Wertheim

Badische Landesbühne Ein-Personen-Stück „Vierundzwanzig Stunden im Leben einer Frau“ fesselte die Zuschauer in der Aula „Alte Steige“

Im Rausch der großen Emotionen

Lautstarker Beifall für eine einfallsreiche Inszenierung: Das Stück der Badischen Landesbühne, „Vierundzwanzig Stunden im Leben einer Frau“, kam beim Publikum gut an.

Wertheim. Über eine Stunde allein auf der Bühne bestreiten, dabei einen durchgehenden Spannungsbogen zu halten und die verschiedensten Emotionen glaubhaft darzustellen. Dieses schauspielerische Meisterwerk gelang Cornelia Heilmann von der Badischen Landesbühne am Dienstagabend in der Aula „Alte Steige“. Sie spielte, unterstützt von zahlreichen visuellen Effekten, im Ein-Frau-Stück „Vierundzwanzig Stunden im Leben einer Frau“ von Eric-Emmanuel Schmitt. Dieses beruht auf einer Novelle von Stefan Zweig.

Die eigentliche Handlung ist rasch erzählt: Eine verwitwete Frau in den Vierzigern will nach dem Tod ihres Mannes aus dem Alltag ausbrechen und besucht ein Casino in Monte Carlo. Dort lernt sie den 18 Jahre jüngeren Matteo kennen, der am Spieltisch sein gesamtes Geld verliert. Ab hier nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Die Protagonistin Celia rettet ihn vor dem Selbstmord, verbringt daraufhin, ganz gegen ihre üblichen Moralvorstellungen, voll Leidenschaft die Nacht mit ihm und verfällt ihm komplett, so dass sie bereit ist, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Sie bezahlt seine Schulden und nimmt ihm in der Kirche das Versprechen ab, nicht mehr zu spielen und seinen Eltern den von ihnen gestohlenen Schmuck zurückzugeben.

Sie verpasst ihn vermeintlich bei der Abfahrt, findet ihn als Süchtigen aber letztlich wieder am Spieltisch, als er ihr Geld verprasst. Anschließend findet der um einen Tag aufgeschobene Suizid doch noch statt. Die Schlussfolgerung von Celia ist, sich neu anzunehmen und das Leben zu schätzen.

Große Herausforderung

Das von Regisseur Wolf E. Rahlfs als deutsche Erstaufführung inszenierte Stück forderte besonders die technische Abteilung des Theaters. Auf mehreren Leinwänden wird mit Farben, Projektionen und Licht gespielt, immer passend zur Stimmung. Da rollen mehrere Roulettekreisel über die Leinwand oder die Scheinwerfer auf einer nächtlichen Autobahn. Manchmal sieht man Heilmann gar nicht, manchmal in mehrfachen Projektionen. Der eigentlich nur in ihrem Monolog präsenten Matteo taucht ebenfalls auf der Leinwand auf. Diese Videos wurden mit Heilmanns Kollegen Tim Tegtmeier gedreht.

Obwohl das Ende nicht überraschend ist – bereits in den ersten Sätzen wird der Suizid als Ergebnis dieser 24 Stunden angekündigt – ist der Zuschauer vor Spannung gefesselt: Spannung, in welche Stimmung, welche Emotion er als nächstes mitgenommen wird und wie diese schauspielerisch und technisch-virtuell dargestellt wird. Dabei sei es ihm, so Rahlfs, wichtig gewesen, „menschliche Gefühle und Entscheidungen nicht zu bewerten oder zu verurteilen, sondern nachvollziehbar und sinnlich erlebbar zu machen.“ Eine weitere Gefahr, so der Regisseur, sei gewesen, dass die Darstellung großer Gefühle häufig in den Kitsch abgleite und zu Wertungen Anlass gebe. Dem habe er entgegenwirken wollen, indem er die subjektive Verarbeitung des Geschehenen durch Celia in den Mittelpunkt stelle.

Diese Rechnung ging voll auf und so brandete am Schluss lauter und lang andauernder Beifall auf, derl gleichermaßen der schauspielerischen Leistung, der einfallsreichen Inszenierung und der Raffinesse der technischen Umsetzung galt. nad