Wertheim

Auszeichnung Stiftskirche wird vom evangelischen Oberkirchenrat mit Prädikat „Pilgerkirche“ geehrt / Pro Jahr etwa 100 000 Besucher gezählt

„Ein Ort, um spirituell aufzutanken“

Archivartikel

Wertheim.Den Kirchengebäuden kommt heute eine hohe Bedeutung zu, weil sie oft für Gäste aus nah und fern eine wichtige Anlaufstelle sind. So treten beispielsweise über die Schwelle der Stiftskirche etwa 100 000 Besucher pro Jahr – aus Neugier, kunsthistorischem Interesse, weil sie Schutz suchen oder einen Moment zur Ruhe kommen wollen.

„Darum ist es gut, dass wir unsere Kirchen bewusst offen halten und pflegen, nicht wie ein Museum, sondern als einen lebendigen Ort, in dem auf unterschiedliche Weise immer wieder das zur Sprache kommt, was uns als Christenmenschen unbedingt angeht“, dies sagte Dekan Hajo Büsing.

Menschen, die unterwegs auf der Reise ihres Lebens in der Kirche Station machen, sollen bei die Möglichkeit haben, auch spirituell aufzutanken und sich bei ihrer Suche individuell mit Inhalten des christlichen Glaubens beschäftigen zu können, sei es bei der Betrachtung des Kreuzes, beim Hören der Orgel, oder beim Lesen der Bibel.

Augustin, der berühmte Kirchenvater zu Beginn des fünften Jahrhunderts hat für das auf Gott ausgerichtete Leben der Christen in der Welt das Wort Pilgern geprägt. Pilgern auf evangelisch meint darum keine fromme Leistung im Sinne einer Wallfahrt, sondern ein bewusstes Unterwegssein in der Offenheit für die Begegnung mit Gott, mit den Mitmenschen und der ganzen Schöpfung.

Der Wertheimer Stiftskirche, die bereit seit vielen Jahren eine „Offene Kirche“ ist und seit drei Jahren als Radwegekirche zertifiziert ist, wurde nun das Prädikat „Pilgerkirche“ durch den evangelischen Oberkirchenrat verliehen.

„Diese Auszeichnung ist einerseits eine Anerkennung dessen, was wir als Gemeinde vor Ort bereits in dieser Hinsicht unternehmen. Andererseits ist es Ansporn und Verpflichtung, sich den Menschen, die bei uns Station machen, bewusst zuzuwenden und damit als Pilgernde auf ihrem Weg der Suche nach Gott wahr- und ernstzunehmen. In unserem Gäste- und Fürbittenbuch steht darum zur Einleitung das Zitat aus dem Epheserbrief: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“, sagte Büsing unmittelbar, nachdem er die Auszeichnung in Empfang nahm.