwerk ist das Deckenfresko im Treppenhaus der Würzburger Residenz, kam aus Venedig nach Franken. Vier Jahre lang malte er hier die Kontinente Afrika, Asien, Amerika und Europa in das riesige Gewölbe. Mulo Francel ulkte: „Weil immer mehr Würzburger Geschäftsleute kamen und auch in das Bild mit aufgenommen werden wollten, malte Tiepolo fortan nur noch nachts im Kerzenschein.“

Der abrupte Wechsel von leisen Tönen ins Fortissimo ließ die Zuschauer bei vielen Stücken aufhorchen und die Aufmerksamkeit nicht abbrechen. Die Harfenistin Evelyn Huber tanzte bisweilen mit ihrem Instrument voller Leidenschaft. Vielen Konzertbesuchern war wohl bis zu diesem Abend nicht bewusst gewesen, dass diesem Engelsinstrument durchaus auch fetzige Rhythmen zu entlocken sind.

Die fünf Musiker verschmolzen zu einer harmonischen Einheit, leidenschaftlich entlockten die Künstler ihren vielfältigen Instrumenten die bizarrsten Klänge, das Tempo war kaum steigerbar. Chris Gall, der Pianist wurde bisweilen zum Artist. Was zunächst nach Reparaturarbeiten am Piano aussah, entpuppte sich als ein atemberaubendes Spiel auf dem Tasteninstrument. Didi Lowka, der Mann mit dem Kontrabass, wechselte an die afrikanischen Trommeln und holte hier alles raus, zurück am Kontrabass trommelte er hier zweckentfremdet zur großen Erheiterung des Publikums auf diesem Instrument weiter.

Ein wenig unscheinbar wirkte zunächst der Mann am Akkordeon. Andreas Hinterseer mit alpenländischen Wurzeln. Beeindruckend, wie der Mann mit dem 72-Bass-Akkordeon auch dem Vibrandoneon und dem Bandoneon märchenhafte Töne entlockte. Quasi im fliegenden Wechsel tauschte Mulo Francel mit vollem Körpereinsatz das Tenorsaxophon mit dem Sopran-Saxofon. Sehr temperamentvoll aufeinander abgestimmt verschmolzen die Musiker über weite Passagen mit ihren Instrumenten.

Bekanntschaft mit Ikarus

„Quadro Nuevo“ machte aus einer Sage ein Lied: „Die Reise nach Batumi“. Kurzum es geht im Ford Transit zu einem Ausflug nach Griechenland und dabei wird das goldene Vlies gefunden. Man macht Bekanntschaft mit Ikarus und aus dessen Traum wird Musik von „Quadro Nuevo“. Gleich nebenan liegt Italien und mit einer eigenwilligen Komposition von Canzone della Strada, ein Tango aus neapolitanischen Gassen, ist es dem Mann am Kontrabass gelungen, der sein Instrument als Schlagwerk benutzt, dem faszinierten Publikum ein anhaltendes Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Am Ende gab es viel Beifall für „Quadro Nuevo“. Stehend wurde applaudiert, und die Musiker geizten nicht mit Zugaben. Zunächst temperamentvoll und ganz zum Ende eine Ballade für den Nachhauseweg. Draußen regnete es in Strömen und ein jeder war froh, dass „Quadro Nuevo“ das Konzert unter Dach gebracht hatte. Zusammengefasst war es eine beeindruckende musikalische Reise für Menschen mit Sehnsucht nach einem Vagabundenleben, nach Melodien und zu den schönsten Flecken der Erde: Ägypten, Griechenland, Italien und Wertheim. hw