Wertheim

Leserbrief Zur Berichterstattung in den FN vom 26. September, 27. September und 26. Oktober

„Eine schöne Stadt, aber …“

Archivartikel

Warum, so fragte mich ehemals ein Gemeinderatsmitglied, ich mich öfter nicht vom Rat abgeholt fühle. Nun, dann gebe ich heute einige Beispiele.

Die Otfried-Preußler-Schule wird saniert. Trotz wegfallender Förderung, so lese ich in der FN vom 26. September. Obwohl ein finanzielles Loch von 1,25 Millionen Euro entsteht. Der größere Teil der Gemeinderäte stimmt für eine Aufhebung des Sperrvermerkes zu den vorgesehenen Baukosten. Wenn mir plötzlich 50 Prozent meiner Gelder fehlen, hebe ich keine Sperre auf, sondern lege eine Sperre ein. Prüfe und entscheide dann erst, wie es weiter geht. Aber in Wertheim? Nein, wir machen einfach mehr Schulden. Tragen wir doch mit links. Wo kein Kläger, da kein Richter.

Und, in dem Zusammenhang, wie viele Schulden haben wir denn eigentlich unter dem Strich? Die Stadt und alle städtischen Gesellschaften und Organisationen zusammen? Das interessiert mich auch. Dazu aber las ich bisher keine Zahl. Ja, da lobe ich mir die andere Mainseite. Null Euro Schulden. Ob die Wertheimer Stadträte nicht öfter mal nach Kreuz gehen wollen?

Ein örtliches Kreditinstitut wechselt die Tauberseite, so steht es in der FN am 27. September. Ein besonderer Tag. Gelobt sei der Herr, gelobt sei der Stadtrat.

Nur ich kann nicht loben. Ich glaube nicht, dass das Leben in der Innenstadt damit steigt. Und ich sehe keine Win-win-Situation, sondern eine Win-win-Verlust- Situation. Ein Gewinn für die Sparkasse? Vielleicht. Ein Gewinn für die frühere Eigentümer Familie? Wird wohl wieder so sein. Aber für den Wertheimer ein Verlust.

Es entfällt einer der letzten (großen) kostenfreien Parkplätze in der Innenstadt. Wo sollen Bahnfahrer parken, wenn sie längerfristig mit dem Zug vereisen, wo die Arztbesucher? Gratis und verfügbare Parkplätze? Pech, die gibt es demnächst nicht mehr. Und nach einigen Jahren Warten gibt es wieder Parkplätze. Ein neues Parkhaus wird gebaut und groß beweihräuchert. Wie super unsere Stadt an uns Bürger denkt. Aber gratis Parken ist dann leider nicht mehr. Die Inflation, wissen Sie. Nur Gewinner?

Mit der Verpachtung zum Kloster Bronnbach, so lese ich in der FN vom 26. Oktober, sei der Kreis auch eine Bringschuld eingegangen. Eine Bringschuld, weil es wieder ein Monopol im Kloster gibt, die örtlichen Caterer ausgeschlossen wurden, die Verpflegungskosten stark und die Vermietungskosten extrem gestiegen sind? Weil jetzt viele Kreisbewohner sich Ihre Hochzeit im Kloster nicht mehr leisten können, dafür aber gut-betuchte Würzburger Bürger. Und wir also mehr Zimmer im Bursariat brauchen. Eine Bringschuld also?

Es gibt viel Gutes in Wertheim. Das steht aber immer schon groß in der Zeitung. Aber es gibt auch Dinge, die besser werden können. Finde ich. Und daher schreibe ich diese Zeilen. Denn Herr Bürgermeister… die Zukunft grüßt.