Wertheim

Umnutzung In der alten Fruchtscheuer des Klosters Bronnbach soll die Abteilung für ländliches Kulturgut des Grafschaftsmuseums Wertheim einem Hotelempfang weichen

„Genügend Raum für Fortbestand“

Archivartikel

Was wird aus dem Teil des Wertheimer Grafschaftsmuseums, wenn das Bronnbacher Hotel erweitert und dazu Teile der Fruchtscheuer genutzt werden? Diese Frage treibt Dr. Ludwig Braun um.

Bronnbach. „Das eine schließt das andere doch nicht aus.“ Für Dr. Ludwig Braun, stellvertretender Vorsitzender des Historischen Vereins Wertheim, ist „ein gutes Konzept für eine ländliche Museumsdependance“ in der alten Fruchtscheuer im Ökonomieteil des Klosters auch dann noch möglich, wenn in dem Kopfbau des riesigen Gebäudes der Empfangsbereich für die Hotelerweiterung in Bronnbach entsteht. Das hatte der Kreistag im Mai beschlossen (wir berichteten).

„Beides ist durchaus miteinander kompatibel“, ist Braun fest überzeugt, dass bei einer Gesamtnutzfläche von 1381 Quadratmetern „noch genügend Raum für den Fortbestand der ‚Abteilung für ländliches Kulturgut des Grafschaftsmuseums Wertheim’ zur Verfügung steht“. Eine bittere Pille muss der „Cheflobbyist in Sachen Museumsscheune“ aber bereits schlucken: bei einem Vor-Ort-Termin im März ist die Entscheidung getroffen worden, dass das Gebäude bis zum Herbst 2020 erst einmal geräumt werden muss. Mögliche Behinderungen der Baumaßnahmen, zu denen auch eine Sanierung des Daches gehört, aber auch die Sicherung der wertvollen Sammlungen vor Beschädigung und Diebstahl machen das erforderlich.

Und das „nachdem doch gerade erst alles bestens hergerichtet ist“, wie Braun bedauert. Von Januar 2018 bis April dieses Jahres hat der 79-Jährige gemeinsam mit seinen Helfern Herbert Dosch aus Nassig und Friedrich Schäfer hunderte von Stunden schwer geschuftet. Bis in die letzten Winkel hat das Trio, teilweise mit Atemschutzmasken, Staub, Dreck und Unrat entfernt, überzählige und nicht erhaltenswerte Sammlungsstücke aussortiert und ungezählte kleine und große Exponate ihrer Bestimmung zugeordnet. „Ganz nebenbei haben wir noch ein zweites Museumslager im Dachgeschoss der alten Molkerei in der Mühlenstraße aufgeräumt“, berichtet Braun. Schien es anfangs ein Ding der Unmöglichkeit, Ordnung und System in die Bronnbacher Fruchtscheuer zu bringen, „so konnten doch so nach und nach wie bei einem Puzzle zueinander gehörende Teile zusammengefügt werden. Beim Entdecken und Deuten von Raritäten kam dann richtig Freude auf. Und wenn, bei schönem Wetter, die Türen offenstanden, hätten wir viele Eintrittskarten verkaufen können“.

Ob das nun alles umsonst gewesen sein soll? Es lasse sich zur Zeit nur spekulieren, wie die Scheune nach der Hotelerweiterung weiter genutzt werde, meint Braun und fürchtet aufkommende Begehrlichkeiten, das ganze Gebäude für kommerzielle Zwecke nutzen zu wollen. Allerdings seien dazu erhebliche weitere Investitionen notwendig. Aus den Diskussionen im Kreistag kann er derzeit eher weniger Bereitschaft erkennen, diese Ausgaben zu tätigen. „Das hat mir etwas Auftrieb gegeben“, räumt er unumwunden ein.

„Die Scheune mit ihrem großartigen Gebälk ist ein hervorragendes Denkmal und sollte nicht weiter verbaut werden“, postuliert er. Zudem sei sie fast schon eine der letzten Erinnerungen daran, dass es in dem Kloster auch einmal einen Ökonomieteil gegeben habe.

Wertheimer Gemeinderat und der Kreistag hätten 1993 Beschlüsse zum Ausbau der Fruchtscheuer als landwirtschaftliches Museum gefasst, erhebliche Mittel von Stadt, Kreis und Land seien dafür bis in jüngste Zeit hineingeflossen, 1995 und 2011 hätten Teileröffnungen stattgefunden. „Die weitere Museumsnutzung wäre die preisgünstigste Lösung.“

Aufzugeben kommt für ihn nicht in Frage, „wenn man etwas für richtig hält, lohnt es sich, dafür zu kämpfen“, sagt der 79-jährige. Eine gewisse Enttäuschung über die Entwicklung kann er aber nicht verbergen. Braun verweist auf das Engagement nicht von vielen Bürgern aus Wertheim, den Ortschaften und darüber hinaus hin. „Wenn man das Vertrauen der Bürger erhalten will, muss man Versprochenes auch einlösen.“