Wertheim

Anbindung des Gewerbegebiets Reinhardshof an die L 508 Bauausschuss empfiehlt Gemeinderat, neue Trasse zu bauen / Stadtteilbeirat Vockenrot ist gegen den Plan

Erschließungsstraße findet Mehrheit

Archivartikel

Der Bauausschuss des Gemeinderats hat empfohlen, eine Erschließungsstraße zu bauen, die das Gewerbegebiet an die L 508 anbindet. Von Vockenroter Bürgern gibt es aber Widerspruch.

Wertheim. „Wir haben im Großen und Ganzen keine Hinderungsgründe“, lautete in der Sitzung des Ausschusses für Bauwesen und Umwelt das Fazit von Baudezernent Achim Dattler zur geplanten Erschließungsstraße für die Erweiterung des Gewerbegebiets Reinhardshof. Diese Trasse soll mit einem Kreisverkehr an die L 508 – zwischen dem östlichen Ortsende von Vockenrot und der Grundschule Reinhardshof – angeschlossen werden und bis zur Karl-Carstens-Straße führen. „Unsere Unterlagen weisen nach: Es ist keine Überschreibung von Grenzwerten nachzuweisen.“ Später betonte er: „Ich sehe nicht, wo Vockenrot durch diese Straße einen Nachteil hat.“ Dafür sei sie „ein echter Vorteil für die Stadtteile Wartberg und Reinhardshof“.

Der Stadtteilbeirat Vockenrot ist dagegen der Meinung, dass die vorgesehene Anbindung an die L 508 nicht erforderlich ist. Man beruft sich dabei auf ein Gutachten der Bochumer Ingenieurgesellschaft für Verkehrswesen Brilon Bonzio Weiser. In diesem wird die aktuelle und zukünftige Leistungsfähigkeit der vorhandenen Straßenanbindung in das Gewerbegebiet Reinhardshof als unkritisch bewertet. Kurz gesagt: Eine Anbindung an die L 508 sei sinnvoll, aber nicht notwendig. Zusätzlich sprachen sich bis Ende Januar 172 Vockenroter Bürger in einer Unterschriftenliste gegen die geplante Anbindung aus, unter anderem wegen der Belastung durch zunehmenden Lkw-Verkehr. In der Sitzung des Bauausschusses unterstrich Ortsvorsteher Gerhard Albrecht diesen Standpunkt. „Sind dann 2,5 Millionen Euro überhaupt sinnvoll?“, fragte Albrecht.

So teuer könnte die Straße nämlich werden, wie Achim Dattler vorsichtig in einer „Vorvorschätzung“ annimmt – schließlich können sich die Planungen noch einige Jahre hinziehen. An die Adresse der Gemeinderäte gerichtet erklärte er: „Man muss abwägen.“ Genau darum gehe es im derzeitigen Verfahren mit der Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung des Bebauungsplans.

„Berechtigte Bedenken“

„Ich finde die Lösung nicht schlecht“, erklärte Hubert Sadowski (Freie Bürger). Brigitte Kohout sorgte sich neben der Lärmbelastung um die Sicherheit der Fußgänger, speziell der Schüler. „Ich nehme die Bedenken der Vockenroter Bürger ernst.“ Auch Egon Beuschlein (CDU) betonte, dass es berechtigte Bedenken gebe. „Es muss eine Lösung gefunden werden, wie man in den Reinhardshof rein und rauskommt.“

„Wer Straße sät, wird Verkehr ernten“, erklärte Richard Diehm (Grüne). „Das ist der falsche Weg, den wir hier gehen.“ Er stimmte schließlich gegen die Pläne. Brigitte Kohout und Heiko Diehm (beide SPD) enthielten sich.

Die geplante Anbindung wird auch von der Wertheimer Ortsgruppe des Naturschutzbunds (Nabu) und vom Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg abgelehnt. Die Verantwortlichen kritisieren vor allem die geringe Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse der speziellen artenschutzrechtliche Prüfung. Sie lehnen diese schließlich als „unzureichend“ ab, wie es in einer Stellungnahme heißt.

Nach der Berücksichtigung dieser und weiterer Stellungnahmen im Rahmen der frühzeitigen Bürger- und Behördenbeteiligung wurde die Planung verändert. So beträgt der Außendurchmesser des Kreisverkehrs nun 40 statt 35 Meter. Um die Sicherheit der Fußgänger, wie etwa Schüler, zu erhöhen, wird der Gehweg hinter die Bushaltestelle verlegt, vom Kreisverkehr abgesetzt und von 1,50 auf drei Meter verbreitert. Die Querung der Straße zur Schule erfolgt erst 25 Meter hinter dem Fahrbahnrand des Kreisverkehrs. Die östlichen und südlichen Gehwege am Straßenrand sind weggefallen. Der bestehende Gehweg südlich des Kreisverkehrs bleibt abgesetzt vom Fahrbahnrand erhalten.

Mit diesen Änderungen werden die Unterlagen nun erneut öffentlich ausgelegt. Für den Bereich der Schule ist bereits ein Lärmschutzwall vorgesehen. Für den Vockenroter Friedhof sah die Stadtverwaltung dahingehend bisher keine Notwendigkeit. Achim Dattler zeigte sich aber für weitere Lösungen gesprächsbereit.