Wertheim

Verhandlung 21-Jähriger wegen des Kaufs von Drogen angeklagt

„Heilsamer Schock“

Archivartikel

Wertheim.Ein Handwerker mit einem körperlich anstrengenden Beruf spielte in seiner Freizeit ausgiebig am Computer. Um das Schlafbedürfnis übergehen zu können, kaufte und konsumierte er Amphetamin. Wegen unerlaubten Erwerbs von Drogen in 17 Fällen musste sich der 21-Jährige aus dem Main-Tauber-Kreis nun beim Amtsgericht Wertheim verantworten.

Zum Zeitpunkt der Fälle eins (Januar 2016) bis 14 war der Angeklagte noch Heranwachsender (18 bis 20 Jahre), bei den Fällen 15 bis 18 hatte er das 21. Lebensjahr soeben vollendet. Auf Vorschlag der Jugendgerichtshilfe (JGH) Main-Tauber und auf Antrag der Staatsanwaltschaft brachte die Richterin jedoch für sämtliche Fälle Jugendstrafrecht zur Anwendung und verwarnte den Beschuldigten.

Als Auflagen muss er 1000 Euro an den Jugendhilfefonds Main-Tauber zahlen und einen Termin bei der Suchtberatung wahrnehmen. Letzteres soll eine Absicherung sein. Denn alle Prozessbeteiligten waren zur Auffassung gelangt, dass der Mann inzwischen keine Drogen mehr nimmt.

Die gekauften Amphetaminmengen lagen jeweils zwischen fünf und 30 Gramm, das Gramm zu 15 bis 20 Euro. Verkäufer war in acht Fällen ein Händler aus Wertheim. Gegen ihn ist ein eigenes Strafverfahren beim Landgericht Mosbach anhängig. Sonst kaufte der Beschuldigte von unbekannten Personen übers Internet.

Als dann plötzlich in der Frühe die Kripo klingelte und seine Wohnung durchsuchte, war das für den Angeklagten ein „heilsamer“ Schock. Er zeigte sich „von Anfang an sehr kooperativ“, so ein Polizeibeamter, und legte ein umfangreiches Geständnis ab.

Die Anklageschrift beschränkte sich auf eindeutige Käufe. Weniger klare Fälle stellte die Staatsanwaltschaft schon im Vorfeld ein. Sie hätten das Urteil nicht wesentlich strenger ausfallen lassen.

In der Verhandlung sagte der Beschuldigte, während seiner mehrjährigen Drogenzeit habe die Freundin zu ihm gehalten, obwohl sie Rauschgift ablehne. Der Verteidiger betonte, die Anklageschrift basiere auf dem Geständnis seines Mandanten bei der Polizei. Der Anwalt legte das Ergebnis eines aktuellen ärztlichen Tests vor. Danach ist der Angeklagte frei von Drogen oder -abbauprodukten.

Die Richterin wies den Mann darauf hin, wenn er demnächst den Führerschein mache, bekomme er die Fahrerlaubnis nur bei glaubhafter Drogenfreiheit. Das Urteil ist rechtskräftig. goe