Wertheim

Jubiläum Städtepartnerschaft zwischen Gubbio in Umbrien und Wertheim besteht seit zehn Jahren

Freundschaft ungeachtet der Historie

Die Partnerschaft zwischen Wertheim und Gubbio besteht seit zehn Jahren. Bei einem Besuch in Italien wurde das Jubiläum gefeiert.

Wertheim. Eine elfköpfige Delegation aus Wertheim reiste zu Feierlichkeiten anlässlich des zehnjährigen Partnerschaftsjubiläums nach Gubbio.

Die Stadt Wertheim organisierte eine Reise in die italienische Partnerstadt Gubbio. Teilnehmer der Reise waren Mitglieder der IPW mit ihrer Vorsitzenden Lucy Weber, Nico Hildenbrand als Geschäftsführer des Partnerschaftskomitees sowie zwei Schüler und ein Lehrer des Beruflichen Schulzentrum Wertheims.

Nach der Aufteilung auf die Gastfamilien bzw. in die Hotelzimmer stand es den Teilnehmern frei, sich über Mittag von den Reisestrapazen zu erholen oder erste eigene Erkundungen in der mittelalterlichen Partnerstadt in Umbrien zu unternehmen. Am Nachmittag startete das offizielle Programm, welches über das gesamte Wochenende sehr abwechslungsreich und mit viel Liebe organisiert wurde.

Erster Höhepunkt war eine Führung durch den Palazzo Ducale, Herrscherhaus von Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino und einer der erfolgreichsten Condottieri der italienischen Renaissance.

Interessante Führung

Nach einem langen Spaziergang durch den angrenzenden Park beendete man den Tag mit einem Abendessen in einer für Italien typischen Taverne. Passend zum Thema Freundschaft, aber auch Versöhnung in schweren Zeiten, stellte Giacomo Marinelli Andreoli, Direktor des regionalen umbrischen Fernseh- und Radionetzwerks TRG, ein von ihm verfasstes Buch vor. Inhaltlich bezieht sich der Autor aus Gubbio hierbei auf die Ermordung von 40 Eugubinern durch Mitglieder der deutschen Wehrmacht als Vergeltungsmaßnahme während des Zweiten Weltkriegs.

Infolge der schrecklichen Ereignisse entstand durch Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einer Italienerin eine tiefe Freundschaft, welche auch symbolisch für die lange Freundschaft der beiden Partnerstädte steht. Hieraus entnahm der Autor die Quintessenz, dass auch aus schrecklichen Geschichten schöne entstehen und Freundschaften ungeachtet der Historie bestehen können. Danach tauschten sich die Bürger beider Städte bei interessanten Gesprächen aus, schlossen neue Freundschaften und vertieften alte.

Der Folgetag sollte gleich mit einem Höhepunkt starten. Das Programm hielt eine Wanderung auf dem Aquädukt durch die Schlucht Bottaccione Gorge bereit, geleitet von Professor Augusto Ancillotti und Mitgliedern des Italienischen Alpenvereins. Das Bauwerk sicherte der Siedlung im Tal damals die Wasserversorgung aus den Ausläufern des Apennin. Nach der Beendigung von Sicherungsmaßnahmen ist das Aquädukt erst seit wenigen Monaten für Besucher zugänglich und somit die neueste Attraktion der Stadt. Der Sage nach landete durch ein Meteoriteneinschlag vor langer Zeit das sehr seltene Element Iridium in der Schlucht. Dadurch erlangten die Eugubini ihre nachgesagte Verrücktheit. Von den Bürgern Gubbios offiziell als verrückt erklärt zu werden, gilt als große Ehre, da man so als einer der ihren anerkannt wird.

Eine Fahrt mit einer Ausflugsbahn durch die Stadt brachte den Gästen Hintergrundinformationen und Geschichtliches über die Stadt Gubbio und ihre Sehenswürdigkeiten bei schönstem Wetter näher.

Den ging es zur beeindruckenden Kulisse auf der Balkonerie des Palazzo dei Consoli. Anschließend durfte die Reisegruppe sogar auf das Dach des Palastes und bis zum Glockenturm hinaufsteigen, von wo aus man seinen Blick bei herrlicher Aussicht über die Dächer Gubbios schweifen lassen konnte.

Der offizielle Teil der Feierlichkeiten des Partnerschaftsjubiläums fand im Großen Saal des Rathauses statt. Nach einem Einspielfilm, der die Stadt Wertheim porträtierte und den Bürgern Gubbios einen kleinen Einblick in ihre Partnerstadt gab, wurden Festreden gehalten. So freute sich Gubbios Bürgermeister Prof. Filippo Mario Stirati über den Besuch aus Deutschland. Lucy Weber brachte als Vorsitzende der Internationalen Partnerschaftsvereinigung Wertheim ebenso wie auch ihre Kollegin aus Gubbio ihre Freude über das Jubiläum zum Ausdruck.

Besondere Anerkennung

Als besondere Anerkennung für ihr langjähriges Engagement wurde Lucy Weber das "Zertifikat der Verrücktheit" in einer kleinen Zeremonie überreicht. Der Tradition folgend musste sie dabei zuerst mehrmals den Brunnen Fontana del Bargello umrunden, ehe sie mit dessen Wasser "getauft" wurde. Abschließend wurde ihr feierlich die offizielle Urkunde überreicht.

Im Anschluss folgte der Besuch einer Bilderausstellung eines renommierten Fotografen im Großen Saal des Palazzo dei Consoli. Motiv des Künstlers waren beeindruckende Landschaftsbilder aus dem italienischen Nationalpark Monti Sibillini.

Den Abschluss des Tages machte ein Bankett auf einem Biobauernhof, von dessen idyllisch gelegenen Gelände man einen tollen Überblick über das Umland von Gubbio erhielt und bei romantischem Sonnenuntergang für einen Moment die Seele baumeln lassen konnte.

Die Besichtigung eines Weinguts inklusive Verköstigung der Erzeugnisse bei einer Weinprobe auf dem Weingut Scacciadiavoli inmitten der blühenden Landstriche Umbriens voller Olivenbäume und Weinreben stand bei hochsommerlichen Temperaturen am nächsten Tag auf dem Programm. Bevor es allerdings in die Weinberge ging, machte die Gruppe noch einen Zwischenstopp in der antiken Kleinstadt Bevagna sowie im Museo di San Francesco für mittelalterliche Fresken in Montefalco. Bevagna, eine von mittelalterlichen Mauern umgebene und romanisch geprägte Altstadt in der Provinz Perugia, gilt als eine der schönsten Orte Italiens. Davon konnten sich die Besucher bei der Besichtigung von Resten eines römischen Tempels und einer Thermenanlage mit historischen Mosaiken, den Kirchen San Michele und San Silvestro sowie der für ihre originelle asymmetrische städtebauliche Lösung berühmten Piazza F. Silvestri mit eigenen Augen überzeugen.

Der ereignisreiche und heiße Sommertag fand seinen Abschluss in einem stimmungsvollen Konzert inmitten des Innenhofs einer prächtigen Kirche in Gubbio.

Vollgepackt mit unzähligen neuen und schönen Eindrücken machte sich die Gruppe am nächsten Morgen wieder auf den langen Weg Richtung Wertheim. stv