Wertheim

Konzert im Schlösschen Viel umjubelter Auftritt von Erika Goldsetzer (Violine) und Ian Fountain (Klavier) / Instrumente traumwandlerisch sicher beherrscht

Heavy Metal der klassischen Musik

Archivartikel

Zwei Ausnahmemusiker gastierten im Schlösschen im Rahen der Meisterkonzerte. Erika Goldsetzer und Ian Fountain begeisterten die Zuhörer mit virtuosem Spiel.

Wertheim. Am Vormittag noch hatten Erika Goldsetzer (Violine) und Ian Fountain (Klavier) für ihr Konzert in der Wertheimer Musikschule geübt. Zurück zu den Wurzeln hieß das für die Ausnahmemusiker, schließlich spielen beide schon seit Kindertagen auf ihren Instrumenten.

Über zwei Jahre hatten Stefan Blido und seine Frau für ein Konzert in Wertheim bei den beiden geworben. Nun also der viel umjubelte Auftritt im Schlösschen im Rahmen der Meisterkonzerte. Und wahrlich Meisterhaftes wurde den leider nur knapp über 60 Zuhörern geboten. So eine Intensität an Tönen mit so einer traumwandlerisch sicheren Beherrschung des Instrumentes selbst bei schwersten Partituren bekommt man sonst nur in den Metropolen dieser Welt geboten. Die Verlagerung des Flügels an die Eingangstür und damit eine Klangerweiterung in den Saal hinein machte sich positiv bemerkbar. Noch voller und umfassender kamen die Töne, die Ian Fountain erklingen ließ.

Dabei hatte man zeitweise den Eindruck, er würde nicht mit zehn sondern mit 20 Fingern spielen. So schnell und virtuos kamen die Tonfolgen. Und Erika Goldsetzer stand ihm an ihrer Violine in nichts nach. „Eine Sternstunde in der Geschichte des Schlösschens“, sagte nicht nur eine Besucherin des Konzertes. Wirklich alle Besucher waren restlos begeistert.

Dabei hatten sich die beiden Musiker keine leichten Stücke herausgesucht. Auch wenn das alles beherrschende Thema die Romantik war, es wurde laut und voll. „Das war Heavy Metal der klassischen Musik“, beschrieb ein Zuhörer seinen Eindruck des Konzertes.

Außerordentliche Fingerfertigkeit

Schon bei der Interpretation von Edward Elgars Sonate für Violine und Klavier in e-moll wurde die außerordentliche Fingerfertigkeit der beiden Musiker deutlich. Fast konnte man ein Vibrieren des Saales spüren, so intensiv war das Klangerlebnis.

Dies wurde noch deutlicher, als Ian Fountain die Paraphrase für Klavier von Franz Liszt zu Richard Wagners Ouvertüre des Tannhäuser zelebrierte. Fountain versank praktisch in dem Stück und kroch imaginär in den Flügel hinein und verschmolz mit dem Instrument. Dabei verstand er es , die Originalsprache von Wagner zu übernehmen, aber dank der Vorgaben von Liszt eigene Interpretationen einzubauen.

Bei Johannes Brahms Sonate Scherzo in c-moll war dann wieder mehr Goldsetzer gefragt. Die mit ihrem Fouré-Quartett weltbekannte Künstlerin beherrscht ihr Instrument und stand der Klangfülle des Flügels in nichts nach.

Moderne Zugabe

Beide Künstler ergänzten sich hervorragend. Das war auch beim letzten Stück des Abends, Franz Schuberts Fantasie für Violine und Klavier in C-Dur so.

Hier konnten beide noch mal zeigen, was sie drauf haben. Und das war mehr als man in den Hallen des Schlösschens seit langem gehört hatte. Umso lauter fielen dann auch die Bravo-Rufe aus, und der Beifall wollte nicht enden. Logisch, dass die beiden bei so viel Beifall noch zwei Zugaben zum besten gaben, modernere Stücke, die allerdings genauso perfekt vorgetragen wurden. Es war wirklich eine Sternstunde im Veranstaltungsreigen der Stadt Wertheim, so das abschließende Urteil nicht nur von Stefan Blido.