Wertheim

Wertheimer Isoliergefäßhersteller Führungsduo will Unternehmen komplett neu positionieren

Ex-Alfi-Chef fällt Aufstand zum Opfer

Archivartikel

wertheim.Beim Wertheimer Isoliergefäßhersteller Alfi hat es einen offenen Aufstand gegen den Ex-Chef Bernhard Mittelmann gegeben. Dies bestätigten gestern die beiden neuen Geschäftsführer in einer Telefonkonferenz gegenüber der Presse.

Seit Anfang 2017 sind Petar Popovic und Stephan Schulz bei Alfi, Popovic als Vertriebschef, Schulz als kaufmännischer Leiter. „Wir waren mit der Situation unzufrieden und haben uns deshalb an die Gesellschafter gewandt“, sagte Schulz gestern in ungewöhnlicher Offenheit. Auch der Betriebsrat sei involviert gewesen. Gemeinsam habe man die Eigner, die Thermos-Gruppe mit Sitz in Chicago, davon überzeugen können, dass es mit Mittelmann nicht weitergehen könne. Die Konzernspitze habe schließlich erkannt, dass ein Wechsel in der Geschäftsführung die „bessere Lösung“ sei.

Dies sei den Mitarbeitern bei einer Betriebsversammlung am Dienstag vergangener Woche verkündet worden. Man habe der Belegschaft bei der Gelegenheit aber auch klargemacht, dass die wirtschaftliche Situation schwierig bleibe. An der geplanten „Restrukturierungsmaßnahme“ mit dem abermaligen Arbeitsplatzabbau (wir berichteten) führe kein Weg vorbei. „Der Plan hat Bestand“, so Popovic.

Komplette Neupositionierung

Allerdings werde man jetzt „grundsätzliche Themen noch einmal in Frage stellen. Wir werden uns komplett neu positionieren.“ So werde die Strategie des einstmals erfolgreichen Unternehmens neu überdacht: „Wir machen einen Reset.“ Es gehe um eine „Repositionierung der Marke“. Das Sortiment sei eine „einzige Suppe“. Dem Unternehmen fehle das Alleinstellungsmerkmal.

Damit reagieren die neuen Chefs auf den wohl größten Fehler der vergangenen Jahre: Alfi geriet in die Abwärtsspirale, weil es um seine Produkte herum keine Geschichte erzählte, welche die Kunden davon überzeugte, viel Geld auszugeben. Das Grundproblem von Alfi sei auch, so Popovic, dass man für die unterschiedlichen Produktlinien die gleichen Vertriebskanäle genutzt habe.

Die Thermos-Produkte zusammen mit den hochwertigen Alfi-Isolierkannen zu vertreiben, habe nicht funktionieren können.

Es sei deswegen zu „Kannibalisierungseffekten“ gekommen. Die Kunden hätten teilweise die günstigeren Thermos-Artikel statt die höherwertigeren Alfi-Produkte gekauft.

Mit einer Neupositionierung der Marke wolle man jetzt Abhilfe schaffen. Die Thermos-Produkte würden künftig gezielt im Massenmarkt platziert. Alfi-Kannen hingegen als Premium-Produkt. Schulz gibt allerdings zu bedenken, dass die Alfi-Produkte „sehr gut, aber nicht hip oder in“ seien. Es sei deshalb extrem wichtig, junge Zielgruppen zu erreichen.

Eine weitere Ursache für den Niedergang des einstmals erfolgreichen Unternehmens sei die Mitarbeiterführung gewesen: „Es war kein Herzblut mehr da. Man muss für das Unternehmen brennen“, um erfolgreich zu sein, so Schulz. Das soll sich nun mit einer besseren internen Kommunikation ändern. „Unsere Mitarbeiter haben Potenzial. Es gibt Ideen“, ist sich Schulz sicher.

Langfristig wolle man in den verbleibenden Unternehmenseinheiten wieder Arbeitsplätze aufbauen. Die Marke verfüge über genügend Potenzial. 30 bis 40 Millionen Euro Umsatz pro Jahr (derzeit sind es weniger als 20 Millionen) sollten möglich sein. Momentan befinde man sich aber noch im „Tal der Tränen.“

Ob die verbleibenden Mitarbeiter wie geplant im Convention Center des Unternehmens unterkommen, steht noch nicht fest. Möglicherweise mietet Alfi Büroräume andernorts an. Schulz hält die Chancen dafür aber für eher gering.

„Wertheim ist auf jeden Fall sicher“, versprach er. Für die Mitarbeiter, die gehen müssen, kommt diese Botschaft zu spät. wei