Wertheim

Ausstellung Das lange verkannte Werk der Künstlerin Jeanne Mammen steht im Mittelpunkt / Ausstellung bis Ende Juli zu sehen

Fast vergessen – jetzt wieder entdeckt

Hofgarten.Kultur hat in Wertheim seit langem einen hohen Stellenwert. Dank des unermüdlichen Engagements der Stiftung „Schlösschen im Hofgarten“ mit ihrem Vorsitzenden, Herrn Heiko Albrecht, dem Direktor des Landgrafmuseums, Dr. Jörg Paczkowski, anderen Kulturträgern und Förderern der Stadt sowie der Zusammenarbeit mit der Beauftragten für kulturelles Erbe im Stadtmuseum Berlin, Dr. Martina Weinland, gelang es, 99 Exponate der außergewöhnlich kreativen Künstlerin nach Wertheim zu bringen. Dies war schon ein logistisches Meisterstück, denn der Transport und die klimagerechte Lagerung stellten erhebliche Anforderungen.

Kulturelle Qualität gewürdigt

Zur festlichen Eröffnung der Ausstellung war auch der neugekürte Oberbürgermeister der Stadt, Markus Herero Torres, erschienen, der nach der Begrüßung durch Heiko Albrecht in launigen Worten seine Freude über die kulturelle Qualität der Stadt ausdrückte, wie er sie so woanders noch nicht erlebt hätte. Für die musikalischen Überleitungen sorgte mit Klavier und Bass das junge Duo Braun. Es ist Landespreisträger von „Jugend musiziert“.

Dr. Martina Weinland skizzierte dann den Lebensweg von Jeanne Mammen. Geboren in Berlin 1890 als Tochter eines Kaufmanns, wuchs sie in Paris auf und studierte Malerei und Grafik an der Akademie Julian, später in Brüssel und ab 1911 an der Scuola Libera Akademica in Rom. Der erste Weltkrieg und die nachfolgenden Wirtschaftskrisen zwangen sie, auf eigenen Füssen zu stehen und auch nichtkünstlerische Jobs anzunehmen. Aber die junge Frau entwickelte unbeirrt ihre eigenen Schaffensperioden, erfüllt von unbändiger Neugier. Dabei assimilierte sie die Stilepochen großer zeitgenössischer Künstler, ohne sie zu kopieren. Was sie schuf, hatte stets ihre eigene Handschrift, war unverwechselbar.

Ihre Vielseitigkeit ist bis heute beeindruckend. Zahlreiche Zeichnungen, Karikaturen, Malereien, Illustrationen Lithographien, Kollagen, Installationsobjekte, Plastiken - alles probierte sie mit enormen Einsatz an Kreativität aus.

Die Machtergreifung durch die Nazis trieb Jeanne Mammen in die Isolation. Ihre Werke galten jetzt als „entartet“ . Viele ihrer Werke verbrannten durch Bombentreffer in ihrem Atelier. Nach Kriegsende fing die Künstlerin im Berlin mit Energie wieder von vorne an und schuf bis zu ihrem Tod 1976 mehr und mehr Abstraktes. Sie verband auch Collage-Techniken mit ihren Zeichnungen.

Öffentlichkeit entdeckt sie neu

Zeitweilig geriet Mammen in Vergessenheit. Erst 1971 entdeckte sie die Öffentlichkeit wieder. Viele Museen und Galerien interessierten sich inzwischen wieder für ihre Werke.