Wertheim

Orgelkonzert Bezirkskantorin Katharina Wulzinger begeisterte am Samstag über 70 Zuhörer in der Wertheimer Stiftskirche

Hochkarätige, herrliche Choralfantasien

"Klage und Gebet" lautete die Überschrift des Orgelkonzerts am Samstagvormittag in der Stiftskirche, mit dem Bezirkskantorin Katharina Wulzinger über 70 Zuhörer begeisterte.

Wertheim. Hochkarätige Choralfantasien hatte sie herausgesucht, und nach kurzer Einführung begann sie mit Mendelssohn-Bartholdys Orgelsonate A-Dur "Aus tiefer Not schrei ich zu dir".

Lebendig und souverän

Verhalten war zu Beginn die Registrierung, nicht jedoch die Spielweise, die mit Lebendigkeit und souveräner Ausdruckskraft das Konzert von der ersten bis zur letzten Minute kennzeichnete.

Katharina Wulzinger legte Wert auf die gute Hörbarkeit der markanten Choralmelodien, die im Laufe des Konzerts in allen Stimmen und auf allen Manualen in munterer Vielfalt erklangen.

"Crescendo: Paul Schultheiß" hätte man ins Programm schreiben können, denn der Assistent hatte neben dem Umblättern eine höchst elementare Aufgabe zu erfüllen: Vor der von der Organistin genüsslich ausgekosteten Schlusskadenz hatte er über viele Takte passgenau immer ein Register nach dem anderen hinzuzufügen, so dass eine groß angelegte Steigerung möglich wurde, die einem romantischen Orchesterklang erstaunlich nahe kam.

Die herbe Chromatik des "Interludium" von Peter Planyavsky, Wulzingers einstigem Lehrmeister, bildete eine kontrastierende Zäsur zwischen Mendelssohn und Bach, ließ den aufmerksamen Zuhörer aber auch Gemeinsamkeiten entdecken. In anderen Zusammenhängen und weicheren Modulationen waren einzelne Klangempfindungen durchaus auch in Bachs "Clavierübung" enthalten.

Vollendete Harmoniefolgen

Hier bestimmte der Cantus firmus stets das musikalische Geschehen, den Wulzinger auf dem Rückpositiv hervorhob, dann wieder in den Mittelstimmen synkopenreich umspielte und schließlich, fundamentiert durch die Pedalposaune der von Bach vorgeschriebenen vollen Orgel ("organo pleno") in vollendeten Harmoniefolgen zum Abschluss brachte. Mendelssohns "Vaterunser-Sonate" gehört zu den wichtigsten Höhepunkten der Orgelliteratur. Die Strophen der ehrwürdigen Choralmelodie aus dem 14. Jahrhundert wurden in erfrischender Weise immer wieder neu präsentiert, in gefühlvollem Legato ebenso wie in virtuosen Arpeggien, die sich jubelnd über dem Choralbass entwickelten.

Ein wunderschön registriertes und herrlich gespieltes Schluss-Andante rundete die Sonate und das dreiviertelstündige Konzert ab. Das Publikum dankte ihr mit herzlichem, lang anhaltendem Applaus.