Wertheim

„Kunst und Kunsthandwerk aus Gubbio Ausstellung mit Werken italienischer Künstler in der Galerie von Johannes Schwab eröffnet

Gegenwart ist nur in Verbindung mit Tradition möglich

Wertheim.Fast erwies sich der Vorraum der Galerie von Johannes Schwab am Sonntagvormittag als zu klein. Denn es waren zahlreiche Interessierte gekommen, um bei der Vernissage der Ausstellung „Kunst und Kunsthandwerk aus Gubbio“ dabei zu sein.

In der Wertheimer Partnerstadt ist die Vergangenheit allgegenwärtig. Und so gaben die sechs Künstler gemeinsam mit Schwab der Schau den Titel „Origine – Presente“, zu Deutsch „Vergangenheit – Gegenwart“. Beim Kuratieren half ihm seine italienische Kollegin Laura Zahpagli. „Es ist eine echte europäische Kooperation“, freute sich Schwab.

Die Gegenwart am Sonntag bildeten erstaunliche Kunstwerke aus allerlei Werkstoffen, die Schwab in den Räumen arrangiert hatte. Ganz unterschiedliche Stile sind zusammengekommen. Bunte Bilder und Keramiken ebenso wie gestanztes Papier oder Glas, das gesplittert mit einer Lichtquelle spielt. Er habe die Räume nach Möglichkeit abgedunkelt, damit die Intimität der Ausstellungsstücke noch stärker zum Ausdruck komme, erklärte der Hausherr.

Die beteiligten Künstler sind Marilena Scavizzi, Toni Belluci, Gabriele Mengoni, Gabriele Tognoloni, Maurizio Biancharelli und Antonella Capponi. Ins Italienische übersetzte Elvira Väth von der Internationalen Partnerschaftsvereinigung Wertheim. Deren Mitglieder engagierten sich auch als fleißige Helfer während der Vernissage und Betreuung der Delegation aus Italien. Fünf der sechs Künstler waren zur Ausstellungseröffnung angereist und zeigten sich begeistert von der Art, wie ihre Werke präsentiert wurden.

In einem Raum fühlt man sich wie in der Kammer eines alten Seemanns, in einem anderen wie in einer geheimnisvollen Höhle, deren Licht einen magisch anzieht. Es gehe den Künstlern darum, die Seele ihrer Stadt widerzuspiegeln und zu zeigen, dass es keine Gegenwart ohne Tradition gebe. Generell hätten die Künstler in Italien einen anderen Stellenwert und bekämen die Zeit, ihre Kunst selbstkritisch zu hinterfragen. Dies halte er in einer Zeit wachsender Eventkultur für ganz entscheidend, so Schwab.

„Was ist der Sinn des Lebens und was der Kunst?“ Mit dieser Frage, die ein New Yorker Taxifahrer dem Nobelpreisträger T. S. Eliot stellte, begann Dr. Norbert Stallkamp seine Gedanken zur Schau. Anhand des Films „Der Club der toten Dichter“ zeigte er auf, dass die Kunst die Freude des Lebens und Selbstzweck ist, auch wenn sie nicht so effektiv scheine wie Technik oder Jura. „Bilder, die Ihnen Einblick in Ihr eigenes Leben geben, das ist Kunst“, schloss er seinen Gedankenkreis.

Die Ausstellung ist die zweite ihrer Art. Bereits 2014 hatte Oberbürgermeister Stefan Mikulicz eine solche Plattform vorgeschlagen und in Schwab einen begeisterten Partner gefunden. Damals kamen die Künstler aus Szentendre.

Manche meinten schon, Städtepartnerschaften hätten ihre Aufgabe in Zeiten eines zusammenwachsenden Europas verloren, sagte die stellvertretende Oberbürgermeisterin Brigitte Kohout. Doch gerade die jüngsten politischen Entwicklungen zeigten, wie wichtig solche Verbindungen heute noch seien. nad