Wertheim

Bund Naturschutz Kreisgruppe Main-Spessart zieht positive Bilanz / Aktive Naturschützer geehrt / Repair Cafés nachhaltig und erfolgreich

Freiwilliges Engagement zum Wohl aller

Die 2600 Mitglieder im Bund Naturschutz des Main-Spessart-Kreises leisteten im vergangenen Jahr einen wichtigen Beitrag für den Schutz von Mensch und Natur.

Main-Spessart. Landesweit setzen sich immer mehr Menschen aktiv für die Bewahrung von Bayerns Lebensgrundlagen ein. Zum Jahresende erreichte der Bund Naturschutz (BN) mit rund 228 000 Mitgliedern und Förderern den größten Mitgliederstand in seiner 105-jährigen Geschichte. Im Landkreis Main-Spessart liegt die Zahl bei knapp 2600 Mitglieder.

Über eine Million Stunden Gemeinwohlarbeit wurden in Bayern von den ehrenamtlich Aktiven in den rund 600 Orts- und Kreisgruppen für den Schutz von Mensch und Natur geleistet, viele Stunden davon auch im Landkreis Main-Spessart.

Ehrung aktiver Naturschützer

Die Bedeutung des Ehrenamts zeigt sich auch in den Ehrungen langjährig aktiver Naturschützer: Alfred Dill aus Karlstadt wurde von der Umweltministerin Ulrike Scharf mit dem Grünen Engel ausgezeichnet, Stefan Mohr aus Kreuzwertheim (Silber) und Erich Perchermeier aus Marktheidenfeld (Gold) erhielten Verdienstnadeln des Landkreises.

Neben der Pflege zahlreicher Flächen wie zum Beispiel der Wiesen im Himmelreich bei Kreuzwertheim werden auch aktiv Biotope gestaltet. So richtet die Ortsgruppe Karlstadt derzeit einen alten Eiskeller als Fledermauswinterquartier her.

Der Kreisgruppe ist es in diesem Jahr auch gelungen, ein wertvolles schutzwürdiges Grundstück zu erwerben: Die rund 3,5 Hektar große Fläche liegt im FFH-Gebiet und ist ein vor allem für Tagfalter und Orchideen extrem wertvoller Mager- und Trockenstandort. Der ehemalige Steinbruch hat sich zum Fledermausquartier entwickelt. Laut Artenschutzkartierung Bayern ist die Fläche Lebensraum vom Grauen Langohr, Mopsfledermaus, Frühem Perlmuttfalter und Fetthennen-Bläuling. Diese Arten sind als stark gefährdet eingestuft.

Kaum Nachverdichtung

Trotz Bevölkerungsrückgang werden in Main-Spessart nach wie vor Wohngebiete und Gewerbeflächen erschlossen, anstatt auf Nachverdichtung und Flächenrecycling zu setzen. Gerade planen im Raum Marktheidenfeld drei Kommunen neue Gewerbegebiete (Altfeld, Unterwittbach, Rettersheim) mit einer Gesamtfläche von fast 100 Hektar. Der Artenschutz und der Erhalt des Landschaftsbildes haben dabei aus Sicht des BN bei den Kommunalvertretern geringen Stellenwert.

Auf Recycling anderer Art setzt der BN mit seinen Repair Cafès. In diesen Selbsthilfewerkstätten wird unter der Anleitung von ehrenamtlichen Fachleuten versucht, defekte Gegenstände zu reparieren. Bei Kaffee und Kuchen stehen die Experten mit Rat und Tat zur Verfügung.

Der Bund Naturschutz möchte so ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen, Müll vermeiden helfen und auch einen sozialen Treffpunkt schaffen. In Lohr, Karlstadt und Marktheidenfeld haben sich die Repair Cafés bereits etabliert und werden von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Vor kurzem ist ein weiteres Repair Café in Gemünden dazu gekommen.

Gemeinsam mit anderen Naturschutzverbänden engagiert sich der BN für den Erhalt schutzwürdiger Waldflächen im Spessart. In einem Biotopverbund sollen knapp 9000 Hektar Staatswaldflächen dauerhaft geschützt werden.

Auch den Christbaumkulturen galt das Augenmerk. Hier fordert der BN einen Verzicht auf Glyphosat und andere Pflanzenschutzmittel und wirbt für den Kauf biologisch erzeugter Bäume.

Der Wolf zeigt sich

Im Spessart zeigt sich immer häufiger der Wolf, was insbesondere bei Tierhaltern und Schäfereien zu Verunsicherungen führt. Ein Vortrag des Wolfsexperten Ulrich Wotschikowsky versuchte, Hintergrundwissen zu vermitteln und für die Koexistenz mit dem Tier zu werben.

Ein großes Erfolgsprojekt sind die acht Kindergruppen des BN, die von Ortsgruppen organisiert werden. Die Kindergruppen in Lohr und Kreuzwertheim erhielten 2017 finanzielle Unterstützung im Rahmen des Leader-Projektes „Unterstützung Bürgerengagement“. In Marktheidenfeld gab es ein Naturerlebnisangebot für geflüchtete Kinder. Unter dem Motto „Natur erleben in der neuen Heimat“ fanden einmal monatlich unter fachkundiger Leitung Aktionen in der Natur statt.

Das Umweltbildungsprojekt „Auf geht’s – raus geht’s“, gefördert vom Umweltministerium, erreichte mit Aktionen an Kindergärten, Schulen, mit den Kindergruppen, auf der Burg Rothenfels wieder eine große Zahl an Teilnehmern.