Wertheim

Altes Rathaus Einweihung des sanierten Gebäudes gefeiert / Viel Lob für die von den Bürgern erbrachten enormen Eigenleistungen

„Es steht nun wie eine Perle in Kembach“

Es war der krönende Abschluss einer tollen Gemeinschaftsleistung. Mit einem großen Fest feierten die Kembacher die Sanierung des alten Rathauses, das nun als Bürgertreff mit Dorfcafé dient.

Kembach. Bürgermeister Wolfgang Stein ließ keinen Zweifel daran: „Der überwältigenden Eigenleistung der Kembacher ist es zu verdanken, dass ihr altes, hochgradig sanierungsbedürftiges Rathaus wieder so schön hergerichtet werden konnte“, sagte Stein, um dann fast ein wenig poetisch zu werden: „Es steht nun wie eine Perle in Kembach und leuchtet weit darüber hinaus.“ Es schien am Freitagspätnachmittag, als hätte sich fast die ganze Dorffamilie versammelt, um den Abschluss der Sanierung zu feiern und das gelungene Werk in Augenschein zu nehmen. „In einer echten Gemeinschaft wird aus vielen ‚Ich’ ein ‚Wir’“, so Ortsvorsteherin Tanja Bolg. „Ich glaube, das haben die Kembacher Bürger von Jung bis Alt hier eindrucksvoll bewiesen.“

Der historische Dorfmittelpunkt sei es wert gewesen, erhalten und saniert zu werden, auch wenn viele Baustellenbesucher gemeint hätten, Abriss und Neubau wären zeit- und kostensparender gewesen. Umfassend stattete die Ortsvorsteherin Dank ab an alle, die egal wie an dem Werk beteiligt waren. Besonders würdigte sie Architekt Thomas Hemmerich, „der eine besondere Leistung erbracht hat“. Über 1200 der gut 7000 Stunden an Eigenleistungen gingen auf sein Konto. Dazu gehörten die Erarbeitung des Bauantrags und die gesamte Bauleitung. In zweieinhalb Jahren habe Hemmerich an kaum einem Wochenende auf der Baustelle gefehlt.

Fleißig war auch sein Sohn Robin, zu Beginn noch acht, inzwischen elf Jahre jung, mit rund 400 Stunden. Schwiegervater Gebhard Klein steuerte über 900 Stunden bei. „Eine enorme Familienleistung, die ihresgleichen sucht“, betonte die Ortsvorsteherin unter starkem Beifall.

„Soll Gemeinschaft gelingen, dann muss ich mehr für sie tun, als ich von ihr erwarte.“ In diesem Zitat des Franziskaners Peter Amendt können sich viele Kembacher wiederfinden. Kein Wunder also, dass der Bürgermeister von einer „tollen Zusammenarbeit und einer Riesenleistung“ schwärmte, als er namens der Stadt und des Gemeinderats zum neuen Bürgertreff mit Dorfcafé gratulierte.

„Der Architekt hat ganze Arbeit geleistet“, befand auch Stein. Denn es sei gar nicht so einfach, ein historisches Gebäude energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Besonders lobte der Bürgermeister das multifunktionale Nutzungskonzept, das ein direktes Nebeneinander von weltlicher und kirchlicher Gemeinde vorsieht. Und das Dorfcafé als Kommunikationszentrum für Jung und Alt sei eine tolle und sinnvolle Einrichtung.

Dass dieses künftig durch einen Förderverein betrieben werden soll, nannte der Redner ein weiteres Zeichen des dörflichen Zusammenhaltes. Stein: „Kembach hat ein neues Juwel und ist damit für die Zukunft gut eingerichtet.“

Nachdem Architekt Hemmerich noch einmal näher auf das Projekt eingegangen war (siehe Infobox) führten er, Ortsvorsteherin Tanja Bolg und Ortschaftsrat Udo Fertig die zahlreichen Interessierten durch das Gebäude. Dabei erwies sich schnell, dass für viele – zumindest an diesem Nachmittag – der schönste Platz nicht (nur) an der Theke im Dorfcafé, sondern vor allem auf dem neuen Balkon im Obergeschoss war. Eine besondere Freude und Überraschung gab es für den stellvertretenden Oberbürgermeister Bernd Hartmannsgruber. Er entdeckte im Gastraum das alte Harmonium, das er, als er vor fast 40 Jahren Lehrer in Kembach war und die Schule hier geschlossen wurde, davor bewahrt hatte, auf dem Müll zu landen. Jetzt hat das Instrument einen neuen Platz gefunden.