Wertheim

Wahlkampf Erfolgswelle könnte Partei zu einer stärkeren Kraft im Gemeinderat werden lassen

Grüne streben bis zu fünf Sitze an

Die Wertheimer Grünen setzen im Wahlkampf konsequent auf den Themenschwerpunkt Umwelt. Was das Wahlziel angeht, sind sie teils sehr ambitioniert.

Wertheim. Die Wertheimer Grünen sind selbstbewusst im Wahlkampf unterwegs. „Wenn wir auf der derzeitigen Erfolgswelle der Grünen mitschwimmen würden, müssten es vier bis fünf Mandate im Gemeinderat werden“, sagt Birgit Väth den Fränkischen Nachrichten. Sie kennt allerdings die Unwägbarkeiten der Kommunalpolitik.

Das gute Ergebnis (21,3 Prozent) bei der Landtagswahl 2016 in Wertheim lässt sich nicht ohne Weiteres auf die Kommunalwahlen übertragen. Und so schränkt die Gemeinderätin ein: „Wenn wir drei Sitze behalten, wäre das angesichts der Verkleinerung des Gremiums auch schon ein Zugewinn.“

Für Tarek Nasser, der erstmals für die Grünen kandidiert, scheint die Sache aber klar: „Wir sind das Gewinnerteam. Fünf Sitze sollten drin sein.“ Die Grünen haben am Donnerstagabend zu einem Rundgang durch die Altstadt geladen. Acht Kandidaten sind dabei. Zunächst geht es zur „Münz“. Hier bringt eine Gruppe von Privatleuten (die FN berichteten) derzeit das historische Gebäude auf Vordermann. Die Bauherren stehen den Grünen nahe. Einige der „Münz“-Gruppe stehen sogar auf der Liste für die Gemeinderatswahl.

Dann geht es über die Tauberbrücke zum Bahnhof. Der öffentliche Nahverkehr wird diskutiert, die relativ kurzen Öffnungszeiten des Bahnschalters genauso wie die angedachte Anbindung des Geländes an die Mainspitze auf der gegenüberliegenden Flussseite.

Kreisverkehr

Der geplante Kreisverkehr an der Bahnhofskreuzung ist Thema. Hier herrsche morgens viel Verkehr, auch weil Eltern ihre Kinder per Pkw zur Schule bringen und dort abholen, heißt es. Ob der geplante Kreisverkehr Entlastung bringt, wird in Zweifel gezogen.

Zurück auf der anderen Seite des Flusses geht es zur Mainspitze. Der Parkplatz prägt das Bild. Für einige der Teilnehmer des Rundgangs ein unschöner Anblick. Man könne dieses Gelände besser gestalten.

„Fridays for Future“

Beim weiteren Rundgang durch die Stadt wird ein Plakat entdeckt, das zu einer „Fridays-for-Future“-Demo in der kommenden Woche aufruft. „Schön, dass diese Bewegung jetzt auch in Wertheim ankommt“, so der Tenor.

Die „Delegation“ der Grünen geht weiter zur „Kette“. Hier findet die offizielle Wahlveranstaltung statt. Es dauert eine Weile, bis auch Nicht-Grüne im Nebenraum der Gaststätte eintreffen. Schließlich sind es eine Handvoll, die sich über Programm und Kandidaten informieren wollen.

Die Spitzenkandidatin Nora Sachs-Rippler erzählt, dass sie ihre Kindheit und Jugend in den USA und Australien verbracht habe. Die Wirtschaftsprüfungsassistentin hat ihren neun Monate alten Sohn dabei.

Der solle auf einem „lebenswerten Planten“ leben können, deswegen stehe für sie das Thema Umwelt im Fokus. Ihr lägen auch das Schulwesen und die Kindergärten am Herzen.

Tarek Nasser erklärt, dass sich Wertheim in den letzen Jahren zwar „gut entwickelt“ habe . Allerdings habe er auch Dinge erfahren, die „nicht so gut laufen“. Es werde zu oft „entweder-oder“ (Autos oder Fahrrad – Wirtschaft oder Natur) gesagt. Da solle besser ein „und“ dazwischen stehen.

Nach der Vorstellung der weiteren Kandidaten kommt es zu lebendig geführten Diskussionen. Im Mittelpunkt natürlich: Umweltthemen.

Gemeinderat Richard Diehm regt an, den anfallenden Klärschlamm besser per Schiff oder Bahn abzutransportieren statt mit Lkw.

Wohnungsmarkt

Zudem solle die Stadtverwaltung aktives „Leerstandsmanagement“ betreiben, um nicht genutzte Wohnflächen dem Markt zuzuführen. Allgemein wird die zunehmende Nutzung von Einwegbechern beklagt. Da helfe nur ein Pfandsystem, sagte Hans Müller-Rodenbach. Die Kandidatin Iwona Mayr-Danisz ging auf die Grünflächen auf dem Reinhardshof als wichtiges Naherholungsgebiet ein. Für die Bewohner seien diese wahre Kleinode.

Mit dem Schwerpunkt auf Umweltthemen sehen sich die Grünen weiter im richtigen Fahrwasser. Vor Jahren habe man schon vor dem Insektensterben gewarnt, und „wir sind dafür belächelt worden“, sagt Birgit Väth. Heute sei fast jedem bewusst, wie wichtig die Insekten für die Menschheit sind.