Wertheim

Konzert A-cappella-Gruppe "Gretchens Antwort" sorgte am Freitagabend für Begeisterung in der Wildbachhalle

Eine leidenschaftliche Liebeserklärung ans Leben

Nassig.Der Gesangverein Nassig hat sich zu seinem 25-jährigen Bestehen ein schönes Geburtstagsgeschenk bereitet: Die vier Frauen des Vocalensembles "Gretchens Antwort" überzeugen mit starken Stimmen und leisen Tönen.

Nichts und niemand würde sie davon abhalten, mit dem Publikum eine gute Zeit in der ausverkauften Nassiger Wildbachhalle zu verbringen. Das machen die Damen aus Berlin zu Beginn deutlich, als sie Queens 70er-Jahre-Hit "Don't Stop Me Now" singend auf die Bühne marschieren.

Bei "Gretchens Antwort" handelt es sich um vier Frauen zwischen 25 und 28 Jahren. Seit drei Jahren singen die Studentinnen Sophia Gaffrontke (Mezzosopran), Steffi Klein (Sopran), Jessica Jorgas (Mezzosopran) und Anne Stabler (Contra-Alt) nun zusammen. Und das bisher ziemlich erfolgreich. Beim Deutschen Chorfest 2016 in Stuttgart gewannen sie den ersten Preis. Im Publikum waren damals auch Mitglieder des Nassiger Gesangvereins. "Die wollen wir für unser Jubiläum haben", sei man sich sicher gewesen, erzählt Vorsitzender Axel Kempf vor Konzertbeginn. Ein Glücksgriff, wie die nachfolgenden rund zwei Stunden zeigen sollten.

Wie es sich für einen Geburtstag gehört, darf ein Ständchen nicht fehlen. Mit dem Publikum singt man "Happy Birthday". Dann übernehmen die Gretchen mit "Hunderttausendmal" ("Comedian Harmonists) und Herbert Grönemeyers "Männer". Das Quartett zeigt keine Angst vor Stille. Dadurch gewinnt dieser "Schlager" hörbar an Originalität.

Vollen Einsatz zeigen sie mit ihren Händen und Füßen als eindrucksvolle Percussion-Begleitung zu Adeles "Send My Love". Bei den anspruchsvollen Songs der Britin besteht für Coverinterpretationen zwar immer eine gefährlich große Fallhöhe - doch hier geht alles gut. Ebenso bei " A Woman's Worth" von Alicia Keys. "Gretchens Antwort" kann also auch Soul.

Seele haben ebenfalls die zwischen den Liedern vorgetragenen "Liebesbriefe ans Leben". Mit diesen persönlichen Texten, die an das gerade an Universitäten beliebte "Slam-Poetry"-Format erinnern, lassen die Sängerinnen an ihren Freuden und Ängsten teilhaben. Es sind diese leiseren Töne, die eine Brücke der Empathie zwischen den Vieren auf der Bühne und den rund 250 Zuhörern in der Halle bauen. Mit einem R'n'B-Medley aus "Gangsta' Paradise" (Coolio), "Cry Me A River" (Justin Timberlake) und "Survivor" (Destiny's Child) sorgt die A-cappella-Combo dafür wieder für nickende Köpfe und wippende Füße.

Und so saust "Gretchens Antwort" wie ein Wirbelwind durch die Musikgeschichte: von Eurythmics 80er-Hymne "Sweet Dreams" über den Musicalhit von 1949, "Diamonds Are A Girl's Best Friend" (damals gesungen von Marylin Monroe), hin zu Franz Schuberts "Gretchen am Spinnrade" von 1814. Egal welches Lied, das Quartett besticht durch kleine passende Choreographien und glasklare Stimmen.

Frauenpower heißt immer wieder das Motto der Vier. Da wird aus dem armen Kerl in "Bohemian Rhapsody" von Queen geschwind ein ebenso armes Mädchen und mit "Lady Marmalade" (LaBelle) das Publikum ordentlich zum Schwitzen gebracht. Kein Wunder, dass dieses mit tosendem Applaus die Gruppe nicht ohne mehrere Zugaben, wie etwa einem Beatles-Medley, von der Bühne lässt.

Nochmals von den Zuhörern gewünscht singt Anne Stabler "Du hast den Farbfilm vergessen" und wandelt mit ihrer rauchigen Altstimme sowie herrlich übertriebener Geste auf den Spuren Nina Hagens. Schließlich heißt es "Gib mir den letzten Abschiedskuss" (Comedian Harmonists).

"Gretchens Antwort" - den Namen sollte sich jeder, der sich nur ein bisschen für A-cappella-Musik interessiert, merken. Das erste Album soll im Frühjahr 2018 erscheinen.