Wertheim

Museumsstück „BoyHead“ von Michael Bishop wird als Neuerwerbung im Glasmuseum präsentiert / Figur entstand 2014 in der Türkei

Gegensätze aufgegriffen

Wertheim.Der amerikanische Künstler Michael Bishop, geboren 12. April 1945, hat eine Professur für Kunst am Department of Art & Art History an der California State University in Chico, Kalifornien.

Eine seiner jüngsten Arbeiten aus seiner roten „BoyHead“-Serie steht seit kurzem im Glasmuseum Wertheim. Er hatte das Glasmuseum während seines Arbeits-und Ausstellungsaufenthaltes in der Kurtz-Galerie in Unterwittbach/Kreuzwertheim kennen- und liebengelernt.

Die 18 Zentimeter hohe Glasskulptur „BoyHead“ oder „Kopf eines Knaben“ aus rotem opakem Glas ist das heutige „Museumsstück“. Denn es wurde in das vom amerikanischen CorningMuseum of Glass herausgegebene Jahresmagazin „NewGlassReview39/2018“ als Neuerwerbung zeitgenössischer Glaskunst aufgenommen. Bishop hat die Glasskulptur während seines Arbeits-Aufenthalts am Istanbul Glass Furnace-Atelier in Kooperation mit den dortigen Studenten gefertigt.

Die Auseinandersetzung Bishops mit seiner „BoyHead“-Serie beginnt zwölf Jahre vorher, als er von einem Bekannten eine „Souvenirbüste“ aus Florenz geschenkt bekam, die wiederum eine Kopie einer Büste war, die dieser in der Ermitage in Petersburg, Russland, gesehen hatte und die dort als „a bust of a young Jesus dressed as Julius Cesar“ bezeichnet war.

Eigentlich kennt jeder diesen Kinderkopf, hat ihn schon einmal irgendwo gesehen. Denn Käthe Kruse hat ihn als Vorbild für eine ihrer ersten Puppenköpfe genommen.

Eigene Erinnerungen geweckt

Als 2013 in Istanbul die Demonstrationen der Studenten eskalierten, fühlte sich Michael Bishop an seine eigenen Protestaktionen gegen den Vietnamkrieg in den 1960er Jahren erinnert. In den Gesichtern der „frontline young kids“, der an der Front sowohl auf der Seite der Demonstranten als auch der Seite der Regierung und Polizei kämpfenden Kinder, sucht er nach Unschuld oder Schuld – eine Suche, auf die er natürlich keine Antwort finden kann, denn Schuld oder Unschuld liegen für ihn alleine in den Händen von Macht und Politik, also weit weg von der Straße.

Für die Form seines Knabenkopfes, den er mit den Studenten in Istanbul in Glasgusstechnik hergestellt hat, greift Bishop auf die „alte“ Kinderporträt-Form der Renaissancezeit zurück, die für ihn Ausdruck jugendlicher Unschuld darstellt – und macht von der florentinischen „Souvenirbüste aus Bronze“ einen ofenfesten Abguss aus Glas.

Die Materialauswahl verweist auf Zerbrechlichkeit und die Farbe Rot auf die Farbe der Revolution, Blut und Gewalt. babe/tzli