Wertheim

Wanderausstellung Schicksale der Menschen stehen im Fokus / Auch Exponate mit lokalem Bezug werden gezeigt

„Eine gewaltige Idee, im Ergebnis großartig“

Bronnbach.Die Eröffnung der deutsch-französischen Gemeinschaftsausstellung „Menschen im Krieg 1914 bis 1918 am Oberrhein“ lockte am späten Mittwochnachmittag mehr als 50 Menschen in den Josephsaal im Kloster Bronnbach. Anschließend gab es eine profunde Einführung in die Ausstellung, die auch Exponate mit regionalem Bezug zeigt.

Dr. Monika Schaupp, Leiterin des Archivverbunds Main-Tauber, erklärte, die Wanderausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg und der Archives Départementales du Haut-Rhin habe in Bronnbach die vorletzte Station einer vierjährigen Reise. Archive hätten sich zusammengetan zur Erinnerung an den Krieg, „eine gewagte Idee, im Ergebnis großartig“. Im Fokus der Ausstellung stünden die Menschen und ihre Schicksale.

Wertheims Bürgermeister Wolfgang Stein sagte, das Thema der Ausstellung sei sicher kein einfaches, aber ein wichtiges. Es gehe darum, an die beiden Weltkriege zu erinnern, auch in den derzeit unruhigen Zeiten. Die Wanderausstellung mahne zum Frieden. Die Auseinandersetzung mit vergangenen Kriegen geschehe stets mit Bezug zur Gegenwart, werde noch fassbarer, wenn die Geschehnisse mit Gesichtern aus der Region verbunden werden können.

Landrat Reinhard Frank unterstrich, Europa sei ein Kontinent der Kriege gewesen und befinde sich derzeit in fragilen Konstruktionen. Der Krieg selbst sei nichts Abstraktes, sondern etwas ganz Persönliches und immer Einzelleid. Die Ausstellung mache deutlich, dass in ei-nem Krieg alle persönlich betroffen seien. Das wichtige „Frieden stiften“ fange in der Familie an und auch damit, für die Demokratie einzutreten.

Unterschiedlicher Stellenwert

Dr. Peter Exner vom Generallandesarchiv Karlsruhe hielt den Einführungsvortrag zu der Ausstellung. Die Ausstellung konzentriere sich auf das Gebiet des Oberrheins. Die Ausstellungsmacher seien sich stets bewusst gewesen, dass die Ereignisse in kollektiven Erinnerungen einen unterschiedlichen Stellenwert einnähmen.

Exner betonte, bei der Konzeption der Ausstellung habe die Frage Bedeutung gewonnen, auf dem Fundament das europäische Haus aufbaue. Auch deshalb werde an Opfer erinnert. Kriegsgräber böten Erzählstoff, seien große Prediger des Friedens. Die Ausstellung weise darauf hin, was es bedeute, im Krieg zu sein. Der erste grenzüberschreitende Ansatz, so der Fachmann, den Ersten Weltkrieg per Gemeinschaftsausstellung zu beleuchten, habe viele Auszeichnungen erhalten.

Die Ausstellung, welche seit 2014 bereits 30 Stationen gesehen habe, sei in acht thematische Kapitel gegliedert, so Exner, die jeweils vier exemplarische Biographien vorweisen. Er ließ die Zuhörer an einem virtuellen Gang durch die Ausstellung teilhaben, benannte Aspekte wie die Gesellschaft beim Ausbruch des Krieges, das Schicksal eines Oberleutnants, der kurz nach Beginn des Krieges fällt, die Zivilisten, die zum Krieg beitragen und zugleich Opfer sind.

Man hörte von Frauen, die im industriellen Krieg Männer ersetzen, von Kindern, die durch Flugzeuge bedroht wurden, von Soldaten, falls sie den Krieg überhaupt überlebt hatten, Verwundung und/oder Gefangenschaft erlitten. Man hörte vom Gaskrieg ebenso wie vom Kriegsende speziell im Elsass und in Baden.

Exner stellte heraus, in der Ausstellung zeige sich, wie Einzelschicksale auf vielfältige Weise mit anderen verwoben seien. Sein Resümee war, dass es Fragen gebe, die Deutsche und Franzosen nur gemeinsam lösen könnten, und dass Geschichte nicht zur Wiederholung zwinge. Das Preis gekrönte Klavierduo Luise Braun und Leopold Braun (Städtische Musikschule Wertheim) umrahmte diesen Teil der Ausstellungseröffnung musikalisch mit drei prächtig gespielten Stücken. Nach einem Ortswechsel in den Vortragssaal des Archivverbundes führte Dr. Rainer Brüning vom Generallandesarchiv Karlsruhe durch die Ausstellung.

Brüning erläuterte intensiv zu den einzelnen Bereichen der Ausstellung, ging nicht nur auf die darge-stellten Schicksale teils umfassend ein, sondern sprach auch Zusammenhänge an. Die Art und Weise der Präsentation der Ausstellung „Menschen im Krieg 1914-1918 am Oberrhein“ regte durchaus an, sich dieser in aller Ruhe zu widmen. Gelegenheit dazu ist bis zum 13. Juli 2018. hpw