Wertheim

Woche der Diakonie 2019 Historische Führung durch den Park des Hofgartenschlösschens mit Dr. Jörg Paczkowski

„Erstes soziales Projekt in Wertheim“

Archivartikel

Hofgarten.Wirklich viel Neues dürften wohl die wenigsten der rund 30 Teilnehmer erfahren haben, die sich zur historischen Führung am Dienstagnachmittag am Schlösschen versammelt hatten.

Das war aber auch nicht wirklich schlimm, denn was viele schon wussten, wollten sie gerne noch einmal hören, wenn es aus dem Mund des früheren Direktors des Grafschaftsmuseums und heutigen Kurators des Museums Schlösschen im Hofgarten, Dr. Jörg Paczkowski kam. Seine Art, Geschichtliches aufzubereiten und darzubringen, begeistert viele und so fanden sich auch jetzt wieder zahlreiche „Wiederholungstäter“ ein, um die „Wanderung“ durch den Hofgartenpark mitzumachen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der „Woche der Diakonie 2019“ statt und so war es kein Wunder, dass Paczkowski gleich zu Beginn, aber auch auf dem Weg, so manchen diakonischen Bezug herstellte.

Unter dem Begriff versteht man bekanntlich ja alle Aspekte des Dienstes am Menschen, vor allem kirchlichen Rahmen. Und Spuren davon findet man gerade im Hofgarten mannigfaltig.

Einige davon wurden vom in Wertheim nachgerade legendären Fürsten Georg schon um 1815 gelegt. Ein weiterer Name, der an diesem Nachmittag häufiger fiel, war der der Fürstin Wanda, an die man sich – nicht nur wegen des nach ihr benannten Gebäudes im benachbarten Kreuzwertheim – bis heute gern erinnert. Die Fürstin Wanda, kündigte Paczkowski an, werde man im Laufe der Führung „besuchen“, fand sie doch in der Grafkapelle im Park ihre letzte Ruhestätte.

Aber erst einmal galt es den Erbauer des Schlösschens, den Grafen Friedrich Ludwig, gebührend zu würdigen. Der habe, berichtete der Referent, im Übrigen auch bestimmt, dass seine Bibliothek allen Wertheimern zur Verfügung stehen solle. „Ausleihlisten soll es im Archiv noch geben.“ Dann kam aber schon der Graf und nachmalige Fürst Georg zu seinem Recht, „dem viele in Wertheim vieles zu verdanken haben“. Nicht nur, weil er stets bestrebt gewesen sei, die Grafschaft zu erhalten – was ihm, allem Antichambrierens von ihm und seiner Gattin Ernestine bei Napoleon zum Trotz, nicht wirklich gelang. Immerhin wurde aus Georg aber ein wichtiger Beamter am Hof von König Jerôme, dem Bruder des französischen Kaisers, in Kassel. Als es mit Bonapartes Glanz und Gloria vorbei war, kehrte auch Georg nach Wertheim zurück und sorgte hier für die wahrscheinlich erste Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zumindest in Deutschland, in dem er den Park und die Birkenanlage schaffen ließ. Paczkowski nannte das „das erste soziale und grüne Projekt in Wertheim“ und vergaß auch nicht zu erwähnen, dass der Park den Bürgern immer zugänglich gewesen ist.

Natürlich kam auch die Verwandtschaft von Ernestine zum „Gartenbau-Fürsten“ Pückler zur Sprache. „Kein Baum steht zufällig da, wo er steht“, wies der Referent zwischendurch immer wieder auf Besonderheiten in der Landschaft hin. „Der Mensch ist in einem englischen Garten Teil der Natur“, postulierte er auf dem Weg zur Grabkapelle und zur Fürstin Wanda, die unter anderem für die Gründung einer der ersten Kindertageseinrichtungen in Deutschland – dort wo heute das Fürstin-Wanda-Haus steht – verantwortlich zeichnete. Ungewöhnlich für die damalige Zeit sei auch gewesen, dass bei der Hochzeit mit dem Fürsten Ernst Alban Gütertrennung vereinbart wurde, was ihr den finanziellen Spielraum für ihre reichlichen Wohltaten verschaffte.

Vorbei am „Tempel“ und am Hungerdenkmal, mit jeweils passenden Anekdoten, ging es zur ehemaligen „Georgshülfe“, einst Wertheims erstes Waisenhaus, wo man den Nachmittag zu Gast bei der Johannes-Diakonie und der Johanniter-Unfall-Hilfe ausklingen ließ.