Wertheim

Größere Toleranz als erwartet

Archivartikel

Jetzt schließen wir mal kurz die Augen und stellen uns vor, das Wetter, das wir zeitweise in den vergangenen Tagen erlebt haben, wäre das des gesamten Sommers gewesen. Was ja immerhin möglich und auch gar nicht so ungewöhnlich gewesen wäre. Und dann freuen wir uns darüber, dass es nicht so war.

Den Külsheimern nutzt das natürlich jetzt erst einmal nichts. Denn der von so manchem sehnlichst erwartete große Regen kam ausgerechnet zum Auftakt ihres Großen Markts und der eigentlich dazu geplante Umzug fiel nicht nur sprichwörtlich, sondern sogar tatsächlich ins Wasser.

Nun mag es sein, dass Petrus – oder wer auch immer für das Wetter verantwortlich ist – schier verzweifelnd denkt: „Wie man es macht, ist es den Menschen nicht recht.“ Die anhaltend große Hitze und vor allem die Trockenheit verhinderte den Spaß für alle Westenfreunde in und um Nassig. Dann regnet es mal und darunter leiden prompt die Brunnenstädter. Ihnen immerhin mag es ein Trost sein, dass nicht ihr ganzes Fest „durchweicht“ sein wird. Den Vorhersagen zufolge sollen die restlichen Tage recht schön werden.

Dass so ein richtig heftiger Regenguss wahrhaft Feierwillige nicht von ihrem Tun abhalten kann, das haben auch die Kreuzwertheimer und ihre Gäste am Montag bewiesen.

Apropos Kreuzwertheim: Eines der absoluten Top-Themen des 65. Heimat- und Quätschichfests war übrigens jedenfalls nach der – zugegeben subjektiven – Meinung des Autors dieser Zeilen das der Musiklautstärke. Die war, das muss man glaube ich anerkennend den Organisatoren in „Kreüz“ zugutehalten, fast durchgehend ziemlich moderat.

Das aber nur nebenbei. Denn geredet wurde von vielen über die Lautstärke der Musik bei der einen oder anderen Veranstaltung auf der benachbarten Burg Wertheim. Und über die Entscheidung der (des?) Verantwortlichen, dass dort künftig keine Hard-Rock- respektive Heavy-Metal-Konzerte mehr veranstaltet werden sollen. Was wiederum von denen, die mich darauf angesprochen haben, weder verstanden noch gutgeheißen wurde. Das wiederum kam für mich dann doch ziemlich überraschend. Denn es waren Menschen jeder Altersgruppe.

Fasst man die Wortmeldungen einmal zusammen, dann könnte das in etwa so geschehen: „Das ist jetzt nicht unbedingt meine Musik (dafür bin ich auch schon zu alt). Aber man soll doch denen, die das mögen, auch die Gelegenheit geben, solche Konzerte zu besuchen. Es muss ja nicht an jedem Wochenende sein, aber ein- bis zweimal im Jahr ist das hinnehmbar.“

Ob diese pragmatische und vor allem tolerante Haltung an der Situation etwas ändert? Es steht eher nicht zu erwarten. Denn diejenigen, die etwas dagegen haben, verfügen über ein scharfes Schwert. Und das heißt Klage und Gericht. Sie müssen diese Waffe noch nicht einmal wirklich einsetzen. Wie wir sehen, reicht alleine die Drohung damit schon aus.

Da war sie also wieder, die Ankündigung, dass für sie nun „der Ernst des Lebens“ beginne. Für sie, die Schülerinnen und Schüler, deren „große Ferien“ ja nun tatsächlich zu Ende gehen. Und auch für die, die man „Abc-Schützen“ nennt. Oder nannte? Gibt es die Bezeichnung überhaupt noch?

Dass jetzt der „Ernst des Lebens“ für sie anfängt, werden viele wahrscheinlich immer wieder in ihrer Schullaufbahn zu hören bekommen. Und wahrscheinlich zum letzten Mal, wenn diese endet und der Übergang in eine Ausbildung oder das Studium ansteht.

Immerhin, damit den Schülerinnen und Schülern das Ferienende nicht zu hart vorkommt, beenden auch die Kommunalpolitiker zeitgleich ihren „Urlaub“. Schon für Montag und Dienstag stehen in Freudenberg und Kreuzwertheim die ersten Gemeinderatssitzungen an.

Was wohl mehr Spaß macht – diese oder der Unterricht?