Wertheim

Euphorie und ganz andere Gefühle

Archivartikel

Beginnen wir heute mal wieder mit einem Thema, das wir schon längere Zeit nicht mehr auf der Agenda hatten - dem Wetter. Das wird ja vor allem zum Ende der kommenden Woche hin zunehmend wichtig. Dann, wenn sich der Frohsinn auf die Straße verlagert. In Kreuzwertheim, Mondfeld, Freudenberg und vielen weiteren Orten wird man darauf hoffen, dass nicht ausgerechnet dann noch einmal ein Wintereinbruch kommt. Leider reichen ja die einigermaßen zuverlässigen Vorhersagen noch nicht wirklich so weit. Die nächsten Tage jedenfalls soll es erst einmal früh-frühlingshaft bleiben.

Auch schon länger war es - zum Glück - notwendig, eine Korrektur zu einem Text an dieser Stelle anzubringen. Heute ist es, nach dem Motto „Ehre wem Ehre gebührt“ mal wieder soweit. Denn, anders als im Artikel heute vor einer Woche geschrieben, hat Julian Roth seinen Gesangsunterricht, ehe er an das Pre-College in Würzburg wechselte, bis zum Sommer vergangenen Jahres nicht beim Musizierkreis Kreuzwertheim, sondern in der Musikschule Wertheim bei Edeltraud Rupek erhalten. Das musste, schon der verdienten Lehrerin wegen, der Julian einiges zu verdanken hat, richtiggestellt werden.

Was uns auch noch nicht so richtig loslässt, sind die Oberbürgermeisterwahlen von jetzt schon vor drei Wochen. Da wird von einer, nur auf den ersten Blick lustigen, Begebenheit in einem der zahlreichen Wahllokale berichtet, wo man sich bei der Stimmenauszählung zunehmend wunderte, wie schnell der Stapel für Markus Herrera Torrez anwuchs, im Gegensatz zu dem seines Hauptkonkurrenten.

Das Resultat übermittelte man dann mit einem leicht bänglichen Gefühl ins Wertheimer Rathaus. Die Befürchtung, die man damit verband, dass man nämlich die einzigen gewesen sein könnten, die so deutlich für Herrera Torrez votierten hatten und man deshalb künftig „schief angesehen“ werden würde, verflog dann aber beim Blick auf die anderen Ergebnisse sehr schnell.

Sehr zur Freude der WCW folgte der künftige OB der Einladung am vergangenen Samstag und feierte mit den Wölfen und dem übrigen Publikum eine „Super Sause auf der ‚MS Concordia’“. Sie hat ihm, so jedenfalls der Eindruck, recht gut gefallen. Wozu auch der Beifall beigetragen haben dürfte, den er jedes Mal erhielt, wenn sein Name erwähnt wurde.

Die Euphorie um das künftige Stadtoberhaupt scheint also nachhaltig zu sein. Dass auch ein bisschen Wehmut aufkam, lag nicht an ihm, sondern an der Tatsache, dass es der vorletzte Auftritt für die scheidenden Oberwölfe war. Heute Abend sagen Heiko Krimmer, der Vorsitzende und Michael Bannwarth, der Sitzungspräsident, endgültig (leise?) Servus. Es ist somit auch die letzte Gelegenheit, beiden - und vor allem Krimmer - einen sehnlichen Wunsch zu erfüllen. Der nämlich, dass die beiden Fremdensitzungen am vergangenen und am heutigen Samstag zusammen die Zahl von 1000 Besuchern erreichen. Nimmt man die Menschen, die vor einer Woche in der Halle waren und die für heute bislang verkauften Karten, dann würden noch 30 Personen für das Knacken dieser „Schallmauer“ fehlen. Das müsste doch eigentlich zu schaffen sein, oder?

Von anderen, ganz anderen Gefühlen dürften gerade die „Alfianer“ erfasst sein. Und Wehmut gehört wahrscheinlich bei den wenigsten dazu. Was ist aus diesem einst stolzen Unternehmen nur geworden, und was wird noch aus ihm werden? Ist es wirklich noch keine fünf Jahre her, dass man gemeinsam das 100-jährige Bestehen feierte und kurz danach die Übernahme durch den neuen Eigentümer?

„Uns hätte nichts Besseres passieren können“, sagte damals der Betriebsratsvorsitzende und nicht nur er war voller Optimismus. „Beste Stimmung herrschte also (. . .) bei der Bestenheider Firma. Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten und selbst eine Ausweitung wird durch den Verkauf an die Thermos Gruppe, den Weltmarktführer von Isolierflaschen und Isolierbehältern mit Sitz in den USA, nicht ausgeschlossen“, hieß es seinerzeit nicht nur in dieser Zeitung.

170 Stammmitarbeiter waren da noch beschäftigt, vielleicht etwas mehr als ein Drittel wird vorerst übrig bleiben. Aber auch wenn in dieser Firma nicht mehr hier produziert werden wird: Thermosgefäße „Made in Wertheim“ gibt es trotzdem weiterhin. Wir haben ja noch ein Unternehmen in der Branche auf unserer Gemarkung.