Wertheim

Musik und Kabarett Publikum hatte mit „Häisd ’n’ däisd vomm mee“ auf der Burg viel Spaß

Gürtellinien-Limbo und scharfe Sprüche

Wertheim.Musik und Kabarett mit „Häisd ’n’ däisd vomm mee“ erfreute am Samstagabend rund 150 Besucher auf der Burg in Wertheim. Das sprachlich treffsicher agierende und musikalisch überzeugende Sextett bot bei seinem Programm „Aus’m Gröbsten raus – Das Beste aus den letzten 20 Jahren“ eine pointierte Sicht auf das bodenständig Fränkische. Damit traf es den Geschmack des Publikums im Kern.

Die sechs Hauptdarsteller von „Hüben und drüben vom Main“ – so etwa heißt der Name der Gruppe ins Hochdeutsche übertragen – sehen auf den ersten Blick aus, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Instrumente, Klamotten und sonstige genutzte Utensilien würden auch einem Heimatmuseum gut zu Gesicht stehen. Indes haben Akteure durchweg den Schalk im Nacken und besonders auch auf der Zunge und in den Fingern, um das Leben an sich und besonders dessen fränkische Gestaltung scharfsinnig und reichlich unverblümt zu erhellen.

Ein fröhliches „Grüß Gott“ singend kommen die Protagonisten nacheinander auf die Bühne, erzeugen dort auf unterschiedlichen Instrumenten harmonische Klänge. Die ersten 40 Jahre der Kindheit seien die schwersten und deren 20 wären sie nun in der Gruppe zusammen, lassen die Künstler das Publikum wissen. „Wir haben das richtige Alter – wir müssen nur noch herausfinden, wofür“, verlautet hintendrein.

Wofür die Sechs auf der Bühne sind, lässt sich schnell entdecken. Zu hören sind geglückte Wortspiele und launige Spötteleien, eingebettet in großartige musikalische Elemente. Sinnsprüche wie „trägt die Gans an Weihnachten noch Kleider, ist sie wieder aus dem Schneider“ wechseln mit dem Loblied auf die Heimat („wir sind gesegnete Franken, von Wasser und Wein umgeben“). Die Liedzeile „hol den Wein, aber ein Franke muss es sein“ interpretieren zwei Besucher flugs und versorgen die kabarettistischen Bühnenarbeiter mit ordentlich Schorle.

Ein Augenzwinkern ist immer dabei, wenn die Mannen untereinander oder mit den Zuschauern Konversation betreiben. So heißt ein Kompliment an die eigene Frau: „Du hast einen wunderbaren Mann.“ Beim Lied „was mächst’n blos für G’sicht“ erschallt die aufbauende Lebensweisheit „bring Freude in dich rein, dann wirst du schöner sein“. Dann folgt sofort der sprachliche Konter, manches „G’sicht“ reiche als Verhütungsmittel.

Beim Lied über die „Wahlhelfer“ mutieren diese zwischenzeitlich am Strand zum „Wal-Helfer“, anderswo werden Vorzüge kirchlicher Orientierung aufgezeigt („wir dürfen das, wir sind katholisch, zum Beichten gehen wir periodisch“). Bei der „Schweinepolka“ lassen die Mannen richtig die Sau raus. Da wogte „Schweinebauch an Schweinebauch im Takte“ bis hin zur sprachlich starken Geste der Zuneigung unter Schweinen: „Ich wird’ dich immer lieben, auch noch im Gefrierfach.“

Die sechs Originale erzählten aus dem wahren Leben, Anekdoten aus dem Alltäglichen mit großem Spaßfaktor – gleichermaßen auf der Bühne wie beim Publikum. Jenes, von der Altersstruktur her auch schon „raus aus dem Gröbsten“, ergötzte sich an der Situationskomik ebenso wie an der oft hintergründigen Gestik, nahm die virtuos zugespielten Bälle nach allen Seiten sicht- und hörbar gerne auf.

Man bot von der Bühne aus geglückte Wortspiele und launige Spötteleien, lud zum Gürtellinien-Limbo (Viagra-Werbespruch: „wir stellen die Weichen“) genauso wie zum pragmatischen Philosophieren („Wenn der Herrjott ruft, dann ist Sense!“).

Das waren gut zwei Stunden ausgeklügelte und ausgelassene Kleinkunst mit vielen Eigenkompositionen, einem Reichtum an kecken Possen und kreativen Einfällen, geistreich und musikalisch wunderbar miteinander verflochten. Das Publikum antwortete mit Geschmunzel und Gelächter, mit Gejohle und Beifall. Gelobt wurde die „erfrischend fränkische Mundart“, und das musikalisch hohe Niveau“ ebenso wie das, „was die Gruppe aus ihren Instrumenten herausholte.