Wertheim

Rückblick Geschäftsführer und Mitarbeiter des gemeinsamen Teams von Diakonischem Werk und Caritasverband im Tauberkreis blicken auf ihre EA-Zeit zurück

Hoch motiviertes ökumenisches Team

Wehmut schwingt mit, wenn die Geschäftsführer und Mitarbeiter von Diakonischem Werk und Main-Tauber-Kreis auf ihre Arbeit in der Erstaufnahmeeinrichtung Wertheim zurückblicken.

Reinhardshof. "Es war eine echte Hauruck-Aktion", erinnert sich Wolfgang Pempe an den September vor zwei Jahren. Die Deutschen sahen im Fernsehen die Flüchtlingsströme, die in Österreich entlang der Autobahn Richtung Bayern liefen oder in München mit dem Zug eintrafen. Es musste schnell gehandelt werden, so viel stand fest. Denn die Menschen waren da. Die Mitarbeiter der Polizeiakademie hatten ihre letzten Sachen noch gar nicht gepackt, als es hieß, das Gelände auf dem Reinhardshof wird zur Erstaufnahmeeinrichtung.

Ehrenamtliche von "Willkommen in Wertheim", Hilfsorganisationen, Wohlfahrtsverbände und viele hilfsbereite Bürger standen selbstverständlich auf der Matte und packten mit an. Das Regierungspräsidium Stuttgart beauftragte das Diakonische Werk und den Caritasverband mit der unabhängigen Sozial- und Verfahrensberatung und der Kinderbebetreuung.

Gute Kooperation

"Es ist nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal, dass wir nicht nebeneinander, sondern als gemeinsames Team gearbeitet haben", meint Pempe. Auch Michael Müller, Vorstandsmitglied des Caritasverbands sieht das so: "Das war eine gute Kooperation von Diakonie und Caritas. Wir sind noch einmal enger zusammengewachsen und haben erfahren, dass man sich aufeinander verlassen kann." Beide Verbände führten gemeinsam die Vorstellungsgespräche. Beate Meyer vom Caritasverband beschreibt dies auch auf christlicher Grundlage: "Als Kirchen haben wir den Auftrag angenommen und zugepackt - wie schnell das ging, hat uns selbst überrascht." Michael Müller fügt an, dass Wohlfahrtsverbände oft als großer Tanker wahrgenommen würden. "Mit unserem Engagement haben wir gezeigt, dass wir durchaus sehr schnell gegenzusteuern wissen."

Improvisation gefragt

Alex Schuck, Mitarbeiter des Diakonischen Werks, erinnert sich an das anfängliche hohe Maß an Improvisation und die riesige Hilfsbereitschaft allerorten. Die gut geplante dreigruppige Kinderbetreuung sei dann zwar doch nicht umgesetzt worden, dennoch habe man das Beste aus der Situation gemacht.

Teamleiterin der Unabhängigen Sozial- und Verfahrensberatung war Claudia Kaufhold, zu EA-Zeiten angestellt beim Diakonischen Werk, jetzt arbeitslos. Sie ist Juristin und arbeitete sich schnell in die frisch gegossene rechtliche Lage ein. "Wir hatten den Willen, die Sache gut zu machen. Das war auf allen Seiten erkennbar", sagt sie und meint damit sowohl die Verantwortlichen vom Regierungspräsidium und des mit Regie und Abläufen in der EA beauftragten privaten Dienstleisters EHC als auch die Ehrenamtlichen oder die eingesetzten Soldaten. Kaufhold: "Es gab keine üblichen Lagerdenkweisen, sondern den Wunsch, das zu schaffen - und zwar gut."

Dass die Sozial- und Verfahrenberatung unabhängig sein sollte, war ein Wunsch des Regierungspräsidiums gewesen und hat sich bewährt. Als Juristin lag Claudia Kaufhold viel daran, auf fehlerfreie Verfahren zu achten. "Es gibt Dinge, die schlecht gelaufen sind", sagt sie unumwunden und nennt ein Beispiel.

Einmal sei eine Person nach Heidelberg zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zur Anhörung gebeten worden. Mit dem Bus sei er auch dorthin gefahren worden, nicht aber an die Reihe gekommen, obgleich er gelistet war. Was folgte, war eine Ablehnung seines Antrags, weil er keine Angaben gemacht hatte. Erst durch das Nachhaken Kaufholds und dem entsprechenden Vermerk auf einer Busliste, konnte die fehlende Anhörung nachgewiesen und dem Mann zur zweiten Chance verholfen werden.

Mitten im Lauf gekillt

Viel gelernt, so lassen die Beteiligten durchblicken, hätten alle. In der Arbeit mit den Flüchtlingen, in den Verfahren, im Umgang miteinander. Als die Schließungsbeschlüsse kamen, änderte sich naturgemäß auch die Perspektive der Arbeit. Von mindestens fünf Jahren EA-Bestand, so hieß es lange Zeit, war eigentlich ausgegangen worden. Jetzt sind es gerade mal zwei gewesen. Auch für Claudia Kaufhold war das der absolute Tiefschlag. Wolfgang Pempe meint dazu: "Es war die am besten funktionierende Einrichtung in Baden-Württemberg. Und es ist frustrierend, mitten im Lauf gekillt zu werden." Das Aus für die EA auf dem Reinhardshof sei für ihn "der persönliche politische Hintergrund einer Person".

Derzeit werden in der kommunalen Anschlussunterbringung Integrationsmanager gesucht, die konkrete soziale Arbeit leisten. Entweder werden sie von der Kommune eingestellt, freie Träger mit dieser Arbeit beauftragt oder der Landkreis übernimmt die Arbeit. Eine Unabhängigkeit, wie sie in der EA gewährleistet war, ist nicht gefordert.

Integrationsmanager

Der Haken sei, betonen Pempe und Müller, dass im Pakt für Integration nur die reinen Personal- und Reisekosten, befristet auf zwei Jahre, finanziert werden. Regiekosten wie Verwaltung und sonstige Sachkosten würden nicht geleistet. "Wir finanzieren staatliche Aufgaben nicht mit", konstatieren Müller und Pempe unisono.

Beate Meyer meint dazu: "Die Kommunen müssen sich tummeln, wenn sie eine ordentliche Begleitung für ihre Flüchtlinge wollen." Die Mitarbeiter der EA seien nicht nur hoch qualifiziert, sondern auch sehr erfahren.