Wertheim

Amtsgericht Dritte und letzte Runde im Streit zweier Wertheimer Hundebesitzer wegen Beleidigung und versuchter Nötigung

Freispruch dank Zeugenaussage

Wertheim.Im Strafverfahren wegen des Streits eines Hundehalters mit einer Hundehalterin beim Gassi-Gehen am Wertheimer Mainufer (wir berichteten) kam es beim Amtsgericht Wertheim zum Freispruch.

Eine dritte Zeugin der Verteidigung hatte beim gestrigen Verhandlungstermin die Glaubwürdigkeit der Hundehalterin und Belastungszeugin weiter erschüttert.

Die Richterin machte im Urteil aber deutlich, dass sie von der Unschuld des Angeklagten auch nicht sehr überzeugt sei.

Der 33-Jährige und die Belastungszeugin aus Kreuzwertheim waren im März nahe dem Wertheimer Mainufer, auf Höhe des ehemaligen Aldi-Parkplatzes, in Streit geraten. Dabei soll der Mann die Frau „blöde Schlampe“ genannt und gedroht haben, wenn er sie hier noch Mal sehe, schlage er ihren Hund tot. Das führte zum Strafverfahren wegen Beleidigung und versuchter Nötigung.

Zeugen bringen die Wende

Nach dem ersten Verhandlungstermin hatte es durch die Aussagen der Hundehalterin und ihres Mannes – er war nach dem Vorfall zum Mainufer gekommen – nicht gut für den Angeklagten ausgesehen. Beim zweiten Termin brachten zwei Entlastungszeugen die Wende mit dem gerichtlichen Angebot, das Verfahren ohne Auflagen einzustellen.

Nun beim dritten Termin schilderte eine Hundehalterin aus Kreuzwertheim eine nächtliche Begebenheit mit der Belastungszeugin und ihrem Mann. Im September sei sie mit ihrem angeleinten Hund am Kreuzwertheimer Mainufer gelaufen. In der Dunkelheit seien ihr Leute entgegengekommen und sie habe gefragt, ob ein Hund dabei ist. Plötzlich sei sie mit einer Lampe geblendet worden. Ein Mann habe ihren Hund am Hals gepackt, in die Höhe gehoben, geschüttelt und ihr gedroht: “Mach’, dass Du weiter kommst, sonst passiert etwas .“ Eine Frau habe sie mehrfach „blöde Kuh“ genannt. Sie habe nur einen weißen Hund erkannt, so die Zeugin. Die Hunde selbst seien friedlich gewesen. Sie habe die Polizei in Marktheidenfeld verständigt, aus Beweisgründen aber auf eine Anzeige verzichtet. Später habe sie die Anschrift der Frau herausgefunden und erfahren, dass sie beim Amtsgericht Wertheim als Belastungszeugin auftritt. Der Staatsanwalt bezog sich in seinem Schlusswort auf den Wertheimer Vorfall und war der Überzeugung, dass der Angeklagte missachtende Worte gesagt hatte. Er beantragte eine niedrige Geldstrafe.

Aussage gegen Aussage

Der Verteidiger nannte die Belastungszeugin „massiv gestört“ mit der Neigung, andere ungerechtfertigt zu beschuldigen. Es stehe Aussage gegen Aussage, und im Zweifel sei zu Gunsten des Angeklagten zu entscheiden.

Das Gericht formulierte es so, die Belastungszeugin habe eine „andere Wahrnehmung der Welt“. Der Freispruch sei aber nicht selbstverständlich, denn die Vorstrafen des Angeklagten erschütterten dessen Glaubwürdigkeit. Er sei bestimmt „kein schweigender Dulder“. goe