Wertheim

Seit Wochen ausverkauft Weltbekannter Klarinettist im Bernhardsaal / Jazz-Orchester nutzt von filigraner Kammermusik bis hin zu orchestral-monumentalem Klang alle Möglichkeiten der Instrumente

Hochgenuss für die Zuhörer

Archivartikel

Bronnbach.„Feidman plays Beatles“ lautete das verheißungsvolle Motto des seit Wochen ausverkauften Konzerts, zu dem der Kulturkreis Wertheim am Samstag in den Bronnbacher Bernhardsaal eingeladen hatte.

Giora Feidman, weltbekannter Instrumentalist (Sopran- und Bassklarinette) und als erklärter Weltbürger charismatische Persönlichkeit der Zeitgeschichte begeisterte das Publikum mit seinem Spiel, aber auch mit seiner humorigen, aber auch bewegenden Moderation.

Das „Rastrelli-Cello-Quartett“ mit Kira Kraftzoff, Mikhail Degtjareff, Kirill Timofeev und Sergio Drabkin bildete mit ihm gemeinsam, aber auch eigenständig ein vielfarbiges, geradezu chamäleonartig wandelbares Jazz-Orchester, das von filigraner Kammermusik bis hin zu orchestral-monumentalem Klang alle Möglichkeiten der Instrumente auszunutzen verstand. Die Arrangements für die besondere Besetzung schrieb Sergio Drabkin.

„Special Guest“ war das „Jerusalem-Duo“ mit Feidmans Enkelin Hila Ofek (Harfe) und deren Ehemann André Tsirlin (Sopran-Saxofon), die mit der Kombination eines der ältesten und eines der jüngsten Instrumente der Musikgeschichte das Konzert mit einer neuen, reizvollen Klangkombination bereicherten.

Mitreißendes Forte

Faszinierend waren bereits die ersten Töne von „Yesterday“, dem meist-gecoverten Pop-Song aller Zeiten. Zuerst leise dahingehaucht, wie von ferne am Horizont erscheinend, erfüllte die bekannte Melodie nach und nach den ehrwürdigen Bernhardsaal. Klanglicher Wegbereiter war das „Rastrelli-Quartett“, das den Klangteppich zunächst vorsichtig ausrollte, dann aber immer bestimmender zu einem mitreißenden Forte mit Feidmans Klarinette anwuchs.

„Musik ist sooo schön“ konstatierte der 82-jährige welterfahrene Feidmann und erklärte mit wenigen deutsch-englischen, aber treffsicheren und für alle verständlichen Worten seine Intention des Musizierens und des aktuellen Konzertprogramms: „The Beatles brought to us Unity“ und „This will gehen weiter“ bis hin zu „The relationship of the Juden und den Deutschen is one of the Examples of Menschheit“. Die Begeisterung für die Musik der Beatles habe auf allen Erdteilen zur Einigkeit unter den jungen Leuten geführt, ohne dass Unterschiede in Kultur und Religion eine Rolle spielten.

Nach und nach, manchmal stufenlos ineinandergreifend, erklangen bekannte und unbekanntere Melodien wie „If I fell“, „Michelle“ und „Fool on the Hill“.

Reich verziert, kunstvoll variiert, manchmal scharf pointiert, aber immer wieder zart und feinfühlig dargeboten wurde jeder Takt zum Hochgenuss für die Zuhörer, aber offensichtlich auch für die Musiker, die sich dank ihrer bewundernswerter Souveränität des Musizierens ganz den feinsten Nuancen der Interpretation widmen konnten. Vorwärts drängendes, rhythmisch-groovendes Zupfbassfundament, aber auch feinste melodiöse Präsentation kleiner Melodieabschnitte konnten Celli und Klarinette in schnellem Wechsel und in stufenlosen Übergängen bewundernswert auskosten. Zugaben gab es nicht nur am Schluss des Konzerts, sondern mit „When I’m sixty-four“ schon vor der Pause, denn, so Feidman: „Nicht in die Bibel und nicht im Koran steht geschrieben, dass Zugabe sein muss am Ende of the Programm. Wir spielen Zugabe jetzt“.

Tief beeindruckt nach Hause

Auch das „Jerusalem-Duo“ konnte man beim Großen Finale ganz zum Schluss noch einmal hören, sodass die Zuhörer mit den Klängen „Hey Jude“ im Ohr und auch auf den Lippen nach Hause gehen konnten, tief beeindruckt von der Musik, aber auch von der charismatischen Ausstrahlung des Meisters, der das Publikum schließlich verabschiedete mit den Worten: „Vielen Dank, God bless you“.