Wertheim

Kulturdenkmal Restauratoren arbeiten in den kommenden Wochen am Engelsbrunnen / Eventuell wird Kopie der Venusfigur wieder gegen Original getauscht

Ein muskulöser Arm für den Göttervater

Archivartikel

Ende der 90er Jahre erfuhr der Engelsbrunnen seine letzte Sanierung. Seit vergangener Woche legen wieder Restauratoren vorsichtig Hand an das 444 Jahre alte Bauwerk.

Wertheim. Mit einem teelöffelgroßen Spachtel kratzt Thomas Killinger Mörtel aus einem kleinen Töpfchen, das er in der linken Hand hält. Er beugt sich vor und trägt die rotbraune Paste auf den rechten Fuß der Engelsfigur auf. Die groben Umrisse der Zehen sind bereits erkennbar. Wieder taucht Killinger den Spachtel ein und ergänzt noch etwas Mörtel.

„Das Ganze muss nun antrocknen, dann modelliere ich Fuß und Zehen nach“, erklärt der Restaurator. Gemeinsam mit zwei Kollegen und seinem Chef Werner Haupt arbeitet Killinger seit vergangener Woche auf dem Gerüst hinter einem blauen Vorhang am Wertheimer Engelsbrunnen.

Zunächst haben die Restauratoren den Brunnen und seine Figuren mit weichen Bürsten und Heißdampf von Ruß, Moosen und Flechten gereinigt. Eine solche Behandlung wurde dem Kulturdenkmal zuletzt 1996/97 zuteil. Jetzt stehen weitere Sanierungsarbeiten an: Der Sandstein wird entsalzt, lose Steine und poröse Stellen werden wieder befestigt, Risse im Gestein und offene Fugen geschlossen, teilweise wird Naturstein ergänzt. Besonders an Stellen, an denen bereits bei vorhergehenden Restaurierungen Hand angelegt wurde, bessert das Team um Werner Haupt nach. Der Mörtel, der damals zum Einsatz kam, kann einfach nicht mit der Haltbarkeit des Sandsteins mithalten. Teilweise wurden bei der Sanierung auch Fehler gemacht.

Rost ist wie Eis

Ein Problem ist beispielsweise das Metall, das in Jupiters Bein eingearbeitet ist. „Es rostet“, erklärt Werner Haupt und deutet auf eine kleine Metallspitze, die aus dem aufgeplatzten Mörtel ragt. „Rost ist wie Eis. Er dehnt sich aus“, fügt Killinger hinzu.

Die Folge: Die Ausbesserungen bröckeln ab. Für die Restauratoren ist Jupiter im Moment der aufwendigste Patient, ihn werden sie später auch in ihre Werkstatt mitnehmen. Dort soll Killinger dem Göttervater einen neuen rechten Arm fertigen und den Bereich zwischen Knie und Fessel des linken Beins austauschen. Der Steinbildhauer ist bei Gebrüder Haupt der Experte für figürliche Nachbildungen. „Das Muskelspiel nachzubilden, hatte mein Vorgänger nicht so drauf“, bewertet er die Arbeit. Während Bildhauer Mathes Vogel an Jupiters linkem Arm – dem Original – Muskeln und Sehnen herausgearbeitet hat, kommt die Nachbildung doch sehr grob daher. „Unschön, aber fest“, lautet die Kommentierung in der Abbildung, in der die zu restaurierenden Stellen markiert sind. Killinger will es nun besser machen: Anhand von Archivfotos wird er recherchieren, ob der ursprüngliche Jupiter etwas in der Hand hatte.

In alten Bildern hoffen die Restauratoren und Benedikt Kleiser vom städtischen Baudezernat auch Hinweise darauf zu finden, wie die linke Hand von Jupiters Gegenüber, der Merkurfigur, ausgesehen hat. Ob diese im Zuge der Sanierung ergänzt wird, klärt Kleiser in den kommenden Wochen mit dem Denkmalamt ab. Ebenfalls noch nicht entschieden ist, ob die Kopie der Figur der Venus wieder durch das Original ersetzt wird. Dieses lagert derzeit im Grafschaftsmuseum. „Im Laufe der Woche werden wir die Venusfigur begutachten und je nach Zustand entscheiden, ob sie wieder an ihren Platz kommt“, informiert Kleiser. Ziel sei es, den Brunnen so herzustellen, dass er sich auf lange Sicht in einem gesichert guten Zustand befinde.

Inzwischen füllt Thomas Killinger Risse im Sandstein mit der rotbraunen Mörtelmischung auf. Er trägt einige Millimeter mehr Material auf, die er nach dem Trocknen wieder abnimmt. Neben ihm auf dem Gerüst erledigt Johannes Burow die Vorarbeit. Er spritzt Steinfestiger aus einer Tube in offene Risse, genauso verfahren die Restauratoren dort, wo sich hinter dem Originalstein Spalten gebildet haben.

„Dafür, dass der Brunnen im Freien steht, ist er in einem ganz guten Zustand. Hier sieht man wieder, dass der rote Mainsandstein einiges aushält“, bewertet Werner Haupt den Brunnen. Er bessert gerade einige der Kompressen aus, die dem Stein eingelagerte Salze entziehen sollen. Der Sturm am Sonntagnachmittag hatte einige Schäden hinterlassen. Die Kompressen bleiben nun einige Tage auf dem Stein, dann werden Proben ins Labor geschickt und schließlich je nach Ergebnis entschieden, ob die Prozedur ein weiteres Mal wiederholt werden muss.

Aufgrund solcher Unwägbarkeiten und der Abhängigkeit vom Wetter, fällt es Haupt schwer, abzuschätzen, wie lange sich die Sanierung ziehen wird. „Bei guter Witterung sollten wir in diesem Jahr fertig werden“, wagt er eine vorsichtige Prognose.