Wertheim

Bau der Külsheimer Schule vor 50 Jahren Räume im Schloss reichten für modernen Unterricht nicht mehr aus / Jahrelange Planungen umfassen auch einen Architektur-Wettbewerb

Entwurf erfasst die städtebauliche Situation

Archivartikel

Ein Großprojekt war der vor 50 Jahren eingeweihte Bau der Külsheimer Schule. Ein Blick in die Unterlagen von damals zeigt die Entwicklung der Maßnahme von der Planung bis zur Realisierung.

Külsheim. Bis weit in die 1960er Jahre hinein verband man „Schule in Külsheim“ mit dem Schloss. Befand sich doch die damalige Volksschule in dessen Räumen. Die Männer des Gemeinderats, an der Spitze Bürgermeister August Spengler, waren 1927 auf großen Widerstand gestoßen, als sie daran gingen, die Burg umzubauen und die Schule komplett in diese zu verlegen. Da wurde gar von „Kulturschande“ gesprochen. Auch wurde kritisiert, dass man die altehrwürdigen Mauern des Schlosses durch die Schuljugend entweihen würde.

Allen Angriffen zum Trotz wurden zu den bereits vorhandenen drei Schulräumen bis 1929 weitere fünf in die Burg eingebaut. Die Presse schrieb dann anlässlich der Einweihung 1929, es handele sich um eine der modernsten und schönsten Schulen Nordbadens. Später wurde allerdings deutlich, dass die Klassenzimmer viel zu klein waren und jegliche Nebenräume fehlten. Der Rektor war dürftig in einem kleinen Eckzimmer untergebracht. Die Lehrer hatten keinen eigenen Raum, da praktisch jedes Zimmer für Unterrichtszwecke genutzt wurde.

Anfang der 1960er Jahre angeschaffte moderne Schulmöbel konnten gar nicht in allen Klassenzimmern aufgestellt werden, da diese zu klein waren. Die Kinder saßen an alten Klappbänken, teilweise aus der Zeit von Anfang des 20. Jahrhundert.

In den 1950er Jahren drängten steigende Einwohnerzahlen sowie pädagogische und hygienische Voraussetzungen dazu, eine neue Lösung zu finden. Zudem wurde Külsheim 1957 als Garnisonsstadt ausgewählt. Dadurch musste mit vielen jungen Familien zusätzlich gerechnet werden. Somit war davon auszugehen, dass sich die Anzahl der schulpflichtigen Kinder erhöhen werde und der im Schloss vorhandene Platz für die Bildungseinrichtung nicht mehr ausreichen werde. Doch es war den Verantwortlichen wichtig, dass die Kinder in Külsheim auf der Basis einer modernen und gediegenen Ausbildung auf ihr berufliches und gesellschaftliches Leben vorbereitet werden sollten.

Viel zu tun

In dieser Zeit gab es in der Stadt insgesamt viel zu tun: Es musste Wohnraum geschaffen werden. Gleichzeitig liefen die Arbeiten an der neuen Kanalisation mit Kläranlage sowie an der Wasserversorgung. Auch ein Sportgelände und vieles andere mehr wurden errichtet.

Ein Grundstück für die Schule war bald gefunden. Es befand sich im Besitz der römisch-katholischen Pfarrpfründe. Mitte Juni verhandelte Bürgermeister Erhard Junghans erstmals mit dem erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg über den Erwerb des Areals. Das rund ein Hektar große Gelände, „hinter der jetzigen Festhalle und katholischen Stadtkirche gelegen“, hatte bei einem damals üblichen Preis von drei D-Mark je Quadratmeter Baugrund einen Wert von 28 719 D-Mark.

Der Vorschlag der Stadt, etwa die Hälfte des Preises in Form von Wald, die andere Hälfte in Geld zu zahlen, stieß bei den kirchlichen Verhandlungsführern auf keine Gegenliebe. Diese meinten, bei einem etwaigen Tausch wäre der volle Wert des Pfründegrundstücks in Wald zu entschädigen. Die Stadt gab schließlich zur Erweiterung des Kindergartens ein dort angrenzendes stadteigenes Gelände im Wert von etwa 2000 D-Mark und nach dem Vorschlag forstlicher Behörden als Tauschobjekt „den südöstlichen Teil des Distrikts „I 5“ im „Schönert“ mit einer Größe von zirka 2,3 Hektar an die Kirche ab. Die notarielle Beurkundung des Kaufvertrags erfolgte am 4. Juli 1962.

Damals gab es auch „angestellte genaue Vorausberechnungen“ hinsichtlich der für Külsheim zu erwartenden Schülerzahlen. Diese würden auf über 400 ansteigen, hieß es. Entsprechend plante das Oberschulamt Karlsruhe das Raumprogramm für die neue Schule. Festgelegt wurden am 18. Mai 1962 „zwölf Klassenräume, zwei Werkräume, ein Handarbeitsraum, eine Lehrküche, ein Musik- und Zeichensaal, ein Physik- und Chemiesaal“. Am 4. September 1962 beschloss der Gemeinderat für den Schulneubau die Ausschreibung eines beschränkten Wettbewerbs, zu dem fünf Architekten zugezogen wurden. Für jeden termingemäß abgelieferten Entwurf gab es eine pauschal 1200 D-Mark, für die beste Arbeit einen Preis in Höhe von 2000 D-Mark.

Dem Preisgericht gehörten aus Külsheim Bürgermeister Erhard Junghans sowie die Stadträte Erhard Heußlein, Alois Würz und Josef Pahl an. Nach ganztägiger Sitzung erkannte das Gremium am 15. Februar 1963 den ersten Preis Baurat Karl Pallmert zu, „ein Sohn der Gemeinde Steinbach, der am Regierungspräsidium tätig ist“. Gelobt wurde, dies sei „der einzige Entwurf, der die städtebauliche Situation erfasst hat“. Dem Külsheimer Architekturbüro Gerhard Heinrich wurden Bauleitung und technische Oberleitung übertragen (wird fortgesetzt).