Wertheim

Bluthochdruck Dr. Hayraet Mamtimin und Dr. Peter Geiger informierten beim Vortrag der Gesundheitsgesellschaft über das Thema Bluthochdruck

Frühzeitiges Messen und richtige Medikation sind wichtig

Archivartikel

Wertheim.Zum 36. Vortrag im Rahmen der Reihe der Wertheimer Gesundheitsgesellschaft waren erstaunlich viele Menschen gekommen. Man merkte, das Thema Bluthochdruck bewegt die Menschen. Mit Dr. Hayraet Mamtimin, Chefarzt der Inneren Medizin und Kardiologe an der Rotkreuzklinik Wertheim und Apotheker Dr. Peter Geiger hatte man zwei Experten verpflichtet, die über neueste Aspekte bei der Behandlung von Bluthochdruck informierten.

„Volkskrankheit Bluthochdruck“ könnte man sagen, denn zwölf bis 16 Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter, hatte Werner Thomann zur Einführung Zahlen genannt.

Umso wichtiger sei eine frühzeitige Diagnose, denn der „Tod auf Raten“ lasse sich nicht durch Schmerzen lokalisieren. „Bluthochdruck tut leider nicht weh“, griff Mamtimin diese Aussage auf und ging sogar noch einen Schritt weiter. Weltweite Studien hätten gezeigt, dass Bluthochdruck – unabhängig vom Einkommen – eine Volkskrankheit sei, die überall auf der Welt vertreten ist. Man könnte sagen, dass es sich damit um die Todesursache Nummer eins handelt, so der medizinische Fachmann.

Er erklärte anschaulich, wie es zu einem krankhaften Bluthochdruck kommt. Er hängt im wesentlichen von der Pumpleistung des Herzens und dem Durchmesser und der Elastizität der Adern im Körper ab. Im klinischen Bereich werden meist die arteriellen Adern begutachtet, da sie das Blut zu den Körperteilen transportieren. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Elastizität der Adern, auch durch äußere Einflüsse wie Umwelteinflüsse oder Ernährung.

Man müsse frühzeitig mit der Beobachtung des Blutdrucks beginnen, um Folgeschäden zu vermeiden. Die frühere Definition der europäischen Fachstellen, dass man erst ab einer Höhe über 140 mm HG (offizielle Messeinheit) beim systolischen Wert von Bluthochdruck sprechen kann, ist mittlerweile überholt. Neueste Studien, auch aus den USA, haben den Anfangswert auf 130 gesenkt.

Deshalb müsse man schon viel früher mit den geeigneten Medikamenten versuchen, den Blutdruck in den Griff zu bekommen. „Es gibt keine Alternative zu Medikamenten“, warnte der Mediziner eindringlich. Alternative Blutdrucksenker seien nur ein Zusatz. Außerdem sei Sport ein ausgezeichnetes Mittel, um den eigenen Blutdruck in den Griff zu bekommen. Besonders der Tanzsport, so haben Studien gezeigt, wäre bestens geeignet, um den zu hohen Blutdruck zu senken. Wer drei bis vier Mal mal in der Woche Sport für 30 Minuten treibt, verringere sein Risiko für Bluthochdruck schon gewaltig. Auch eine Gewichtsreduktion um zehn Kilogramm senkt den Blutdruck um fünf bis 20 mm HG.

Wichtig ist zuallererst die richtige Diagnose, die nur ein Arzt stellen kann. Mamtimin legt sehr viel wert auf eine Langzeitmessung über mindestens 24 Stunden. Hier könne man die spezifischen Unterschiede jedes einzelnen Patienten feststellen. Es mache keinen Sinn, die Tabletten der Eltern einzunehmen, wenn man als Jüngerer das Gefühl von zu hohem Blutdruck habe. Es könnten im Einzelfall ganz andere Medikationen notwendig sein.

Trotzdem gab der Mediziner zu, dass sich einige Patienten mit Bluthochdruck über Medikamente nicht einstellen lassen. Hier könne aber in vielen Fällen eine Operation helfen, die an spezifischen Punkten in den Arterien Verödungen durchführt. „Wenn man den Blutdruck korrekt einstellt, minimiert man das Risiko ganz erheblich“, so das Resümee des Facharztes.

Wie eine patientenspezifische Medikation aussehen kann, war Thema von Apotheker Dr. Peter Geiger. Er führt seit vielen Jahren eine Apotheke in Wertheim und Kreuzwertheim und warb dafür, dass die Patienten mehr nachfragen sollten. „Genau dafür sind wir da, um die Patienten zu beraten“. Dies geschehe vor Ort am besten und wenn man in einer Apotheke Stammkunde ist, können die Mitarbeiter auch feststellen, welche Medikamente besser zusammenpassen oder wo man eventuell etwas umstellen muss. Wechselwirkungen würden beispielsweise die Wirkung von Blutdrucksenkern aufheben. Vor allem Schmerzmittel über einen längeren Zeitraum eingenommen als 14 Tage, nannte er als kontraproduktiv. Geiger empfahl, zu einem Beratungsgespräch mit seinem behandelnden Arzt die gesamte Liste an Medikamenten mitzunehmen, die man einnimmt. Denn nur so könne eine optimale Behandlung möglich. Neu sei, dass man eine Wirkstoffkombination als Blutdrucksenker einsetzt. Man solle sich als Patient also nicht wundern, wenn der Arzt ein Kombi-Präparat verordnet. Wer wollte, konnte im Anschluss an die beiden Vorträge noch seinen Blutdruck messen lassen, was von vielen Besuchern genutzt wurde. mae