Wertheim

114. Urpharer Abendmusik Die „Pfeifer von Heiliggeist“ boten ein außergewöhnliches und zugleich fröhliches Frühlingskonzert in der Jakobskirche

Flatterzunge und sonderbare Instrumente

Archivartikel

Ein fröhliches Frühlingskonzert boten die „Pifferari di Santo Spirito“ („Pfeifer von Heiliggeist“, Heidelberg) bei der 114. Abendmusik in der Jakobskirche Urphar am Sonntag „Kantate“.

Urphar. Margaret, Matthias und Colin Friederich spielten heitere Kuriositäten auf exotischen Blasinstrumenten, von denen man die meisten unter dem Oberbegriff „Flöten“ einordnen konnte.

Fast konventionell eröffnete man das Konzert mit vier „Flötenuhrstücken“ von Joseph Haydn, als „pfiffige“ Orgelstücke sicherlich vielen Zuhörern bekannt. Doch bereits mit dem zweiten Stück, einem „High-street Dixie“ von Matthias Friederich, beschritt man ungewöhnliches Terrain: Glissandi und Flatterzunge kann man von Posaunisten ab und zu hören, auf Blockflöten mutete das swingende Stück exotisch, aber mitreißend und schwungvoll an.

Kontrast

Kontrastierend dazu klang das folgende „Alpenglühen“, ein feierliches Alphornstück, auf „Gemshörnern“ (aus Büffelhorn gefertigt) gespielt.

Bei den folgenden Stücken kamen verschiedene Okarinas in Tierform, darunter eine „Doppel-Okarina“, eine Pikkolo-Blockflöte und das sanft singend klingende Rohrblattinstrument Chalumeau, ein Vorläufer der Klarinette mit Flötengriffweise, zum Einsatz.

Besondere Bewunderung erntete Colin Friederich, der zweistimmige Kanons auf einer Doppel-Okarina präsentierte, eigentlich zwei Instrumente in einem. Und als auch noch skurril aussehende Doppel-Flöten erklangen, spielten die drei Instrumentalisten quasi sechsstimmig.

Sologesang simuliert

Bei der Arie der Königin der Nacht aus Mozarts Oper „Zauberflöte“ simulierte man den Sologesang mit einer Pikkolo-Blockflöte, die die schnellen Koloraturen nicht weniger virtuos als im Original bewältigte, zusätzlich sogar noch mit dem einen oder anderen Flötentriller verziert.

Aus Japan habe man die „Zug-Vögel-Flöten“ importiert, so die Musiker: eine Art Mischung aus buntem Plastikvogel und Mini-Sopran-Posaune. Nun war bei der „letzten Rose“ wirkliches romantisches Glissando machbar, nachdem man zunächst die Grundstimmung an die begleitende Flöte angepasst hatte.

Eine beachtliche Atemtechnik legte Matthias Friederich an den Tag, als er den Galopp „Erinnerungen an Zirkus Renz“ in atemberaubendem Tempo darbot. Zum Atemholen blieb während der schnellen Passagen absolut keine Zeit. Dem Applaus folgten hier auch Bravo-Rufe.

Die 14 Variationen über das Thema „Zum Geburtstag viel Glück“ reichten von klösterlicher Gregorianik über italienischen Barock, Bachsche Fugentechnik und Beethovensche Monumentalität bis hin zu Hindemith, moderner Experimentalmusik und Dixieland. So bekam man innerhalb einer Viertelstunde einen wohl karikierend verkürzten, aber auch durchaus lehrreichen und repräsentativen Überblick über 1000 Jahre Musikgeschichte.

Die drei Zugaben fassten noch einmal zusammen: sonderbare Instrumente wie die „Duckarina“, eine „Okarina-Ente“, „normale“ Blockflöten in gewohnt perfekt zusammenpassender Stimmung und ganz zum Schluss noch ein letztes Highlight, die „kleinsten Blockflöten der Welt“.

Etwa fünf Zentimeter große „Bonsai-Flöten“ spielten die letzten drei Abschlusstöne eines der wohl außergewöhnlichsten Konzerte in der traditionsreichen Reihe der „Urpharer Abendmusiken“.

Mit einem Segensgebet und dem Wunsch nach einem Wiedersehen und -hören mit dem Ensemble verabschiedete Pfarrerin Dr. Annegret Ade die Künstler und die Zuhörer.