Wertheim

Emil Weimer feiert heute seinen 90. Geburtstag Schreinermeister war früher begeisterter Fußballer / Sport und Modellbau waren über Jahrzehnte seine Leidenschaft

Ganze Landschaften im Miniaturformat nachgebaut

dertingen.Der Sport und der Modellbau waren über Jahrzehnte die Leidenschaften des Schreinermeisters Emil Weimer. Am heutigen Mittwoch feiert er seinen 90. Geburtstag.

Geboren wurde der Jubilar am 13. März 1929 in Urphar. Sein Vater Michael Weimer war Bauarbeiter, seine Mutter Margarete (geborene Büttel) Hausfrau.

Mit sechs Jahren kam er in die Volksschule Urphar. 1943 begann er bei der Wertheimer Schreinerei Georg Mayer eine Lehre. Nach deren Abschluss blieb er noch sechs Jahre dort. „Ich fuhr jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit“, erinnerte er sich im FN-Gespräch.

Ab 1952 arbeitete er als angestellter Schreiner ein Jahr bei der Schreinerei Beck in Bettingen. Anschließend übernahm er 1953 die Schreinerei von Leonard Weimer im Dorf. „Wir waren aber nicht verwandt“, erläutert Emil Weimer.

1954 folgte die Meisterprüfung. 1960 baute er in der Bettinger Kaiseräckerstraße ein Wohnhaus mit eigener Schreinerei. Die meiste Zeit arbeitete er dort zusammen mit einem Lehrling. „Auch die Familie half mit“, erzählt er. Mit 70 Jahren gab er die Schreinerei auf und ging in den Ruhestand. Einen Nachfolger habe er leider nicht gefunden.

Seine spätere Ehefrau Edith (geborene Mattern) lernte der Jubilar in Urphar kennen. 1955 wurde dort geheiratet. 1957 kam Tochter Helga auf die Welt, 1960 Tochter Wilma, 1966 Sohn Jürgen und 1969 Sohn Matthias.

Heute gehören sechs Enkel und drei Urenkel zwischen einem und sechs Jahren zur Familie. „Die ganze Familie wohnt noch in der Nähe“, freut er sich über die regelmäßige Besuche.

1997 verstarb seine Frau. Ein Jahr später lernte er seine Lebensgefährtin Emmi Hörner kennen und zog kurz darauf zu ihr auf einen Dertinger Aussiedlerhof.

Schon immer war der Sport die große Leidenschaft des Jubilars. „Die ganze Familie war sportlich.“ Zuerst spielte er in Urphar Fußball, später wechselte er zum TSV Bettingen. Sonntagvormittag habe er zudem Faustball in Bettingen gespielt, am Nachmittag dann Fußball.

Anfang der 70er Jahre war er zudem fünf Jahre lang Trainer bei den Erwachsenenmannschaften des TSV Bettingen. Bis zu seinem 50. Lebensjahr spielte er Fußball.

Bis vor einigen Jahren nahm er zudem aktiv an der Seniorengymnastik in Dertingen teil. Er war lange Jahre Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in den Abteilungen Urphar und Bettingen. Noch heute ist er passives Mitglied der Sportvereine in Bettingen und Dertingen.

Seine zweite große Leidenschaft ist seine große Modelleisenbahnanlage. Alles begann 1970 mit einem Zufall. Sein Sohn Jürgen bekam von ihm selbst sowie vom Patenonkel die gleiche Modelleisenbahn. Das weckte das Interesse des Jubilars. So nutzte er eine der beiden Bahnen selbst.

Leidenschaft Modellbau

Die Anlage wuchs von anfangs fünf im Laufe der Jahre auf zehn Quadratmeter. Der Jubilar schuf dabei ganze Landschaften in aufwendiger Handarbeit. Der Brückenbau war dabei eine seiner Spezialitäten. So gehört zu seiner Anlage unter anderem ein originalgetreues Modell des Köhlbrandbrücke in Hamburg. Noch immer steht die detailverliebte Modelllandschaft in seiner ehemaligen Bettinger Schreinerei.

Eines seiner größten Projekte sei ein originalgetreues Modell der Mainschleife gewesen. Sie zeigt in Miniatur unter anderem die Häuser und Kirchen von Eichel, Urphar und Bettingen, die Wertheimer Burg, den Kreuzwertheimer Bahnhof und den Bettingenbergtunnel. Vorlage war das Aussehen der Orte Anfang des 20. Jahrhunderts.

„Das war mein Beitrag zur 1200- Jahr-Feier von Bettingen im Jahr 2000“, so der Jubilar. Das Meisterwerk war damals im Hof der Familie ausgestellt. „Durch den Main floss echtes Wasser, auf dem Modellschiffe wie der Kettenschlepper schwammen.“ Nach der Feier wurde das Modell Teil der Eisenbahnanlage.

Ein Jahr lang habe er jede freie Minute am Modell gearbeitet. Beim Anmalen der Häuser half zudem die ganze Familie mit. 2005 startete er nochmals ein besonderes Modellbauprojekt: Für den Dertinger Wagen beim Messeumzug baute er ein Modell der Wehrkirche im Maßstab eins zu 15.

Heute liest der Jubilar gerne, vor allem historische Romane. Zudem spielt er einmal die Woche mit Tochter Wilma und deren Mann Schafkopf. „Sport schaue ich mir noch immer an und das in allen Varianten“, sagt er. Den Ehrentag feiert er im kleinen Kreis mit der Familie. Größer feiert er dann gemeinsam mit seiner Partnerin, die im Mai ihren 90. Geburtstag begehen wird.

Die Fränkischen Nachrichten schließen sich den zahlreichen Gratulanten gerne an. bdg