Wertheim

Fingerzeig oder Freudscher Versprecher?

Archivartikel

Goldener Oktober: Das, was wir derzeit erleben, verdient diese Bezeichnung voll und ganz. Wäre die 197. Wertheimer Michaelis-Messe schlecht gelaufen – was sie beileibe nicht ist – am Wetter hätte es diesmal sicher nicht gelegen. Sieht man vom Dienstag vielleicht einmal ab. Und das Schöne: Es soll so weitergehen. Also nicht mit der Messe. Die endet morgen Abend mit dem Feuerwerk. Weitergehen aber mit dem goldenen Oktober. Die Vorhersage prophezeit uns für die kommende Woche sonnige und recht warme Tage.

Mit dem mittlerweile 18. Messelauf steht ein Höhepunkt des großen Volksfestes heute auf dem Programm. Vergangenes Jahr konnte mit 909 gemeldeten Teilnehmern ein neuer Rekord gefeiert werden. Auch herrschten schon nahezu ideale äußere Bedingungen. „Nahezu“, weil es dem einen oder anderen Sportler ein bisschen zu kalt war. Sollten die Vorhersagen zutreffen, dürfte das heute nicht der Fall sein. Im Mittelpunkt des Interesses steht natürlich der Kurtz-Ersa-Lauf über zehn Kilometer. Auch wenn es da in den zurückliegenden Jahren zuging, wie in der Fußball-Bundesliga.

Der Bayern München des Messelaufes ist Patrick Fiederling. Sechs Mal hat er den Wettbewerb schon gewonnen, davon die letzten fünf Mal hintereinander. Wird es heute wieder so sein? Oder wird ihm Anthony Hildenbrand (oder ein anderer Läufer) nach dem noch vergeblichen Angriff im vergangenen Jahr diesmal den Platz an der Spitze streitig machen können. Spannende Fragen. Die spannendste allerdings: Wird es zu dem Duell überhaupt kommen? Vom Höhefelder Fiederling weiß man, dass er meist erst kurz vor knapp auf der Bildfläche auftaucht. Vom Dörlesberger Hildenbrand hört man, dass er sich in der zu Ende gehenden Woche mit einer „fiesen Erkältung“ herumgeplagt hat. Vielleicht also wird heute ein ganz anderer Name in die Siegerliste eingetragen.

In die, hier allerdings symbolische, „Siegerliste“ der Messe wird – wenn es nicht längst geschehen ist – am Ende dieses Volksfestes auch Manuel Münkel eingetragen werden (müssen). Gemeinsam mit seinen Mitstreitern (ja, die verantwortlichen Kommunalpolitiker dürfen sich da gerne auch angesprochen fühlen) ist es dem noch jungen Verwaltungsmitarbeiter in den vergangenen fünf Jahren gelungen, die Messe weitgehend aus den negativen Schlagzeilen herauszuhalten. Es überwiegt wieder das Positive und die Freude an dem Fest. Das ist vielleicht der größte Verdienst des scheidenden Marktmeisters.

Hieß es im vergangenen Jahr in Bezug auf Bürgermeister Wolfgang Stein am Eröffnungstag noch „Ich hab dein Knie gesehen“ wählte er heuer für sich ein durchgehendes Beinkleid. Obwohl das Wetter durchaus auch anderes zugelassen hätte. Aber vielleicht hat ja auch seine Ehefrau die Entscheidung getroffen, im Kopf die Fortsetzung des oben zitierten Schlagers, „das durfte nie geschehen“. Mit zwei Schlägen bewältigte Stein die anspruchsvolle Aufgabe des Bieranstichs. Und meinte hernach schmunzelnd in Richtung der Pressevertreter, „ihr könnt ruhig drei schreiben, dann habe ich das nächste Mal noch Steigerungsmöglichkeiten“. Das nächste Mal? Zwischen dem Ende der 197. und dem Beginn der 198. Michaelis-Messe liegt bekanntlich die Oberbürgermeisterwahl. War das jetzt ein Fingerzeig, oder ein freudscher Versprecher? Ähnlich ins Grübeln geraten könnte man auch bezüglich der Schirmherrschaft für das Fußball-Messeturnier. Die hat von Anfang an und bis jetzt Stadträtin Erika Knittel inne. Bis jetzt, denn mit der 25. Auflage der Veranstaltung machte sie Schluss. Ihr nachfolgen soll, wie am Mittwoch zu hören war, Stadtrat Mirco Göbel. Zwischen dem Abpfiff dieses und dem Anpfiff des nächsten Turniers liegt allerdings die Kommunalwahl, bei der bekanntlich neu über die Zusammensetzung des Gemeinderates entschieden wird.