Wertheim

Kerstin Lauterbach im Grafschaftsmuseum Märchen entführen Zuhörer rund um den Globus und in andere Welten

Erzählerin schenkt „Goldene Minuten“

Wertheim.„Kinder lieben Märchen. Erwachsene kommen leider kaum noch in den Genuss“, meint Silke Habermann, stellvertretende Pflegedienstleiterin der evangelischen Sozialstation Wertheim. So habe man die Würzburger Märchenerzählerin Kerstin Lauterbach zu einer Veranstaltung der „Goldenen Minuten“ ins Grafschaftsmuseum eingeladen.

In andere Welt entführt

Und diese entführte die anwesenden Zuhörerinnen – leider gab es kein männliches Interesse an der Veranstaltung – für die nächsten eineinhalb Stunden in eine andere Welt – und dabei rund um den Globus von Norwegen bis China.

Doch zunächst wollte die Vortragende von den Anwesenden ihre Lieblingsmärchen wissen und zahlreiche Klassiker wie „Aschenputtel“ oder „Brüderchen und Schwesterchen“ wurden genannt.

Mit den Brüdern Grimm ging es dann gleich los. Im Märchen von der „Bienenkönigin“ rettet der jüngste und angeblich dümmste Bruder alle durch sein großes Herz. Lauterbach gelingt es durch ihre Gestik und Mimik, die Zuhörer in den Bann zu ziehen und Kopfkino rein durch Worte im Modersohn-Saal entstehen zu lassen. Wie bekommt man eine blaue Rose? Diese scheinbar unmögliche Aufgabe verlangt eine chinesische Prinzessin von ihrem zukünftigen Gatten.

Von weißen und blauen Rosen

Ein Kriegsherr, ein Kaufmann und ein Gelehrter scheitern trotz Einsatz all ihrer Fähigkeiten. Einem Spielmann gelingt die Aufgabe – denn wenn zwei sich lieben, kann man eine weiße Rose einfach zu einer blauen erklären.

Besonders eindrucksvoll die Geschichte von „Zottelhaube“ aus dem hohen Norden, aus Norwegen. Eine kinderlose Königin soll nur die hübsche Blume essen, um schwanger zu werden, genießt trotz Verbot aber auch die hässliche. Und bekommt so neben einer bildhübschen Prinzessin auch ein hässliches, zotteliges Kind, das auf einem Ziegenbock reitet. Natürlich rettet die Figur am Ende alle und wird wunderschön.

Lachen und träumen

Einen guten Hinweis, wie man den Paten für sein Kind aussucht, lieferte das Märchen von Hans und seinem Stier. In Ermangelung eines Taufpaten nahm der Vater von Hans den ersten, der ihm auf der Straße entgegenkam – was sich als Glücksfall erwies und welcher Tatsache wir laut dem Märchen das Sternbild „Drachen“ am Himmel verdanken. Viel gab es zu lachen und träumen an diesem Abend und am Ende brandete begeisterter Applaus auf.

Meisterinnen des Zuhörens

„Diese Märchenerzählerin ist eine Meisterin des Erzählens, aber unsere Pflegekräfte sind Meisterinnen des Zuhörens“, erklärte Andrea Schwitt-Graf, die den Abend organisiert hatte. Pfarrerin Verena Mätzke erläuterte, was es mit den „Goldenen Minuten“, einer Veranstaltungsreihe der evangelische Gesamtkirchengemeinde und der evangelischen Sozialstation, auf sich hat: Menschliche Zuwendung, Zuhören, mal ein Gang zum Briefkasten, dies sehe die Gebührenordnung für Pflegekräfte nicht vor.

Die evangelische Sozialstation habe sie aber in ihrer Satzung. Die Gesamtkirchengemeinde refinanziert diese wichtigen, eben „goldenen“ Minuten. Dafür werde mit den Veranstaltungen der Reihe Geld gesammelt. Alle seien dazu immer herzlich eingeladen.

Die nächste „Goldene Minuten“-Veranstaltung findet am Dienstag, 9. Juli, ab 19 Uhr beim Convenartis Kleinkunstverein statt.

Die „Gewölbe Gaukler“ spielen die Tragikkomödie „Schon wieder Sonntag“, in der ein Heimbewohner die erzwungenen Verwandtenbesuche eher als lästige Pflicht empfindet und sich viel lieber mit einer jungen Krankenschwester und seinem Freund unterhält. nad