Wertheim

Schulabschluss Berufliches Schulzentrum verabschiedet Industriekaufleute, Einzelhandelskaufleute und Verkäufer nach erfolgreicher Ausbildung

„Erfolg ist nicht zum Nulltarif zu haben“

Archivartikel

Der Dienstagabend im Beruflichen Schulzentrum in Bestenheid gehörte ihnen, den 35 jungen Industriekaufleuten, elf Einzelhandelskaufleuten und fünf Verkäufern.

Bestenheid. Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez brachte es in seiner Rede auf den Punkt: „Der Fleiß der Schüler, das Engagement der Lehrkräfte und die Förderung in guten Ausbildungsbetrieben sind ein unschlagbares Erfolgskonzept. Das duale Ausbildungssystem, die enge Zusammenarbeit von Schule und Ausbildern, hat sich bewährt.“ Der Dienstagabend im Beruflichen Schulzentrum in Bestenheid gehörte ihnen, den 35 jungen Industriekaufleuten, 11 Einzelhandelskaufleuten und fünf Verkäufern. Er war Höhepunkt und zugleich Ende eines wichtigen Lebensabschnittes.

Schwungvoller Auftakt

Nach einem schwungvollen musikalischen Auftakt durch die Schulband begrüßte Studiendirektor Patrick Schönig, Leiter der Abteilungen Metalltechnik und Wirtschaft sowie des Kaufmännischen Berufskollegs I und II, die Schüler mit ihren Eltern, Verwandten und Freunden, die Vertreter der Ausbildungsbetriebe, den Oberbürgermeister der Stadt Wertheim, Markus Herrera Torrez sowie als Festredner den vielfachen Weltmeister und Medaillen-Gewinner im Freiwasserschwimmen, Thomas Lurz.

Patrick Schönig spannte einen Bogen in die Vergangenheit. Auf den Tag genau vor 30 Jahren habe die Welt voll Entsetzen nach China geblickt. „Mit brutaler Gewalt wurde ausgerechnet auf dem ’Platz des Himmlischen Friedens’ in Peking der Studentenaufstand blutig niedergeschlagen. Junge Leute, kaum älter als ihr, wollten ihre Meinung friedlich kundtun“, erinnerte der Studiendirektor die Zuhörer. „Schätzt die Freiheit, in der ihr euch hier entfalten könnt, die vielen Möglichkeiten, euer Leben zu gestalten“, war sein eindringlicher Appell, „und verteidigt eure Freiheit“.

Diesen Gedanken griff Schulleiter, Oberstudiendirektor Manfred Breuer, in seiner Rede auf. „Geht mit wachem, kritischem Geist durchs Leben“, riet er seinen jungen Zuhörern. Gerade mit fortschreitender Digitalisierung sei es unverzichtbar, Informationsquellen und Aussagen zu hinterfragen. „Der Wandel, mit dem wir alle umgehen müssen, geht mit unglaublichem Tempo voran. Die Frage aber ist doch nicht: Was macht die Digitalisierung mit dem Menschen, sondern vielmehr: Was macht der Mensch mit der Digitalisierung“. Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit – persönlich, von Mensch zu Mensch – sowie Kreativität seien in der Berufswelt wichtiger denn je. Diese Werte den Schüler neben dem nötigen Fachwissen zu vermitteln, sei der Anspruch dieser Schule.

Thomas Lurz über Erfahrungen

Musikalisch leitete die Band, bestehend aus Schülern und Lehrern, zum Festvortrag des erfolgreichen Schwimmers Thomas Lurz über, der auf eine unglaubliche Kariere zurückblicken kann. Etwas von seinen Erfahrungen, seinem Umgang mit Leistung und Erfolg, wollte er den jungen Menschen mit auf den Weg geben. Die amüsanten Geschichten und Anekdoten aus seiner eigenen Kindheit und Jugend, die er gekonnt und kurzweilig vortrug, belegten die Aussage: Erfolg ist nicht zum „Nulltarif“ zu haben und stellt sich nicht von selbst ein. Erfolg ist das Ergebnis harter, kontinuierlicher Arbeit und dem unerschütterlichen Glauben an Ziele und Träume.

Ein letztes Mal wurden sie nun von ihren Lehrern aufgerufen, ein letztes Mal nahmen sie ein Schulzeugnis in Empfang. Freude, Stolz und Erleichterung aber auch ein Hauch von Abschied und leiser Wehmut lag über der Zeugnisvergabe.

Die vier Klassenlehrerinnen Kerstin Wittich, Eva Gröne, Christina Holzmeier und Anna Strauß richteten sehr persönliche Worte an jeden ihrer Schüler. Respekt und Anerkennung sprachen sie allen aus und hoben gleichzeitig die besonderen Leistungen von 20 Schülern hervor, die mit einem Lob oder einen Preis ausgezeichnet wurden.

Und dann hatten die Schüler das Wort. Liebevoll vorbereitete kleine Geschenke überreichten sie ihren Lehrern als Zeichen des Danks. Lukas Eckert aus der Klasse W3K12 der Industriekaufleute fasste stellvertretend für die Absolventen zusammen, was sie während ihrer Schulzeit erfahren und geschätzt haben: Starke Klassengemeinschaften, kameradschaftlicher Zusammenhalt und ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Lehrern.

Gut gemacht

Bei aller „Coolness“ - Schüler spüren sehr wohl, wenn es ihre Lehrer gut mit ihnen meinen, so Eckert. „Frau Strauß, das haben Sie wirklich sehr gut gemacht!“ Dieses dicke Lob an die Klassenleiterin kam so ehrlich, so spontan und überzeugend. Gerührt nahm es die junge Lehrerin entgegen, die zum ersten Mal nach ihrer Ausbildung die Leitung einer Abschlussklasse hatte. Abschließend lud Studiendirektor Patrick Schönig zu einem kleinen Umtrunk und Buffet ein.