Wertheim

Konzertlesung Besucher genossen im Atelier Schwab Texte und vertonte Werke des Dichters Wolf Wiechert

Herzen der Zuhörer zwei Mal berührt

Eine gefühlvolle Konzertlesung genossen die Zuhörer am Donnerstag im Atelier Schwab. Dabei waren auch Texte und Gedichte des Wertheimer Poeten Wolf Wiechert auf besondere Art zu erleben.

Wertheim. „Um dich und mich und die Verhältnisse“: So titulierte der Dichter Wolf Wiechert seine Lesung im Rahmen der Ausstellung „Origine – Presente. Kunst und Kunsthandwerk aus Gubbio“. Die Veranstaltung war eine Kooperation mit dem Kulturkreis Wertheim.

Atelierbesitzer Johannes Schwab stellte den Bezug von Wiecherts Texte zu Gubbio her. Die Themen Liebe und Italien gehörten zusammen. „Das eine kann man sich ohne das andere schwer vorstellen.“ Neben Vorträgen und Hintergrundgedanken zu den Texten hatten die Besucher das Vergnügen, Wiecherts Gedichte in gesanglicher Form zu genießen. Am Klavier begleitete Alexander Wolf. Er hat auch viele Gedichtzyklen von Wiechert vertont.

Wolf eröffnete den Abend mit dem Klavierstück „Poeta Laureatus – Der Lorbeer gekrönte Dichter“. Dieses hatte er als besondere Anerkennung für Wiechert zu dessen 80. Geburtstag komponiert.

Zunächst trug der Dichter die von ihm „Veits News“ getauften Texte vor. Wie er sagte, handele es sich um Nachrichten und Erlebnisse eines gewissen Veits im Stil eines Tagebucheintrags. Die Texte greifen das Leben auf dem Land auf. Sie beschreiben es aus der Sicht von einem, der in der Provinz seine Heimat fand. Die Reihe trägt den Untertitel „Terrassiertes Land“, eine Anspielung auf den Garten mit Terrasse, der in den News eine besondere Rolle spielt.

„Veits heiße ich nicht, aber ich bin es“, erklärte Wiechert, dass die Texte seine Eindrücke beschreiben. Er lebe in einem rund 200 Jahre alten Bauernhaus, in dem auch einst jener Veit wohnte. „Ich lebe mit ihm und allen anderen ehemaligen Bewohnern des Hauses.“

Zwischen den einzelnen Wortbeiträgen spielte Wolf improvisierte Stücke am Klavier. Die Musik versetzte die Zuhörer in kleinen Tagträumen in die Welt, die von Veit beschrieben wurde.

Benannt sind die Texte jeweils nach dem Datum ihrer Niederschrift. Am „26. August 2017“ notierte Wiechert die Beobachtung eines Bussards, dessen Schreie er im Abendrot hörte. Er konnte ihn lange nicht erspähen, stattdessen sah er einen Jet auf dem Weg ins Urlaubsland. Er beschrieb unter anderem, wie er sich die Gefühle der Passagiere vorstellte.

Im Text vom „27. August 2017“ geht es um die Schönheit und den würzigen Duft der Moosrosen, aber auch darum, wie schwer es ist, nichts zu tun. In den News vom „10. September 2017“ berichtet Veit wieder von einem Tag auf der Terrasse. „Jetzt können sie sich vorstellen, wie ich lebe“, kommentierte Wiechert.

Den ersten Teil des Abends schloss er mit einem Gedicht über Gubbio ab. Als Teilnehmer einer Wertheimer Delegation hatte er in der Partnerstadt Lesungen veranstaltet. Im Gedicht beschreibt er die prägende Landschaftswirkung des Cardo, eines eindrucksvollen, hochwachsenden und essbaren Distelgewächses. Dieses Gedicht war sogar im Rathaus von Gubbio aufgehängt.

Nach der Pause widmete sich Wiecherts Liederzyklus, den Wolf vertont hat, der „Liebe“. Stolz stellten die Beiden im Gespräch mit den FN fest, dass noch in diesem Jahr beim Klassik-Label Genuin (Leipzig) eine CD mit 30 Liedern von ihnen erscheinen werde. Aufgenommen habe man die Stücke fünfstimmig mit Sängern und einem Pianisten „gehobener Klasse“ aus ganz Deutschland.

Nachdem Wiechert die Texte vorgetragen hatte, sang Sonja Miranda-Martinez den Zyklus „Liebe“. So berührten die Werke gleich zweifach die Herzen der Gäste. Vorgetragen wurde sieben Werke aus dem Zyklus: „Liebeserklärung“, „Tanz du“, „Beschreibung eines Interesses oder einer Liebe“, „Blutprobe“ und „Restsüße“. Im Text von „Blutprobe“ geht es unter anderem um die Mehrdeutigkeit des Wortes „Blau“. Mit dem Gedicht verbindet Wiechert die Erinnerung an eine Lesung in einer Deutschstunde einer 12. Klasse in Gubbio. Bei den Worten „in dein Herz. Dort leb ich ertrunken“, habe eine schüchterne Schülerin gesagt, so stelle sie sich die Liebe zu ihrem zukünftigen Mann vor. Das Lied „Les Nymphéas“ ist eine Hommage an das Gemälde der Seerose von Claude Monet. „Restsüße“ beschrieb in malerischen Worten das Gefühl gegenüber jemanden, der einem den Tod wünscht.

Als letztes Stück erklang das Lied „Sanddorn“. Es ist eine Liebeserklärung an das Samland, einen Küstenstreifen im ehemaligen Ostpreußen. bdg