Wertheim

Gemeinderat Mehrheit spricht sich für Erschließungsstraße zum Gewerbegebiet Reinhardshof aus / Fraktionen von SPD und Grüne votieren gegen das Vorhaben

Gesamtkonzept gefordert

Wertheim.Nach wie vor ist der Diskussionsbedarf hinsichtlich der Verkehrsströme rund um Vockenrot groß. Den ersten Schritt im Planverfahren für eine Erschließungsstraße zum Gewerbegebiet Reinhardshof hat der Gemeinderat nun mehrheitlich beschlossen. Die Fraktionen der SPD und der Grünen stimmten gegen das Vorhaben, Manfred Busch (FBW) und Gabriela König (CDU) enthielten sich. Zwei Anträgen aus dem Gremium– die genauere Betrachtung einer Umgehungsstraße für Vockenrot (Manfred Busch / FBW) sowie der Verkehrsberuhigung durch einen Kreisverkehr (Brigitte Kohout / SPD) – passierten bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme das Gremium.

„Wir haben diesen ersten Verfahrensschritt im Bauausschuss ausführlich vorberaten. Noch stehen wir ganz am Anfang, noch geht es nicht über den Bau“, schickte Bürgermeister Wolfgang Stein hinsichtlich der Erschließungsstraße voraus. Diese Auffassung teilten mehrheitlich die Fraktionen der CDU und der FBW. SPD und Grüne hingegen wollten dem Papier so nicht zustimmen. „Wir haben in der Fraktion lange diskutiert. Uns fehlt einfach das Gesamtkonzept, auch was die Verkehrsflüsse vom Bahnhof anbelangt“, begründete Brigitte Kohout die Entscheidung der SPD. „Die vorliegende Planung wirft einige Fragen für uns auf: Sollte eine Finanzierung nicht vor der Planung stehen? Wie kann es sein, dass für dasselbe Grundstück die Sichtweisen von Nabu und Stadt so unterschiedlich sind?“, fragte Maria Elisabeth Teicke (Grüne).

Um die Verkehrsbelastung der Vockenroter nachzuvollziehen, habe sie sich am Montagmorgen in die dortige Bushaltestelle gesetzt und binnen fünf Minuten 52 Autos und zwei Lastwagen gezählt, veranschaulichte Kohout. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch die Erschließungsstraße eine Entlastung erfolgt. Die Autos werden zwar gezwungen, langsamer zu fahren, aber das Verkehrsaufkommen wird nicht gemindert“, sagte sie. „Wir befinden uns hier auf einer Landesstraße, die die Hauptachse von Wertheim nach Külsheim ist“, erinnerte Hubert Sadowski (FBW). Entsprechend schwer sei es, das Verkehrsaufkommen zu senken. Die komplette Sperrung der Alten Steige für Lastwagen, wie sie die Fraktion der Grünen wünscht, sei auf einer Landesstraße nicht durchzusetzen, sagte Wolfgang Stein.

„Diese neue Straße ändert nichts am Gesamtverkehrsaufkommen, aber sie verteilt es auf mehrere Bereiche, so dass die Vockenroter nicht mehr, aber die Reinhardshof- und Wartbergbewohner spürbar weniger belastet werden“, erklärte Bernd Hartmannsgruber die Sichtweise der CDU-Fraktion. Die Straße würde sich später sehr gut in eine künftige Gesamtverkehrsgestaltung in diesem Areal einbinden lassen. Er denke dabei auch an Kreisverkehre am Bahnhof und am Ortseingang von Vockenrot sowie insbesondere an eine Umgehung von Vockenrot.

Mehrmals zur Sprache kam die Verbindungsstraße zwischen Bestenheid und Wartberg: „Die Straße muss ertüchtigt werden. Etliche Betriebe auf dem Wartberg haben ihren Hauptsitz in Bestenheid. Wäre es nicht sinnvoller, erst einmal das anzugehen?“, fragte Kohout. Wie Stein später sagte, sind für die kommenden vier Jahre Haushaltsmittel für diesen Posten eingestellt. Richard Diehm (Grüne) trug seinen Wunsch an, die Straße um einige Zentimeter zu verbreitern, um sie für Lkw attraktiver zu machen. So könnte der künftige Kreisverkehr am Bahnhof – der Vertragsentwurf für die Maßnahme liegt beim Regierungspräsidium zu Prüfung – entlastet werden. „Wenn ich diese drei Dinge – Erschließungsstraße, Kreisverkehr und Bestenheider Höhenweg – zusammenbringe, habe ich sehr wohl ein Gesamtkonzept“, fasste Stein zusammen.

Den Kritikern der Planung geht dies hingegen nicht weit genug. Manfred Busch (FBW) sprach vom nachmittäglichen „Chaos hoch drei“ in der Wertheimer Innenstadt, das durch eine Gesamtplanung in den Griff zu bekommen sei. Mit einer Umgehungsstraße, die den Verkehr von Nassig, hinter Vockenrot vorbei, direkt nach Bestenheid leite, wäre seiner Meinung nach viel gewonnen. Ein Verkehrskonzept, das vor annähernd zwei Jahrzehnten erstellt worden war, stelle mehrere Varianten einer Umfahrung vor. „Warum hängt man das nicht den Unterlagen an?“, ärgerte er sich. Auch Werner Kozyra erinnert sich an das „gute Konzept, das wegen der Kosten nicht weiterverfolgt worden war“.