Wertheim

Internationale „Batnight“ Fachberater Uwe Scheurich aus Eichel führte Interessierte in den Bettingbergtunnel in Kreuzwertheim

Flugkünstler mit dem besonderen Sinn

Archivartikel

Bei einer Führung im Bettingbergtunnel im Rahmen der Internationalen „Batnight“ erfuhren die Teilnehmer von Fachberater Uwe Scheurich viel über die nützlichen Fledermäuse.

Eichel/Kreuzwertheim. „Klack, Klack, Klack, tönt es aus dem „Batcorder“ und alle Blicke gehen in den Himmel. Dieses Gerät macht es für menschliche Ohren möglich, die Rufe der Fledermäuse mit den eigenen Ohren zu hören. Die Geräusche liegen oberhalb des Frequenzfeldes des Gehörs eines Erwachsenen. Kinder, so Fledermausfachberater Uwe Scheurich aus Eichel, können die Rufe noch mit dem eigenen Gehör wahrnehmen. Sie hören noch die hohen Frequenzen jenseits von 20 000 Hertz.

Kinder sind einige bei den fast 100 Teilnehmern der Fledermausführung im Bettingbergtunnel dabei, aber sie hören die hoch spezialisierten Tiere nicht. Zu viele Nebengeräusche verhindern dies. Trotzdem erfahren nicht sie viel Neues über die kleinen Säugetiere mit den unvorstellbaren Flugeigenschaften.

Weltweit gibt es 1100 Arten, 28 in Deutschland und nur 21 in Bayern. Davon sind ganze drei Arten Blut saugend. „Die leben aber alle in Südamerika und ritzen die Haut von Kühen an, um ihnen etwa drei bis vier Tropfen Blut zu entziehen“, klärt Scheurich auf. Alle anderen Arten ernähren sich von Insekten oder Pflanzen und Früchten.

Das Bild von den Vampiren, die ihre Opfer gefügig machen und in eine Abhängigkeit bringen, wie beispielsweise in dem Roman vom blutrünstigen Untoten „Dracula“, ist also vollkommen falsch und auch die Beschreibungen in der kirchlichen Literatur haben nichts mit der Wirklichkeit zu tun, erfahren die Teilnehmer. Fledermäuse können im Gegenteil sehr nützlich sein.

Die Zwergfledermäuse, eine sehr verbreitete Spezies in unserer Gegend, ernährt sich hauptsächlich von Schnaken. Andere Arten, wie das große Mausohr oder die Mopsfledermaus, freuen sich auch über größere Insekten. So muss eine Zwergfledermaus ungefähr ein Viertel ihres Körpergewichtes täglich an Nahrung zu sich nehmen – also ungefähr ein Gramm – um satt zu werden. Fledermäuse sind echte Schnellflieger. „Es werden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometer erreicht“, so Scheurich. . Dabei seien sie wendige und lautlose Flieger. Man sehe sie erst, wenn sie schon wieder an einem vorbeigeflogen sind.

Diese Erfahrung machen bei der Exkursion alle Teilnehmer, denn sobald der Batcorder anspricht, schauen alle gebannt in den Himmel. Aber zu sehen bekommt man meist nur einen Schatten. Dies ist in der Dämmerung so, aber auch in der Dunkelheit vor dem Bettingbergtunnel. Drinnen sind aktuell noch nicht sehr viele Fledermäuse. Sie nutzen den Tunnel, der 1978 stillgelegt wurde, eher als Winterquartier. Da können sie perfekt „abhängen“, im wahrsten Sinn des Wortes. Fledermäuse haben ein Sommer- und ein Winterquartier, erfahren die Teilnehmer. Sie können sich an kleinsten Spalten festkrallen oder auch in ihnen verschwinden, wenn sie ein Quartier als geeignet auserkoren haben.

Dabei sind sie sehr standorttreu. „Wo einmal eine Fledermaus ihr Lager aufgeschlagen hat, geht sie normalerweise nicht mehr weg“, weiß Scheurich. Fledermäuse seien strengstens artenschutzrechtlich geschützt. Man darf sie auf keinen Fall vertreiben oder vergrämen. Öfter erhält Scheurich im Moment Anrufe, bei denen Menschen berichten, dass Fledermäuse bei ihnen in der Wohnung seien. In diesem Fall empfiehlt er, die Fenster weit zu öffnen und darauf zu hoffen, dass die Tiere ihren Weg allein nach draußen finden. Andernfalls sollte man ihn oder einen anderen Fachberater anrufen. Sie würden dann kommen und die Tiere versuchen nach draußen zu locken. „Gekippte Fenster sind eine große Gefahr. Die Tiere kommen zwar ins Haus hinein, aber nicht wieder heraus“.

Die kleinen Fledermausarten werden nur zwei bis vier Jahre alt, größere Arten können auch bis zu 20 Jahre alt werden. Die älteste in der Literatur bekannte Fledermaus hat es auf stolze 43 Jahre gebracht, eine Bartfledermaus, die beringt war. Dabei ist die Lebenserwartung stark abhängig vom Nahrungsangebot. In guten Jahren können sich Fledermäuse einen „Winterspeck“ anfressen. In schlechten müssten sie darauf vertrauen, dass der Winter nicht so hart wird..

In ihrem Winterquartier halten Fledermäuse richtigen Winterschlaf. Ihre Vitalfunktionen werden fast auf Null heruntergefahren. Einzig das Gehirn zeigt bei einer Wärmebildkamera noch eine nennenswerte Verfärbung, also eine gewisse Durchblutung. Ansonsten liegt die Körpertemperatur nur wenig über der Umgebungstemperatur. Deshalb sei der Bettingbergtunnel auch so ideal. Er hat genug Feuchtigkeit, damit die Tiere nicht austrocknen, aber auch eine perfekte frostfreie Temperatur mit Luftzirkulation.

Die Teilnehmer der Veranstaltung gehen nur ungefähr bis zur Hälfte in den Tunnel. Da ist der Boden noch betoniert und zeigt nicht das alte Gleisbett. Scheurich leuchtet mit seiner Taschenlampe in die Dehnungsritzen und deutet, wo schon einzelne Fledermäuse hängen. Viel kann man nicht erkennen.

Den Kot der Fledermäuse könne man sehr gut als Dünger verwenden, sagt Scheurich auf Nachfrage. Die Tiere seien in jeder Hinsicht nützlich und erhaltenswert, so das Fazit des Fachberaters, der mit seinen Führungen und Vorträgen sensibilisieren möchte. I

m Januar 2019 will er in Kreuzwertheim in einer Multivisionsschau erneut das Thema Fledermäuse aufgreifen. Da kann man dann auch das Zugverhalten der einzelnen Fledermausarten nachvollziehen, die zwischen Winter- und Sommerquartier bis zu 2000 Kilometer zurücklegen können.