Wertheim

Amtsgericht 13-Jähriger sorgt in Hochhaus für einigen Ärger / Richterin stellt Verfahren gegen Geldauflage ein

Erwachsener übertreibt seinen Tadel

Archivartikel

Wertheim.In einem Wertheimer Hochhaus gab es viel Ärger mit einem inzwischen 13-jährigen Jungen. Seit Jahren beschäftigt er die Polizei, so ein Beamter in einer Verhandlung beim Amtsgericht der Main-Tauber-Stadt. Der Polizist vermisst auch einen „positiven erzieherischen Einfluss“ der Mutter auf ihr Kind und die „Vorbildfunktion“ ihrerseits.

Im vergangenen Jahr hatte der Junge mehrfach den jüngeren Sohn eines Mitbewohners des Hochhauses geärgert, zum Beispiel Spielsache beschädigt. Dessen Vater riss nach vergeblichen Ermahnungen die Geduld. Er griff dem Jungen an die Kehle und sagte, wenn er noch Mal mit einem seiner drei Kinder Streit anfange, werde er ihm den Kopf abschneiden. Dabei hatte er ein längeres Küchenmesser hinten im Hosenbund stecken.

Der Junge beziehungsweise seine Mutter verständigten die Polizei, und der 47-jährige Familienvater und Arbeiter musste sich jetzt beim Amtsgericht wegen Bedrohung verantworten. Nach Anhörung aller Beteiligten kam die Richterin zum Ergebnis, dass der Angeklagte die Drohung nicht wirklich ernst gemeint hatte beziehungsweise in dieser Situation die Schuld nicht sehr hoch sei.

Die Staatsanwaltschaft gab ihre Zustimmung, das Verfahren einzustellen, allerdings nur gegen eine Geldauflage, da der Beschuldigte bei der Tat ein Messer dabei hatte. Das Gericht setzte 100 Euro fest zu Gunsten des Vereins Jugendhilfe und der Angeklagte erklärte Einverständnis.

Der Beschuldigte gab an, die Kinder seien damals spielen gewesen, und eines habe plötzlich geweint. Er habe den Jungen der Mitbewohnerin zur Rede gestellt, warum er seinen Sohn geschlagen habe. Dieser habe den Vorwurf abgestritten.

Der Junge sagte, der Angeklagte habe ihn aufgefordert, mit in den Keller zu gehen, er wolle ihm die Kehle durchschneiden. Was folgte, war eine ganz ungewöhnliche Ermahnung der Richterin an den 13-jährigen Zeugen. „Was ich von anderen Leuten gehört habe, bist du zeitweise eine Landplage für andere Menschen, dass du beleidigst und zuschlägst. Bedenke gut, ab 14 Jahren bist du strafmündig und für deine Taten verantwortlich.“ goe