Wertheim

Sternwarte Observatoren können jetzt eine Knicksäule mit Motorantrieb nutzen / Gerät wandert mit der Erdumdrehung

Fünf Stunden für ein Sternenfoto

Ein neues Gerät eröffnet den Nutzern der Wertheimer Sternwarte weitere Möglichkeiten. Die Sternengucker können Fotos anfertigen, für deren Aufnahme mehrere Stunden notwendig sind.

Wertheim. Mit der Entwicklung und dem Bau einer sogenannten „Knicksäule“ für das Linsenteleskop im Ernst-Sachs-Bau der Johann-Kern-Sternwarte Wertheim realisierten die Sternengucker einen wesentlichen Fortschritt für die Beobachtungsmöglichkeiten am Observatorium.

Die Montierung eines astronomischen Teleskops muss das scheinbare Wandern der Sterne, das aufgrund der Erddrehung geschieht, über einen Motorantrieb ausgleichen. Dazu ist eine Achse der Montierung parallel zur Erdachse ausgerichtet, zeigt also zum Himmelsnordpol (in der Nähe des Polarsterns). Bei gleichmäßiger Drehung des Teleskops von Ost nach West um diese schräge Achse (eine Umdrehung in 24 Stunden) bleiben die beobachteten Sterne dann immer exakt im Teleskop zentriert.

Damit nun das Teleskop bei dieser Bewegung nicht an der Säule unter der Montierung anstößt, muss die Säule auch der Richtung zum Himmelspol folgen, also ebenfalls schräg verlaufen. Eine solche Knicksäule wurde nun von der Sternwarte in Zusammenarbeit mit einem externen Spezialanbieter für eine vorhandene Montierung an der Johann-Kern-Sternwarte entwickelt und gebaut.

Die Knicksäule ermöglicht nun unterbrechungsfreies Beobachten und Fotografieren über viele Stunden hinweg. Viele Himmelsareale sind deutlich einfacher zugänglich. Dies ist ein entscheidender Vorteil für Beobachtungen und Schulvorführungen wie auch für die Astrofotografie.

Beim ersten Beobachtungsabend mit der Knicksäule schossen die Observatoren ein beeindruckendes Astrofoto (siehe Bild links). Neben vielen Sternen und einigen Galaxien ist unterhalb der Mitte eine kurze Strichspur (mit Ausschnittvergrößerung) zu erkennen.

Neuartige Aufnahmen möglich

Dabei handelt es sich um Eris, dem nach Pluto zweitgrößten Zwergplaneten unseres Sonnensystems. Eris wurde erst 2005 entdeckt und wird von einem Mond namens Dysnomia umkreist. Mit einem Abstand von über 14 Milliarden Kilometern ist Eris eines der entferntesten bekannten Objekte, die um die Sonne kreisen.

Durch die enorme Entfernung scheint sich Eris nur sehr langsam am Himmel zu bewegen. Die Länge der Spur von Eris über die Zeitdauer der Aufnahme von fast fünf Stunden entspricht dem Durchmesser einer 1-Euro-Münze auf 1000 Meter Entfernung. Ohne die neue Säule wäre diese lange, ununterbrochene Aufnahmeserie nicht möglich gewesen.

Eindrucksvolle Stabilität

Auch ihre Stabilität hat die Knicksäule damit eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Johann-Kern-Sternwarte steht Besuchern regelmäßig offen (siehe www.sternwarte-wertheim.de) und wirbt aktiv für die Mitgliedschaft von astronomisch Interessierten, seien sie aktive Hobby-Astronomen, oder auch einfach nur interessiert an der Unterstützung dieser Einrichtung.