Wertheim

Ein Herz für Tiere Ziege entrinnt dem Tod und bekommt neues Zuhause

„Flöckchen geht es jetzt richtig gut“

Collenberg.„Flöckchen geht es richtig gut“, mit dieser guten Nachricht sind Collenbergs Bürgermeister Josef Ullrich und Susanne Seidel, Leiterin des Büros von Landrat Jens Marco Scherf, von einem Besuch des Gnadenhofs zurückgekommen, in dem die schlagzeilenträchtige Collenberger Ziege ihren Lebensabend verbringt.

Wie sich herausstellte, war die Ziege 2016 beim Ausladen in einer Schlachterei ausgebüxt und hatte sich bis nach Collenberg durchgeschlagen. Seitdem lebte sie im Naturschutzgebiet rund um den Steinbruch und überstand kalte Winter und heiße Sommer. Viel zu sehen bekam man von dem scheuen Tier nicht, da es beim Näherkommen gleich verschwand.

Missliche Lage

Flöckchen hätte also noch lange im Steinbruch leben können, im April 2018 allerdings manövrierte sich die Geiß in eine missliche Lage. Ob sie von einem Hund gejagt wurde oder ob die Futtersuche sie auf einen kleinen Felsvorsprung trieb, war nicht nachvollziehbar. Tatsache ist, dass das Tier von Tag zu Tag abmagerte, weil es von dem Felsen nicht mehr herunterkam. Es benötigte schließlich die Miltenberger Bergwacht, um die Ziege in einer aufsehenerregenden Aktion zu retten.

Beim beherzten Rettungsgriff wurden die Hörner beschädigt, aber das Tier konnte dennoch in Sicherheit gebracht werden. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass das Tier nicht nur sehr abgemagert, sondern auch von Würmern befallen und dehydriert war. Auch der Stress bei der Rettungsaktion hatte der Ziege zugesetzt. „Eine Mitarbeiterin des Veterinäramts päppelte das Tier zuhause auf“, erinnert sich Susanne Seidel. Das sei notwendig gewesen, da man das Tier aufgrund der Kopfwunden weder transportieren noch in eine neue Gruppe habe integrieren können. Allmählich habe sich die Ziege aber beruhigt und Futter angenommen. In der Zwischenzeit konnte man anhand der Ohrmarke den Besitzer ermitteln und kontaktieren, weiß Seidel. Der aber habe auf das Tier verzichtet.

Suche endete positiv

Die lange Suche nach einem Lebensraum für Flöckchen – diesen Namen hatten die Kindergartenkinder aus Collenberg dem Tier gegeben – endete schließlich positiv: Im Gnadenhof Gollachostheim (bei Ochsenfurt) fand Flöckchen ein Zuhause. Es handele sich um einen sehr guten Hof, berichtet Susanne Seidel. „Flöckchen hat sich sofort sehr gut in die dortige Ziegenherde eingegliedert“, hat sie beobachtet. Das Tier bekomme gutes Futter, fühle sich sichtbar wohl und habe die Scheu verloren. Im Gnadenhof, der rund 150 Tiere beherbergt, ist Flöckchen umgeben von Eseln und Schweinen; auch zahlreiche Hunde, Katzen und Kleintiere haben dort ein Zuhause gefunden. Die Ziegen beispielsweise sind auch im Winter oder bei Regenwetter gut geschützt, da der Verein einen Teil einer Scheune umgebaut hat.

Im Freigehege wurde sogar eine Kletterpyramide errichtet. Denn dass Ziegen gerne klettern, weiß man schließlich nicht erst seit Flöckchens Bergausflug in Collenberg.

Susanne Seidel und Karl Josef Ullrich hatten bei ihrem Besuch einen Scheck in Höhe von 500 Euro dabei, den sie an Susanne Pfeuffer und Martin Weid vom Gnadenhof übergaben. Jeweils 250 Euro hatten die Gemeinde Collenberg und der Landkreis Miltenberg beigesteuert, um den Hof bei den Futterkosten zu unterstützen. Dieses Geld wird dort auch gebraucht, denn der Trägerverein mit seinen Ehrenamtlichen ist auf die Hilfe von großzügigen Bürgerinnen und Bürgern angewiesen.

Die Arbeit auf dem Gnadenhof wird ausschließlich durch Eigeninitiative, Tier-Patenschaften und Spenden finanziert. Eine solche Patenschaft wäre auch noch für Flöckchen möglich, erklärt Susanne Pfeuffer. Einzelheiten hierzu sind der Internetseite des Gnadenhofs zu entnehmen.

Erinnerung bleibt

Auch wenn Flöckchen nun nicht mehr in Collenberg lebt, so bleibt die Ziege dennoch präsent: Ganz oben im Collenberger Steinbruch steht eine lebensechte Hartplastik und zieht die Blicke auf sich. Wer dafür verantwortlich ist, bleibt rätselhaft - eine schöne Erinnerung an Flöckchen ist diese Figur allerdings allemal.