Wertheim

Musik Wertheimer Bläserkreis „Blechwärts“ begeisterte mit traditionellem Konzert zwischen den Jahren / Nicht nur Sopransängerin Sonja Miranda-Martinez erntete viel Applaus

Gänsehaut-Momente in der Stiftskirche

Archivartikel

„Blechwärts“ strebte der Wertheimer Bläserkreis am Samstagabend bei seinem traditionellen Konzert in der Stiftskirche.

Wertheim. Der weihnachtliche Stress ist überwunden, die Silvesterparty war vorbereitet, das neue Jahr nicht mehr weit – Zeit und Gelegenheit, sich entspannt zurückzulehnen und schöne Musik zu genießen. Wohl wissend, dass diese wieder einmal meisterhaft dargeboten werden würde vom Wertheimer Bläserkreis um dessen Leiter Manfred Lutz und Rainer Lange, beide an der Posaune, den zwei Trompetern Werner Ückert und Lothar Rücker, von Michael Lamott an der Tuba und von Sonja Miranda-Martinez, die nicht nur Trompete blies, sondern mit ihrer wunderbaren Sopranstimme das Konzert bereicherte.

Von Händel bis Bach

Zu Beginn Georg Friedrich Händel, zum Ausklang Johann Sebastian Bach und dazwischen viel zeitgenössische Musik – das Programm der knapp eineinhalb Stunden war abwechslungsreich zusammengestellt und spannend. Würde es nicht nach einem Sakrileg klingen, man könnte Händels „Tag für Tag sei Lob und Dank dir“, mit dem das Sextett den Abend einleitete, durchaus auf den Wertheimer Bläserkreis münzen. Harmonisch wohlklingend, jazzig angehaucht, triumphal schmetternd, es fehlte kaum eine Klangfarbe. Dazwischen die kleinen, zarten, umso intensiver schimmernden Perlen, wie die „Heilige Nacht“ von Adolphe Charles Adam, im Arrangement von Klaus Heizmann, zu dem, wie bei allen folgenden Gesangsdarbietungen, Manfred Lutz am Piano Sonja Miranda-Martinez begleitete. Beide bereiteten, wie auch später mit „Eine zarte Rose“ von Klaus Heizmann, dem andächtig lauschenden Publikum jene berührenden „Gänsehaut-Momente“, für die alleine sich schon ein Konzertbesuch lohnt.

Der Kontrast

Dazwischen wähnte man, welch ein Kontrast, bei „Oregon“ zeitweise fast die Musik eines klassischen John-Ford-Western zu vernehmen, obwohl dessen Hochzeit schon beinahe vorbei war, als Komponist Jacob de Haan geboren wurde.

Der Abend solle auch ein Rückblick auf die ausklingende Weihnachtszeit sein, hatte Rainer Lange in einer seiner kenntnisreichen und humorvollen Moderationen angekündigt.

Eine nicht ganz ungefährliche Klippe, stellt sich doch bei vielen nach dem 26. Dezember schnell eine „Man kann es nicht mehr hören“-Haltung ein, wenn ein Weihnachtslied erklingt. Nicht aber in diesem Fall.

Erst Miranda-Martinez und Lutz mit „Have yourself a merry little Christmas“, dann die spielfreudigen und präzisen Bläser mit „Lasst uns froh und munter sein“, „Jingle Bells“ und „Frosty the Snowman“ erzeugten nichts anderes als Wohlfühlgefühle.

Nicht das „Präludium Nummer Eins“ aus dem „Wohltemperierten Klavier“ von Bach, nicht das „Ave Maria“ von Gounod, sondern „The Coventry Carol“ von Mark Hayes ließen Sopranistin Miranda-Martinez und Pianist Lutz erklingen.

Man konnte Rainer Lange nur zustimmen, als dieser anschließend pries, „wie raffiniert Mark Hayes das Bach-Präludium, das für sich schon eine ganz tolle Musik ist, verwendet und weiterentwickelt hat“. Ein absoluter Genuss.

Apropos Lob und Preis: Beides verdienten sich nicht nur der gesamte Bläserkreis, sondern insbesondere Manfred Lutz an der Tenorposaune und Michael Lamott an der Tuba für ihren Part in „The Saints´ Hallelujah“, eine Collage aus Händels „Halleluja“ und dem Spiritual „When the Saints go marching in“ und Schwerstarbeit für die beiden Bläser.

Donnernder Schlussapplaus

Zugaben durften nicht fehlen: Auf „Come along“ von Michael Schütz - der diesmal, anders als bei früheren Konzerten des Wertheimer Bläserkreises, nur eine untergeordnete Rolle spielte, folgte der Bach-Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“. Und darauf dann noch einmal ein donnernder Schlussapplaus als wohl verdienter Dank an die Künstler für einen wahrlich schönen Abend.