Wertheim

Goldene Hochzeit Irma und Ottmar Reif beschreiten seit 50 Jahren ihren Lebensweg gemeinsam

Eine Jacke spielte den Liebesgott

Archivartikel

Höhefeld.Zufrieden sitzen sie in dem Haus, das sie mit ihrer eigenen Hände Arbeit aufgebaut haben – mit Blick auf die Gamburger Burg. Früher konnten sie hier auch den Ort sehen, doch inzwischen sind die Bäume zu hoch, ein Zeichen für die Jahrzehnte, die vergangen sind, seit sich Irma und Ottmar Reif vor 50 Jahren, am 8. Juni 1968, das Jawort gaben.

Kennengelernt hatten sich die Reifs auf einem Faschingsball in Wenkheim. „Ich habe sie das erste Mal gesehen und gleich hat es gefunkt“, erinnert sich Ottmar Reif. Gerade hatte er seiner Entdeckung per Fingerzeig eine Anfrage wegen eines Tanzes gestellt, da spielte die Kapelle einen Marschwalzer, ein lustiges Tanzspiel mit Partnerwechsel.

Halbes Jahrhundert glücklich

„Ich wollte mich schon wieder hinsetzen, aber ich hatte es schon versprochen.“ Als während des Tanzes die Aufforderung an die Damen erfolgte, die Jacken der Herren anzuziehen, stand Irma mit Ottmars Jacke da und konnte ihn nicht mehr sehen. Sie gab sie bei den Musikern ab – und traf damit den Mann wieder, mit dem sie nun schon über ein halbes Jahrhundert glücklich ist.

Ottmar Reif wurde 1939 in Höhefeld geboren, seine Frau neun Jahre zuvor in Steinbach bei Würzburg. Nach der Volksschule arbeitete Irma Reif in verschiedenen Haushalten und bei Siemens. Mit der Geburt der Kinder hörte sie damit auf und betätigte sich als Milchsammlerin. Ihr Mann beendete die Volksschule wegen des Krieg und des Kurzschuljahrs bereits mit 13 Jahren und besuchte dann die Berufschule in Gamburg und die Landwirtschaftschule in Wertheim. Er arbeitete bei seinen Eltern im landwirtschaftlichen Betrieb mit und in der fürstlichen Forstverwaltung als Waldarbeiter, bis sein Berufsleben durch Zufall eine andere Wendung nahm. Denn er wurde durch Ausfall seines Vorgängers 1966 Ratsschreiber der damals noch selbständigen Gemeinde Höhefeld. Mit der Eingemeindung wechselte er ins Wertheimer Rathaus und arbeitete dort bis zu seiner Pensionierung 2002 in der Bauverwaltung, dem Tiefbauamt und dem Grundbuchamt. An der Verwaltungsschule in Karlsruhe holte er sich dafür das nötige Know-How.

Wir machen es selbst

Die drei Kinder kamen 1969, 1972 und 1974 auf die Welt. Nebenher baute das Ehepaar sein Haus auf Grund, das sie der Gemeinde abkauften. Um Geld zu sparen und weil damals keiner die von Reifs gewählten Ytong-Steine verbauen wollte, kam der Beschluss: „Wenn die nicht wollen, machen wir es selbst.“ Irma Reif rührte an und klebte, Ottmar Reif mauerte. Familienmitglieder packten mit an und auch die Nachbarschaftshilfe funktionierte. Zu Ostern 1972 folgte der Einzug.

Bei all dem fand Ottmar Reif immer noch Zeit, sich ehrenamtlich im Ort zu engagieren: So war er Mitbegründer sowohl des Fanfarenzugs als auch des Sportvereins. „Und selbstverständlich war ich bei der Feuerwehr“, fügt er hinzu. Die Kinder des Paares leben im Schwarzwald, in Mainz und in Stuttgart. Doch zum Jubeltag ihrer Eltern kommen sie gemeinsam mit den drei Enkeln. Außerdem sind die Geschwister des Jubelpaares mit ihren Familien beim Fest mit von der Partie.

Gemeinsam genießen sie den Blick aus dem Haus, das die Familie erbaut und in dem sie so viel erlebt hat. nad