Wertheim

VHS-Filmreihe „In den Gängen“ ist heute und morgen im Roxy-Kino zu sehen

Gefühle im Neonlicht-Schein

Archivartikel

Wertheim.Der VHS-Film im Roxy-Kino erzählt die Geschichte von Christian, der im Supermarkt anfängt und sich in eine Kollegin verliebt. Zu sehen ist „In den Gängen“ heute, Dienstag, um 18.15 Uhr und morgen, Mittwoch, um 20.30 Uhr.

Als Christian Marion das erste Mal sieht, kommt es ihm vor, als höre er Meeresrauschen. Unwahrscheinlich, denn in den Gängen des Supermarkts, wo sie gerade die Süßigkeiten einsortiert und er von seinem älteren Kollegen in die Kunst des Kastenstapelns eingeführt wird, ist weit und breit kein Meer vorhanden. Und doch ist er sofort von ihr verzaubert.

Der sehr stille und introvertierte junge Mann tut sich schwer damit, bei Marion einen Annäherungsversuch zu wagen. Doch sein Kollege Bruno bestärkt Christian, nicht aufzugeben. Denn Marion hat es seiner Meinung nach verdient, dass endlich jemand nett zu ihr ist. Und Bruno muss es wissen. Denn er arbeitet schon lange hier in den Gängen, die Teil einer Welt sind, die vom Schein der Neonlampen lebt. Und vom Klang des Gabelstaplers.

In seinem neuen Film „In den Gängen“ erzählt Regisseur Thomas Stuber mit lakonischer Beiläufigkeit vom Mikrokosmos Supermarkt, der zunächst kalt, trist und leblos wirkt. Doch je mehr Stuber in die Figuren und ihre Konflikte eintaucht, desto mehr verwandelt sich Tristesse in einen vertrauten Platz für Gefühle, für Sehnsüchte und Hoffnungen, die sich vielleicht nie erfüllen werden. Doch sie sind in jeder Minute so präsent wie die Strand-mit-Palmen-Tapete im Aufenthaltsraum.

Stuber und seinem Drehbuchautor Clemens Meyer, der für den Film auch die literarische Vorlage lieferte, gelingt eine feine Balance zwischen Tragik und Komik, nachvollziehbarer Schwere und großer Leichtigkeit. Franz Rogowski spielt Christian zurückgezogen, scheu, auch ein wenig geheimnisvoll, und doch liebenswert empathisch. Sandra Hüller lässt als Marion beides durchscheinen: Die Abgeklärtheit einer Frau, die mit nichts mehr im Leben rechnet und die Verletzlichkeit einer zarten Seele, die noch Träume hat.

Der kraftvolle Pol dazwischen ist Peter Kurth, der als Bruno auf authentische Weise auch die Lebenswirklichkeit eines Teils der Gesellschaft vermittelt. zf