Wertheim

Frauen an die Macht in Wertheim

Während das Wetter, liebe Leserinnen und Leser, der Jahreszeit (noch) hinterherhinkt, sind andere ihrer Zeit offensichtlich weit voraus. So hieß es etwa dieser Tage in einer Pressemitteilung (wir wollen nicht verraten, von wem) „pünktlich zum Jahresende konnte die neugeplante Wildbachhalle im Wertheimer Ortsteil Nassig weitestgehend fertiggestellt werden“. Ja sogar eingeweiht worden soll sie schon sein! Alle, die nun befürchten, etwas verpasst zu haben seien beruhigt: Ist sie nicht. Weder weitestgehend fertiggestellt noch eingeweiht. Ich habe mich mit eigenen Augen davon überzeugt.

Sollen wir jetzt mal zu großen Worten greifen und vom „Comeback des Jahres“ reden? Thomas Kraft ist nun also wieder Vorsitzender der Wertheimer SPD. Er hat sicherlich keine leichte Aufgabe übernommen, dem vor sich hindämmernden Ortsverein wieder mehr Leben einzuhauchen.

Schützenhilfe „von oben“ kann er dabei kaum erwarten. Bundes- und Landes-SPD – die sind hier mit „oben“ gemeint – geht es ja noch viel schlechter als den Sozialdemokraten an Main und Tauber wie ein Blick nach Berlin und Stuttgart verrät. Nein, man muss es wohl schon selbst richten.

Die Zeit drängt, immerhin stehen im kommenden Jahr wichtige Wahlen an. Für die man sich bei der SPD hier gut aufgestellt sieht. Manche würden sagen, erstaunlicherweise. Hinter vorgehaltener Hand ist allerdings auch schon zu hören, dass man Kraft, nicht nur bei den Genossinnen und Genossen, so manches zutraut. Vielleicht nicht gerade, dass er noch einmal versuchen wird, Wertheimer Oberbürgermeister zu werden.

Aber eine Kandidatur für den Gemeinderat können sich viele durchaus vorstellen. Die einen mit mehr, die anderen mit weniger Freude. Wobei die einen nicht nur Parteifreunde, die anderen nicht nur politische Gegner sind.

Freunde der „Kleinstadt mit Herz“ wissen es: in Freudenberg lässt es sich gut leben. Mit ein wenig schwarzem Humor lässt sich aber auch sagen, die Kehrseite der Medaille ist, dass zu wenig gestorben wird. Was wiederum die Kalkulation der Friedhofsgebühren schwierig macht und die Kosten an manchen Stellen in die Höhe treibt.

Wir wollen uns jetzt aber bitte nicht ausmalen, was die Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen sein sollten/müssten. Passt es in dem Zusammenhang, wenn man feststellt, dass man, geht es um die Zukunft der Stadt, womöglich einen Tod wird sterben müssen? Historische Altstadt oder Rauch Werk I – einer der beiden Bereiche wird wohl, zumindest vorerst, nicht in den Genuss von Landesfördermitteln kommen. Die Mehrheit der Räte würde, so ist zu lesen, das bald ehemalige Fabrikgelände präferieren. Und die Bürger?

Nun wissen wir also, wer sich für die Wertheimer CDU im kommenden Jahr um ein Mandat im Gemeinderat und im Kreistag bewirbt. Und wer nicht. Stefan Kempf zum Beispiel nicht. Ist doch logisch, denken Sie jetzt? Mitnichten. Denn aus den gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen – die es gerade auch und vor allem dazu drängt, aus nichtöffentlichen Veranstaltungen zu berichten – war zu erfahren, dass Ex-CDU-Fraktionsmitglied Kempf sich durchaus, ob aus „Spaß“ oder im Ernst war nicht zu erfahren, für die Kandidatenliste beworben hat. Die anwesenden Mitglieder der Partei schmetterten das Ansinnen aber ab.

Keine Mehrheit fand auch der Versuch, die Reihenfolge auf den Listen ausschließlich nach den an dem Abend erzielten Stimmenergebnissen zu ordnen. Es blieb, wie von den Organisatoren geplant, dabei, dass die jeweiligen „Spitzenkandidaten“ gesetzt und die nachfolgenden Bewerberinnen und Bewerber in der Reihenfolge ihrer Stimmenzahlen geordnet wurden.

Sonst sähe übrigens der Platz eins sowohl der Gemeinderats- als auch der Kreistagsliste anders aus.

Zu Recht freut man sich im Übrigen bei den Christdemokraten darüber, dass gut ein Drittel der Kandidaten für den Gemeinderat Frauen sind. Auf der Kreistagsliste sieht es dagegen, was diesen Aspekt angeht, ganz anders, um nicht zu sagen trauriger, aus.