Wertheim

Folgt auf einen heißen Sommer ein heißer Herbst?

Ob der bisherige Super- jetzt wohl in einen relativ normalen Sommer übergeht? Der gestrige Freitag lässt diese Mutmaßung zu, der Blick auf die Vorhersagen für die vor uns liegende Woche noch nicht unbedingt.

Schon morgen und dann noch an drei weiteren Tagen mehr bis einschließlich nächsten Freitag soll – Stand heute – die 30-Grad-Marke wieder erreicht beziehungsweise überschritten werden. Man darf gespannt sein, wie es dann weitergeht. Immerhin nähert sich die Jahreszeit, die die Bezeichnung „heiß“ heuer wirklich mehr als verdient hat, langsam ihrem meteorologischen Ende. Am 1. September beginnt für die Fachleute der Herbst. Und bis dahin ist es so lange auch nicht mehr.

Es könnte aber auch ein heißer Herbst werden. Politisch zumal. Unsere Nachbarn, die Bayern, wählen in knapp zwei Monaten, am 14. Oktober, einen neuen Landtag. Und das scheint eine spannende Sache zu werden, den Umfragen zufolge.

Was vor einigen Tagen wiederum zu einer schon ungewöhnlich zu nennenden Polit-Promi-Massierung in der Region führte. Der Ministerpräsident des Freistaats war in Marktheidenfeld und in Lohr zu Gast. Seine Stellvertreterin besuchte Kirschfurt und begab sich auch hinüber ins „Ausland“, ins badische Freudenberg.

Ilse Aigner ist ja fürs Wohnen, fürs Bauen und – in diesem Fall besonders wichtig – für Verkehr zuständig. Und gerade in dem Bereich erhofft man sich am Untermain einiges von dieser Visite. Für Kirschfurt geht es um die Umgehungsstraße, von dessen Notwendigkeit sich die Politikerin beim Gang durch die zwar kurze, aber kurvige und schmale Ortsdurchfahrt (noch mehr) überzeugen konnte.

Collenbergs Bürgermeister Karl-Josef Ullrich wusste schon genau, warum er darauf bestand, dass man diesen Weg hin zur Brücke nahm, über die es dann hinüber nach Freudenberg ging.

Dessen Bürgermeister Roger Henning wiederum hatte eigens seinen Urlaub unterbrochen, um den Gast aus München zu „umgarnen“. Ein Bild vom Eintrag ins Goldene Buch der Stadt kommentierte Henning später aus dem Urlaub via sozialem Netzwerk mit den Worten: „Wenn sie das machen, was sie gesagt haben, ist dieser Eintrag rund 24 Millionen Euro wert.“ Wobei das mit dem „machen, was sie gesagt haben“ ja so eine Sache ist. Denn gesagt wurde – auch von Spitzenpolitikern – schon viel rund um Brücke, Umgehung und überhaupt Lösung der Verkehrsproblematik.

Immerhin, eine Vorgabe sowohl aus München als auch aus Stuttgart haben die Verantwortlichen vor Ort, so scheint es, längst erfüllt: Sie haben sich geeinigt. Womit der Ball nun seit geraumer Zeit im Feld der Landesregierungen liegt.

Es wäre jetzt natürlich ein vergleichsweise Leichtes, einen Schlenker zu den im kommenden Jahr anstehenden Wahlen bei uns im „Ländle“ zu machen. Die sind diesseits des Maines schließlich – nehme ich jedenfalls mal an – von größerem Interesse als die bayerischen Landtagswahlen. Aber der Versuchung muss und wird widerstanden werden. Lassen wir die Verantwortlichen noch ein wenig in Ruhe hinter den Kulissen arbeiten. Nach der Sommerpause wird sich das Thema ganz zwangsläufig in den Vordergrund drängen.

Wobei, einer hat wohl ganz unverhohlen angekündigt, dass er im Mai wieder für den Gemeinderat kandidieren wird. Schließlich will, nehme ich mal an, Ingo Ortel von den Segnungen des papierlosen Gremiums, für das er gestern in dieser Zeitung so vehement warb, doch wohl auch selbst noch profitieren.

Mal sehen, ob seine Kollegen, nicht zuletzt aber vor allem die Verwaltung, ihm auf dem Weg folgen. Oder ob das für sie, um mal sinngemäß mit der Kanzlerin zu sprechen, alles noch viel zu sehr „Neuland“ ist.